Interview mit dem Technischen Beigeordneten
„Die Stadt hat gute Perspektiven“

Steinfurt -

Etwas mehr als ein Jahr ist Hans Schröder als Nachfolger von Reinhard Niewerth als Technischer Beigeordneter im Amt. Was hat er in dieser Zeit schon bewegen können und welche Herausforderungen sieht er für die Zukunft? Im Gespräch mit WN-Redakteur Ralph Schippers zieht Schröder Zwischenbilanz.

Freitag, 14.06.2019, 19:00 Uhr aktualisiert: 14.06.2019, 19:08 Uhr
Der Technische Beigeordnete an seinem Schreibtisch im Rathaus. Seit gut einem Jahr ist er im Amt – und auf vielen städtischen Baustellen aktiv.
Der Technische Beigeordnete an seinem Schreibtisch im Rathaus. Seit gut einem Jahr ist er im Amt – und auf vielen städtischen Baustellen aktiv. Foto: Ralph Schippers

Er sucht nicht unbedingt die Öffentlichkeit, arbeitet viel lieber hinter den Kulissen – und das sehr effektiv: Die Menschen bei der Entwicklung ihrer Stadt mitnehmen, ihnen zuhören und ihre Wünsche in die Entscheidungsprozesse einbringen – das ist Hans Schröder wichtig. Etwas mehr als ein Jahr ist der gebürtige Nordhorner jetzt als Nachfolger von Reinhard Niewerth als Technischer Beigeordneter im Amt. Was hat er in dieser Zeit schon bewegen können und welche Herausforderungen sieht er für die Zukunft? Im Gespräch mit WN-Redakteur Ralph Schippers zieht Schröder Zwischenbilanz.

Herr Schröder, Sie sind jetzt etwas mehr als ein Jahr als Technischer Beigeordneter tätig. An Herausforderungen mangelt es nicht. Ihre Meinung ist in vielerlei Hinsicht gefragt, in Ausschuss- oder Ratssitzungen zeigen sie sich ideenreich und gut vorbereitet. Worin sehen Sie die Stärken der Stadt?

Hans Schröder: Da sind zunächst einmal die Lage in einem prosperierenden Umfeld mit der Nähe zum wirtschaftlich starken Oberzentrum Münster als Pluspunkt. Die Perspektive ist sogar noch besser als zu meinem Amtsantritt. Hinzu kommt das gute soziale Miteinander, das die Stadt kennzeichnet. Darauf kann man aufbauen.

Die nach wie vor gegebene Bipolarität der Stadt zieht vielerlei Ansprüche nach sich. Zugleich setzt die Finanzlage starke Restriktionen. Wo glauben Sie, konnten Sie trotzdem erste Pflöcke einschlagen?

Schröder: Die Finanzen sind ein sehr starker limitierender Faktor, in der Tat. Wir entwickeln uns wirtschaftlich aber auch so gut, dass ich davon ausgehe, dass wir in absehbarer Zeit aus der Haushaltssicherung herauskommen. Hinzu kommt – gerade auch in der derzeitigen Boomzeit – die Möglichkeit, bei der Umsetzung von Projekten Fördertöpfe in Anspruch zu nehmen. Ich habe gute Mitarbeiter, mit denen ich in diesem einen Jahr schon einiges angehen konnte. Man muss sich aber auch darüber im Klaren sein, dass die Zeiten sich auch schnell wieder ändern können und Zuschüsse nicht so üppig fließen. Als erfolgreiches Förderprojekt, das umgesetzt wird, möchte ich den Sportpark Borghorst nennen.

Eine der größten Baustellen der Stadtentwicklung ist derzeit das Weber-Quartier. Nach dem Absprung der List-Gruppe als möglicher Investor: Welche Chancen der Weiterentwicklung sehen Sie?

Schröder: Auch wenn man die Bagger auch morgen noch nicht dort wird rollen sehen: Ich glaube schon, dass wir bereits ein ganzes Stück vorangekommen sind, was die Umnutzung anbelangt. Eine sinnvolle Weiternutzung ist äußerst wichtig für die Stadt. Ich sehe es als große Chance, dass das Krankenhaus in der Nähe ist – das dazu auch noch wirtschaftlich gut funktioniert. Eine Kombination aus Reha, Pflege und Wohnen fände ich ideal. Das Schwierige an der Situation ist die rechtliche Verzwicktheit. Es wird noch einige Zeit brauchen, bis eine Lösung gefunden ist. Die Frage, ob die Stadt dabei das Heft in die Hand nehmen sollte oder doch ein Investor lasse ich bewusst offen. Die Priorität muss sein, das Gelände überhaupt freizubekommen. Um gut aufgestellt zu sein, habe ich für mich selbst mittlerweile ein Modell gezeichnet. Aus der Beschäftigung damit gehe ich davon aus, dass sich eine Entwicklung rechnet und es zugleich eine städtebauliche und architektonisch gute Lösung geben kann.

Ob Verkehr, (sozialer) Wohnungsbau oder Gewerbeansiedlungen – die Flächenknappheit ist überall in der Stadt spürbar. Gleichzeitig steigen die Bedarfe. Welche Auswege aus diesem Dilemma sehen sie für die Kreisstadt?

Schröder: Was die Wohnbebauung anbelangt, lässt uns der Regionalplan wenig Spielraum. Ich sehe jedoch noch viele Flächen in den Innenbereichen. Die Strategie, immer weiter in die Fläche zu gehen, während sich in zentralen Bereichen immer mehr Löcher entwickeln, halte ich ohnehin für falsch. Es gibt eine Tendenz hin zum Wohnen in der Stadt – gerade für Ältere. Alte Gebäude dafür umzunutzen, wäre ein stadtstrukturell und ökologisch richtiger Ansatz. Bei den Gewerbeflächen müssen wir ebenfalls Platz sparend verfahren. Ich denke dabei an die Verwertung von durch Umzug freiwerdende Grundstücke, an Grundstücke, die noch teilbar sind oder an Lösungen wie einen Gewerbehof, wo viele eher kleinteilige Betriebe auf begrenztem Raum wirtschaften können.

Umwelt- und Klimaschutz besser in die Stadtentwicklung integrieren – das wird angesichts von Artensterben und zunehmender Zerstörung der Lebensgrundlagen künftig immer mehr in den Fokus rücken. Wo werden Sie als Planungsdezernent ansetzen?

Schröder: Ich habe da einen ganz pragmatischen Ansatz: Wenn rot roter wird, muss grün grüner werden. Wir haben einige Bereiche in der Stadt, die ökologisch sehr wertvoll sind. Es gilt, diese weiterzuentwickeln und zu vernetzen. Zugleich halte ich es auch für wichtig, mehr für den Klimaschutz zu tun. Ich denke dabei zum Beispiel an die vielen, auch innerstädtischen Pättken, die für Spaziergänge oder Radler nutzbar sind. Wir müssen dahinkommen, dass sie noch viel mehr Anreiz bieten, sich abends nach Feierabend eben nicht wieder ins Auto zu setzen und ins Grüne zu fahren, sondern dies zu Fuß oder mit dem Fahrrad machen.

Zu Ihrem Amtsantritt haben Sie gesagt, Sie möchten alsbald von Bad Bentheim nach Steinfurt ziehen. Konnten Sie diese Vorhaben in die Tat umsetzen?

Schröder: Ich habe einige Angebote bekommen, mal war es zu groß, mal zu klein. Wahrscheinlich bin auch ziemlich anspruchsvoll – und die Familie will ja auch noch ein Wörtchen mitreden. Ich würde schon gerne vor Ort wohnen, aber es muss auch passen. Eventuell kommt auch eine Lösung mit einem Zweitwohnsitz infrage.

Gestatten Sie mir eine persönliche Frage: Ihre Frau ist Bauamtsleiterin in der Nachbarstadt Ochtrup. Wie intensiv ist da der Austausch zu Fragen der Stadtentwicklung der Nachbarkommunen aus der Sicht des jeweilig anderen?

Schröder: (lacht) Wir tauschen uns in der Tat sehr intensiv über fachliche Fragen aus – auch sogar schon am Frühstückstisch oder in einer Mittagspause, wenn wir uns mal in Steinfurt, mal in Ochtrup treffen. Dabei zeige ich meiner Frau auch gerne Stadträume und frage sie nach ihrer Meinung und umgekehrt. Jedoch wir haben auch die Maxime, dass man den anderen letztendlich auch gewähren lassen muss.

Schlussfrage: Gesetzt den Fall, die Stadt bekäme eine Millionenförderung für die infrastrukturelle Weiterentwicklung – zur freien Verfügung. Wofür würden Sie das Geld zuvorderst einsetzen?

Schröder: Ich würde die Mobilität zwischen den Stadtteilen stärken. Konkret würde ich die Landstraße zwischen Borghorst und Burgsteinfurt aufkaufen, mittig eine Busspur bauen, wie das zum Beispiel in Enschede seit Jahren erfolgreich praktiziert wird, und dort Elektro-Shuttlebusse hin und herfahren lassen. Links und rechts würde es noch zwei Fahrspuren mit Tempo-50-Begrenzung geben und schließlich ganz außen, getrennt durch Grünstreifen breite, gut ausgebaute Radwege. Das würde die mentale Verbundenheit der Steinfurter stärken und auch das Bagno als Naturgebiet mittendrin noch wesentlich attraktiver machen.

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