„Klimaschutzbürger 2.0“
„Jeder Einzelne kann etwas tun“

Steinfurt -

Bei dem vom Verein „energieland2050“ des Kreises initiierten Projekt „Klimaschutzbürger 2.0“ werden seit Jahresbeginn 18 Familien kreisweit bei dem Versuch begleitet, ihren ökologischen Fußabdruck zu verringern. In verschiedenen Workshops vom Klimakochkurs bis zum Spritspartraining wird den Teilnehmern nähergebracht, wie sie sich klima- und ressourcenschonender verhalten können. Mit dabei: Das Borghorster Paar Gabi Steinbrüggen und Georg Hillebrandt.

Mittwoch, 19.06.2019, 15:56 Uhr aktualisiert: 19.06.2019, 16:28 Uhr
Fahrradaffin und stolze Besitzer eines Niedrigenergiehauses: Die „Klimaschutzbürger“ Gabi Steinbrüggen und Georg Hillebrandt.
Fahrradaffin und stolze Besitzer eines Niedrigenergiehauses: Die „Klimaschutzbürger“ Gabi Steinbrüggen und Georg Hillebrandt. Foto: Ralph Schippers

Mehr als zwei Welten. Gabi Steinbrüggen und Georg Hillebrandt waren schon überrascht über die Größe ihres ökologischen Fußabdrucks. Dass sein Lebensstandard im weltweiten Vergleich schon ziemlich hoch sein würde, ahnte das Paar aus Borghorst schon.

Aber dass zum langfristigen Erhalt des globalen Status Quo mehr als zwei Welten gebraucht werden? „Das hat mich dann doch etwas erschrocken“, gibt Gabi Steinbrüggen zu. Indes: Das Ergebnis des Ressourcenverbrauchstests, der ganz am Anfang ihres Engagements als „Klimaschutzbürger 2.0“, stand, hatte auch etwas Gutes. Es motivierte beide umso mehr zum Handeln.

Bei dem vom Verein „energieland2050“ des Kreises initiierten Projekt werden seit Jahresbeginn 18 Familien kreisweit bei dem Versuch begleitet, ihren ökologischen Fußabdruck zu verringern. In verschiedenen Workshops vom Klimakochkurs bis zum Spritspartraining wird den Teilnehmern nähergebracht, wie sie sich klima- und ressourcenschonender verhalten können. Mit dabei: Gabi Steinbrüggen und Georg Hillebrandt. „Ich hatte Ende vergangenen Jahres in der Zeitung von dem Projekt gelesen und gleich gedacht, das ist was für mich und meinen Lebensgefährten“, berichtet Gabi Steinbrüggen. Ihr Partner war schnell überzeugt und so folgte die Bewerbung. Die beiden 58-Jährigen hatten Glück: Zusammen mit 18 weiteren Familien oder Paaren wurden sie als Teilnehmer ausgelost.

Welches Zwischenfazit ziehen beide jetzt nach gut einem halben Jahr Projektlaufzeit? „Wir haben sehr viele Anregungen bekommen und die Erkenntnis gewonnen, dass jeder Einzelne recht einfach etwas für den Klimaschutz tun kann“, sagt Gabi Steinbrüggen. Auch das Verantwortungsbewusstsein sei gestiegen. „Wir haben Kinder und wollen daher auch Vorbild sein.“

Dafür tut das Borghorster Paar Einiges. Stichwort Mobilität: „Ich versuche, so viele innerstädtische Fahren wie möglich mit dem Fahrrad zu absolvieren“, sagt Gabi Steinbrüggen. Mit dem E-Bike will sie künftig ab und an sogar zur Arbeit nach Münster fahren – immerhin 28 Kilometer. Und wenn es doch das Auto sein muss, soll möglichst umweltfreundlich gefahren werden: Im Juli wollen beide an einem Spritspartraining teilnehmen.

Viel verändert hat das Paar bei seinen Ernährungs- und Konsumgewohnheiten. Es wird mehr lokal auf dem Markt gekauft – von den Eiern aus der Nachbarschaft bis zur Milch bei der Tankstelle Beckmann. Im Supermarkt werden nun stets eigene Behältnisse mitgenommen, wenn zum Beispiel Käse oder Wurst eingekauft wird. „Die Märkte haben sich mittlerweile darauf eingestellt“, hat Georg Hillebrandt festgestellt. Überhaupt versuchen beide, so oft wie möglich auf Verpackungen zu verzichten. „Ich kaufe daher gerne nach der Arbeit in Münster bei einem der beiden Unverpackt-Läden ein, die es dort gibt“, sagt Gabi Steinbrüggen. Sie hofft, dass es ein solches Angebot in absehbarer Zeit auch in Steinfurt gibt.

Was speziell die Ernährung anbelangt, verzichten beide weitgehend auf Fleisch und probieren neue vegetarische Rezepte aus. „Anregungen gibt es viele in der WhatsApp-Gruppe der Klimaschutzbürger“, freut sich das Paar über einen regen Austausch. Aber auch der extra angebotene Klimakochkurses habe viele Ideen gebracht. Gerne verwenden beide Gemüse aus dem eigenen Garten, natürlich ungespitzt und ohne chemischen Dünger.

Energiesparen – auch das ist integraler Bestandteil des Projekts. In dieser Hinsicht stand das Borghorster Paar schon zu Projektbeginn an gut da. Beide sind seit gut einem Jahr stolze Besitzer eines Niedrigenergiehauses im Dichterviertel. Zuvor hatten sie jeweils eigene Häuser. Die Wohnfläche ist also insgesamt deutlich kleiner, die Energieeffizienz höher.

Hat das Paar Vorschläge oder Erwartungen, was man in Sachen Klimaschutz kurzfristig verbessern kann? „Wenn in Bio-Läden Produkte in Plastikverpackungen angeboten werden, finde ich das inkonsequent“, sagt Georg Hillebrandt. Beide würden es sich wünschen, wenn das ÖPNV-Angebot weiter verbessert wird und – im Idealfall – es kostenfreie Fahrten für Bürger gibt. Auch beim Ausbau des Radwegenetzes müsse sich mehr tun. Ein Radschnellweg von Steinfurt nach Münster, das wäre ein Traum.

Wie groß ihr ökologischer Fußabdruck zum Ende von „Klimaschutzbürger 2.0“ sein wird? Die Borghorster können es noch nicht sagen. Beide hoffen natürlich, dass er merklich geringer geworden ist. Vielleicht ähnlich der Entwicklung bei ihren Gelben Säcken. „Da sind wir mittlerweile von durchschnittlich zwei auf weniger als einen gefallen“, sagt Georg Hillebrandt.

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