Jahrgangsübergreifende Klasse der Regenbogenschule gibt es seit vier Jahren
Kinder helfen ihren Mitschülern

Borghorst -

Das Konzept klingt wie das einer Dorfschule aus einem alten Heimatfilm: Kinder aller Altersstufen lernen gemeinsam in einem Klassenraum. „Das System, das bei uns dahinter steckt, ist ein ganz anderes“, will Dagmar König diesen Vergleich nicht gelten lassen.

Montag, 08.07.2019, 18:00 Uhr aktualisiert: 09.07.2019, 18:06 Uhr
In der jahrgangsübergreifenden Klasse unterstützen die älteren Schüler die jüngeren – das gibt ihnen selbst Motivation.
In der jahrgangsübergreifenden Klasse unterstützen die älteren Schüler die jüngeren – das gibt ihnen selbst Motivation. Foto: Bernd Schäfer

Anders als in Zeiten der Volksschule, in denen die altersgemischten Klassen eher ein notwendiges Übel waren, gebe es heute ein pädagogisches Konzept. Und das gehe voll auf, ist die Klassenlehrerin überzeugt.

Vor vier Jahren begann an der Regenbogenschule das Abenteuer „Jahrgangsübergreifende (JÜ-)Klassen“. „Wir haben uns vorher zwei Jahre lang darauf vorbereitet“, erzählt Schulleiterin Annegret Middel-Peters . „Wir haben uns intensiv informiert und an anderen Schulen hospitiert.“ Für das Schuljahr 2014/2015 wurden Kinder aus dem zweiten und dritten Schuljahr in Absprache mit den Eltern zu einer neuen Klasse zusammengeführt, die mit Erstklässlern aufgefüllt wurde.

In diesem Jahr verlassen also die ersten Schüler die Borghorster Grundschule, die ihre ganze bisherige Schulzeit klassenübergreifend gelernt haben. Einer davon ist Max Kolthof, dessen Mutter Kathrin von der Idee von Anfang an begeistert war: Tochter Pauline kam als Drittklässlerin in die erste JÜ-Klasse und die Jüngste Neele kommt nach den Sommerferien auf die Schule – und wird dann ebenfalls jahrgangsübergreifend unterrichtet. „Viel mehr muss ich ja wohl gar nicht dazu sagen“, lacht Kathrin Kolthof. „In den Klassen gibt es eine wunderbare Sozialstruktur – meine Kinder kamen immer zufrieden nach Hause.“

Das muss man schon wollen und mit Herzblut dabei sein.

Annegret Middel-Peters

Der gemeinsame Unterricht verschiedener Altersstufen nütze sowohl stärkeren als auch schwächeren Schülern, sind Mutter und Lehrerinnen überzeugt. In den Fächern, in denen die Kinder Stärken haben, können sie sich an den älteren Mitschülern orientieren und anspruchsvollere Inhalte bearbeiten. Schwächere Schüler können dagegen mit den jüngeren Stoffe wiederholen und vertiefen.

Darüber hinaus erlebten die schwächeren Schüler immer wieder Erfolgsmomente, wenn sie merken, dass sie mehr können als die „Kleineren“. „Das gibt ihnen Motivation“, hat Annegret Middel-Peters festgestellt. „Die Kinder können sich positiv erleben und sind dadurch zufriedener.“ Dagmar König bestätigt: „Diesen Effekt habe ich als sehr positiv erlebt.“

Prinzipiell sei der Unterricht gar nicht so weit entfernt von dem in „normalen“ Klassen, meint die Schulleiterin. Auch dort müsse differenziert werden, weil es immer stärkere und schwächere Schüler gibt, auf die eingegangen werde. „Wir sind schon lange eine Schule des gemeinsamen Lernens, in der Kinder mit unterschiedlichen Begabungen und Schwächen in einer Klasse lernen“, verweist Middel-Peters auf den Inklusionsgedanken. Besonderer Einsatz ist dennoch von den Lehrkräften gefragt: „Das muss man schon wollen und mit Herzblut dabei sein.“

Kein Mangel an Eltern

Durch den Kontakt mit „alten Hasen“ sei auch die Eingewöhnungszeit deutlich kürzer. „Die Erstklässler kommen in ein bestehendes Klassensystem und lernen von den älteren, wie die Schule funktioniert. Je älter sie dann werden, desto mehr Verantwortung bekommen sie in der Klasse – zum Beispiel, dass die Regeln eingehalten werden.“

Diese Sozialisation unter den Kindern macht Kathrin Kolthof an einem Beispiel deutlich: „Wenn sie zwischendurch an Projekten arbeiten, sind sie so konzentriert, dass man eine Stecknadel fallen hören kann.“ Diese positiven Seiten der jahrgangsübergreifenden Klasse vom ersten bis zum vierten Schuljahr, die bislang die einzige ihrer Art im Kreis Steinfurt ist, haben sich herumgesprochen. „Es gibt ganz viele Eltern, die sich für die JÜ-Klasse interessieren“, weiß die Schulleiterin. Von Anfang habe es keinen Mangel an Eltern gegeben, die ihre Kinder zu dieser Unterrichtsform anmelden wollten.

Im kommenden Schuljahr sind es sogar zu viele: „Von 33 Anmeldungen waren es nur vier Eltern, die sich das gar nicht vorstellen konnten. 13 wollten ihr Kind unbedingt für die JÜ-Klasse anmelden.“ Allerdings können pro Jahrgang nur vier bis sechs Schüler in eine bestehende Klasse aufgenommen werden. Immerhin: Ab dem kommenden Schuljahr wird es an der Regenbogenschule eine zweite geben, die Mona Nachtigall als Klassenlehrerin begleitet.

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