Seit der Fußball-WM der Frauen verändert sich das Bild des Sports
„Mehr Liebe, weniger Hass“

Dass Fußball schon seit Langem nicht mehr nur auf dem Spielfeld Aufmerksamkeit auf sich zieht, ist spätestens seit der politischen Diskussion um Mesut Özil und Ilkay Gündogan bekannt. Viele Fußballer positionieren sich politisch und geben ihre Meinungen zu heiklen Themen ab. Nicht immer ernten sie dafür Sympathien.

Freitag, 26.07.2019, 15:05 Uhr aktualisiert: 29.07.2019, 16:54 Uhr
Mit gutem Beispiel voran: Megan Rapinoe ist Teil der amerikanischen Fußballermannschaft und mit ihnen Weltmeister geworden. Sie ist ein Vorbild für viele junge Fußballerinnen und sorgt auch abseits des Spielfelds für viel Aufsehen.
Mit gutem Beispiel voran: Megan Rapinoe ist Teil der amerikanischen Fußballermannschaft und mit ihnen Weltmeister geworden. Sie ist ein Vorbild für viele junge Fußballerinnen und sorgt auch abseits des Spielfelds für viel Aufsehen. Foto: AFP

Eine Diskussion, die vor noch nicht all zu langer Zeit heftig geführt wurde, beschäftigte sich mit dem Frauenfußball. Während der Weltmeisterschaft zogen einige Spielerinnen die Blicke mit kritischen Statements zur ungerechten Bezahlung oder politischen Statements auf sich. Damit trafen sie bei vielen ins Schwarze und einige Spielerinnen sind seit dem Finale Vorbilder für viele jugendliche Fußballerinnen und manche Fußballer geworden. Megan Rapinoe , die mit den USA Weltmeister wurde, wettert vor allem gegen Trump und das Weiße Haus . Für einige Frauen wurde Rapinoe mit ihrer starken Haltung zur Heldin. In den sozialen Netzwerken, in der Sportschau und auf vielen Kanälen weltweit wurde ihre Rede übertragen.

Mit lila gefärbten Haaren, einer großen Sonnenbrille und voller Selbstbewusstsein und Stolz steht sie vor der Menge und appelliert an jeden Einzelnen. „Wir müssen besser werden. Wir müssen mehr lieben, weniger hassen. Wir müssen mehr zuhören und weniger reden. Wir müssen wissen, dass es die Verantwortung eines jeden ist und dass es auch unsere Verantwortung ist, die Welt zu einem besseren Ort zu machen“, verkündet sie und macht gleichzeitig deutlich: Sie ist mehr als eine überaus erfolgreiche Sportlerin.

„Es ist gut, dass es Frauen gibt, die nicht nur gute, sportliche Leistungen erbringen, sondern auch auf grundlegende Probleme aufmerksam machen. So werden Menschen und insbesondere junge Mädchen gefördert, selbst uneingeschränkt sportliche Erfolge zu erzielen“, meint Dilan Kamawal, eine Nachwuchsfußballerin aus Steinfurt.

Große Aufmerksamkeit erhielt Rapinoe bereits vor und während des Turniers durch kritische Äußerungen gegenüber Donald Trump. Durch drastische Worte machte sie am Anfang der WM klar, dass sie so das Weiße Haus niemals betreten werde. „Ich gehe nicht ins verdammte Weiße Haus.“ Auch wenn der Besuch zum Präsidenten bei einem WM-Sieg schon zur Tradition in den USA geworden ist, war das wohl nicht Rapinoes Plan, denn dazu bedürfe es erst radikaler Veränderungen an Trumps Politik.

Sie ist damit nicht die erste, die nach sportlichen Erfolgen dem Weißen Haus fern bleibt. Einige Spieler der Baseballmannschaft „Boston Red Socks“, die die World-Series gewannen, boykottierten die Einladung des Präsidenten. Außerdem singt Rapinoe bei der Nationalhymne nicht mit, positioniert sich also klar gegen die momentane Politik Amerikas, die durch Trump rassistische Züge annimmt, wie seine Kritiker sagen.

„Ihre Botschaft grenzt Menschen aus. Sie grenzen mich aus, Sie grenzen Menschen aus, die wie ich aussehen, Sie grenzen farbige Menschen aus, Sie grenzen Amerikaner aus, die Sie vielleicht unterstützen“, sagte sie gerade erst im US-Fernsehen und dass sie sich damit an den Präsidenten Trump wendet, ist jedem klar.

Die amerikanische Mannschaft ist die erfolgreichste Fußballfrauenmannschaft der Welt und hat einen deutlich größeren Erfolg als das Männer-Team im eigenen Land.

Deshalb ist es auch nicht verwunderlich, dass ihre Worte gehört werden. Die Mannschaft erhielt eine Menge positiver Reaktionen, viel Lob und Anerkennung. Sie seien eine große Macht. „Dadurch fühlt man sich als Frau in einer eigentlich männerdominierten Sportart bestärkt“, findet Dilan Kamawal. Doch die Medienlandschaft vergisst dabei ihre sportlichen Erfolge, die eigentlich genauso erwähnenswert sind. Die Mannschaft schreibt an einer langen Erfolgsgeschichte. Sie ist Weltmeister und Olympiasieger.

Auch Alexander Haydn, Fußballtrainer der B-Juniorinnen bei Preußen Borghorst, befürwortet die Äußerungen der Spielerin und findet, dass die weiblichen Mannschaften es genau so verdienen ernst genommen zu werden, wie die männlichen: „Klar finde ich es wichtig, dass Frauen ihre Meinungsfreiheit in Anspruch nehmen. Als Trainer einer Mädchenmannschaft schätze ich die Leistung eines jeden. Egal, ob stärker oder schwächer, ob dick oder dünn, ob dunkelhäutig oder weiß.“

Dennoch findet sich im Fußball immer noch ein klarer Unterschied bezüglich Anerkennung, Wertschätzung und Aufmerksamkeit zwischen Männern und Frauen. Wo die Regenbogenpresse männliche Spieler auf Schritt und Tritt verfolgt, werden manche Frauen, die für etwas einstehen, übersehen. Auch dem Sport wird, obwohl die deutschen Frauen ebenfalls eine starke Mannschaft haben, eigentlich noch zu wenig Anerkennung entgegengebracht. Oder wurde über die Transfers bei den Frauen und den Spielstart der „FLYER­ALARM“, der Frauenbundesliga am 16. August groß berichtet?

Luca Hannah Roters

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