Regina Hemker-Möllerings Schreib- und Rechenwerkstatt
Lerneifer – auch in den Ferien

Burgsteinfurt -

Schon seit rund fünf Jahren engagiert sich Regina Hemker-Möllering für Schüler, die sich mit einer Lese- und Rechtschreibschwäche auseinandersetzen müssen oder/und denen Zahlen und deren Zusammenhänge Probleme bereiten. In der Graf-Ludwig-Schule gibt sie nachmittags Förderunterricht für Mädchen und Jungen, die Legastheniker sind oder sich ihrer Dyskalkulie stellen müssen. Auch in den Ferien ist sie für ihrer Schüler da: Im Huck-Beifang-Haus hat sie eine Schreib- und Rechenwerkstatt eingerichtet.

Donnerstag, 08.08.2019, 19:00 Uhr
Die neunjährige Zhyan und ihr drei Jahre älterer Bruder Hadi gehören zu den Schülern, die Regina Hemker-Möllering in ihrer Schreib- und Rechenwerkstatt betreut.
Die neunjährige Zhyan und ihr drei Jahre älterer Bruder Hadi gehören zu den Schülern, die Regina Hemker-Möllering in ihrer Schreib- und Rechenwerkstatt betreut. Foto: Ralph Schippers

Normalerweise herrschen im altehrwürdigen Huck-Beifang-Haus eher gedämpfte Töne vor, schließlich wollen die Besucher der Ausstellungen des Kunstvereins die dort gezeigten Exponate in Ruhe betrachten. An diesem Dienstag jedoch erfüllt Kinderlachen die Räume des aus dem 17. Jahrhundert stammenden Bürgerhauses. Nein, die neunjährige Zhyan und ihr drei Jahre älterer Bruder Hadi interessieren sich nicht für Kunst. Sie treibt vielmehr Lerneifer in die historischen Gemäuer.

In der Küche im ersten Stock hat Regina Hemker-Möllering ihre Schreib- und Rechenwerkstatt eingerichtet. Schon seit rund fünf Jahren engagiert sich die Kunstvereins-Vorsitzende und frühere stellvertretende Bürgermeisterin der Stadt für Schüler, die sich mit einer Lese- und Rechtschreibschwäche auseinandersetzen müssen oder/und denen Zahlen und deren Zusammenhänge Probleme bereiten. In der Fachsprache werden diese Phänomene auch als Legasthenie beziehungsweise Dyskalkulie bezeichnet.

Ausbildung per Fernstudium

Jetzt, in den Sommerferien, betreut die 67-Jährige vier Schüler, die das Angebot regelmäßig wahrnehmen. „Es sind in der Regel Grundschüler, mit denen ich arbeite“, erklärt Regina Hemker-Möllering. Aber auch einige Hauptschüler seien dabei.

Kindern mit Lernschwächen helfen, ihre Schwierigkeiten zu überwinden – für die Unternehmerin war nach dem Verkauf der Schreinerei im Sonnenschein und dem Eintritt in die Rente schnell klar, dass sie sich auf diesem Gebiet engagieren will. Die Mutter von fünf Kindern hat selbst einen Sohn, der Legastheniker ist. „Heute ist er Apotheker“, sagt Regina Hemker-Möllering nicht ohne Stolz. Sie weiß: Lese- und Rechtschreibschwäche oder auch Dyskalkulie lassen sich zwar nicht immer ganz ausschalten, doch oft so überwinden, dass im Alltag keine Nachteile entstehen.

Und so absolvierte die Burgsteinfurterin zunächst eine Ausbildung zur Legasthenietrainerin („per Fernstudium in Österreich“) und fragte nach erfolgreichem Abschluss in der Graf-Ludwig-Schule an, ob sie sich als solche im Nachmittagsunterricht nützlich machen könnte. Um es kurz zu machen: Sie konnte. Mehr noch: Schulleiterin Annika Elkmann und das Kollegium empfingen sie mit offenen Armen und unterstützten sie fortan nach Kräften. Regina Hemker-Möllering spricht von einem „sehr engen und vertrauensvollen Kontakt“ zu den Lehrenden des Burgsteinfurter Grundschulverbunds.

Individuelle Förderung

Von der pädagogischen Arbeit, die dort geleistet wird, ist die 67-Jährige sehr überzeugt. „Die individuelle Förderung der Schüler, die an Grundschulen geleistet wird, ist in der Öffentlichkeit leider viel zu wenig bekannt“, hat sie festgestellt. Das findet sie sehr bedauerlich.

Seit mittlerweile fast fünf Jahren betreut Regina Hemker-Möllering nun Legastheniker – bis zum Ende der Grundschulzeit, aber in einigen Fällen auch noch über die vierte Klasse hinaus. In der Regel seien die Schüler dann so weit fortgeschritten, dass sie fortan weitgehend unbeeinträchtigt eigenständig weiter lernen können. „In jedem Fall ist das bei der erworbenen Legasthenie der Fall, die durch Wahrnehmungsstörungen sowie ein Zuviel an Ablenkungen verursacht wird“, weiß die Burgsteinfurterin. Bei einer genetischen Veranlagung, diese besteht in rund zwei Prozent der Fälle, sehe es anders aus. Diese Personen müssten lernen, mit der Beeinträchtigung umzugehen.

Zhyan und ihr Bruder Hadi haben in der Zwischenzeit die Aufgaben, die ihre Trainerin ihnen gestellt hat, weitgehend gelöst. Beide habe große Fortschritte gemacht, berichtet sie. So habe Zhyan in der ersten Klasse praktisch kaum Deutsch gesprochen. Der Gast von der Zeitung kann es kaum glauben, so gut beherrscht die Neunjährige, die mit ihren Eltern vor fast vier Jahren aus dem Irak nach Deutschland gekommen ist, die Sprache ihrer neuen Heimat. Mit Feuereifer ist das junge Mädchen bei der Sache – wie auch ihr Bruder. „Es macht einfach Spaß zu sehen, wie sich die Schüler entwickeln“, sagt Regina Hemker-Möllering.

Und so wird die 67-Jährige ihre Schreib- und Rechenwerkstatt weiter betreiben – während der Schulzeit in der Graf-Ludwig-Schule und in den Ferien im Huck-Beifang-Haus, so wie an diesem Dienstag.

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