Lastenrad „Babboe“
Echte Alternative zum Zweitwagen

Steinfurt/Emsdetten -

WN-Mitarbeier Hans Lüttmann hat die Probe aufs Exempel gemacht und sich ein Lastenfahrrad ausgeliehen. Was sein ausgiebiger Test ergab und wie er ein solches Gefährt als Alltags-Alternative zum Zweitwagen beurteilt, lesen Sie in seinem Erfahrungsbericht.

Sonntag, 11.08.2019, 16:14 Uhr
Lastenfahrräder werden auch im Münsterland immer beliebter: WN-Mitarbeiter Hans Lüttmann testete ein Modell aus dem Angebot von DNL mobiel – und zeigte sich positiv überrascht.
Lastenfahrräder werden auch im Münsterland immer beliebter: WN-Mitarbeiter Hans Lüttmann testete ein Modell aus dem Angebot von DNL mobiel – und zeigte sich positiv überrascht.

Vielleicht hätte ich um Borghorst doch besser einen Bogen gemacht. Aber wo sonst findet man eine so holprige Buckelpiste wie die Kopfsteinpflaster-Chaussee rund um St. Nikomedes? Borghorst bietet bekanntlich Besonderes, also Augen auf und durch, denn wenn das „Lara“, mein Lastenrad, diesen Härtetest besteht, kann unterwegs ja nicht mehr allzu viel passieren. Das nennt sich laut Gebrauchsanweisung „Babboe City Mountain“ und schnurrt schon bald trotz seiner 60 Kilo (ohne den Fahrer gerechnet) recht munter über den Buchenberg.

„Kira“ für den Kindertransport, das Bäcker-Lastenrad „Bälara“, die E-Bike-Variante „Extra-Lara“ oder eben das Lara Babboe“ – bei DNL mobiel an Bahnhof Burgsteinfurt kann man auch leihweise allerhand Lastenräder ausprobieren. Sogar einen dreirädrigen Schwerlastträger, auf dem man locker 25 Kisten Bier, etliche Kilo Grillfleisch und auch die Knabbersachen nach Hause transportieren kann. „Aber solche Räder“, sagt Geschäftsführer Magnus Siering , sind eher für den gewerblichen Bereich gedacht: „Klempner, Schornsteinfeger oder Kurierfahrer kaufen sowas.“

Dann also lieber was Familientaugliches wie das Babboe aus niederländischer Produktion. Siering erklärt mir in wenigen Minuten die einfache Handhabung: links An und Aus, daneben der Knopf für vier Unterstützungsstufen und ein Display mit der Kilometer-Angabe für die Akkuladung; rechts stufenlose Gangregelung. Das war es schon, na fast jedenfalls, denn ganz wichtig: „Du hast keine Rücktrittbremse.“ Was ich jetzt habe, ist ein 2,50 Meter langes Gefährt mit zwei Scheibenbremsen, einem 36-V-Akku und einem Yamaha-Mittelmotor mit 70 Nm-Drehmoment.

Was das bedeutet? Keine Ahnung, aber das finde ich jetzt heraus, hieve mich auf den Sattel und mache mich auf eine gut 20 Kilometer lange Teststrecke, die alles zu bieten hat: solide Sandwege im Bagno, Waldpfade über den Buchenberg, flickbedürftige Radtrassen, frisch ausgebesserte Feldwege in Scheddebrock, asphaltierte Pättkes in Hollingen, gepflasterte Wohnstraßen und kurz nach dem Start das Waschbrett-Kopfsteinpflaster in Borghorst. Alles ohne Fracht, also heißt die nächste Etappe: einkaufen, Last in die Transportbox packen.

Die 90 mal 70 mal 50 Zentimeter große Box fasst beinahe so viel wie ein Kleinwagenkofferraum. Trotzdem kaufe ich auf Deibel komm raus nicht gleich 80 Kilo Lebensmittel ein. Von den paar Kilo in der Box merke ich so gut wie nichts, das Lara fährt sich genauso leicht und elegant wie vorher lastenlos. Der Wendekreis ist im Vergleich zum normalen Fahrrad natürlich riesig, auch sollte man sich hüten, Bordsteine raufzufahren, aber nach zwei, drei Kilometern hat man das lange Rad auch im engen Stadtverkehr ganz gut im Griff. Einziges Manko in der Stadt: einparken. Aber da muss man eben mal ein bisschen tricksen, rangieren und einen Einstellplatz finden, der andere nicht behindert. Geht schon.

Wichtig der Hinweis: Mein Lara gilt trotz E-Unterstützung laut Straßenverkehrszulassungsordnung als Fahrrad. Es hat einen elektronischen Hilfsmotor mit einer Leistung von höchstens 250 Watt und unterstützt bis maximal 25 Stundenkilometer. Mein Lara darf also auf Radwegen fahren, da muss ich nichts Neues lernen.

Mein Fazit nach dem Test lässt sich in sieben Gründen für das Lastenrad zusammenfassen:

1. Annehmbarer Preis, wenn man das Rad mit den Kosten für ein Auto vergleicht.

2. Umwelt: Ein Lastenfahrrad produziert keine Abgase und keinen Lärm. Es ist somit extrem umweltfreundlich und kann erheblich zum Klimaschutz beitragen. Der „Zweirad-Industrie-Verband“ berichtet, dass in Deutschland die Hälfte aller Autofahrten unter fünf Kilometern liegt und ein Viertel sogar unter zwei Kilometern.

3. Schnell am Ziel: Egal, wie dick der Verkehr ist, mit dem Lara kommt man schnell überall durch.

4. Einfacher als gedacht: Der Respekt vor dem großen Gefährt verschwindet nach wenigen hundert Metern; außerdem ist die Handhabung wirklich kinderleicht.

5. Fitness: Ein schöner Nebeneffekt, man bewegt sich und bleibt mobil; außerdem kann man den Motor ja auch ausschalten.

6. Abstellen und sichern: Auch wenn man keine Unterstellmöglichkeit hat; es gibt Abdeckplanen, damit kann das Lara auch draußen stehen bleiben.

7. Spaß: Muss man nicht erklären, ergibt sich beim Ausprobieren.

Schade, dass die Testtage so schnell rum sind, ich werde mir es aber bestimmt noch mal ausleihen. Mehr Infos dazu gibt es auf der Homepage von DNL mobiel.

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