Was verbirgt sich in den „Zeitkapseln“ aus der goldenen Kugel? Alte Zeitung löst das Geheimnis
Der Dorfsheriff schrieb noch schnell ein Knöllchen

Borghorst -

„Dokumente für Jahrhunderte“ nannte WN-Redakteur Andreas Dahms am 30. Oktober 1985 die Schriftstücke, die Klempnermeister Willi Meyer in zwei Kopferrohre lötete.

Montag, 02.09.2019, 16:46 Uhr aktualisiert: 03.09.2019, 16:06 Uhr
Paul Engels (2.v.l.) schrieb noch schnell ein „Knöllchen“ für Pastor Karl Holthaus (2.v.r.), ehe die Rohre verschlossen wurden.
Paul Engels (2.v.l.) schrieb noch schnell ein „Knöllchen“ für Pastor Karl Holthaus (2.v.r.), ehe die Rohre verschlossen wurden. Foto: ad

Wasser- und luftdicht abgeschlossen sollen sie darin „wenigstens 400 Jahre haltbar sein“, schätzte Pfarrer Karl Holthaus , der das „spektakuläre Ereignis“ – so die damalige Überschrift – vor den Augen zahlreicher Zuschauer begleitete.

400 Jahre blieben die Rohre allerdings nicht unberührt auf der Turmspitze der St. Nikomedes-Kirche: Als das Kreuz samt Hahn in der vergangenen Woche nach einem Sturmschaden abgenommen werden mussten, kam auch der Inhalt der goldenen Kugel zum Vorschein.

Der Inhalt ist jedoch noch unangetastet – dank des damaligen Zeitungsberichts wissen wir dennoch, was sich in den „Zeitkapseln“ verbirgt. Etwa die Unterschriften der 750 Spender, die für die Sanierung des Kirchturms Geld gespendet hatten. Außerdem eine „graphisch kunstvoll gestaltete Urkunde mit den Unterschriften der Priester von St. Nikomedes, des Kirchenvorstandes, des Pfarrgemeinderates, Mitgliedern des Heimatvereins, der Dachdecker sowie einige heute gültige Münzen und Briefmarken“. Pfarrer Karl Holthaus steuerte „die neueste Ausgabe der Westfälischen Nachrichten sowie das Kirchenblatt“ bei.

Ein weiteres Dokument dürfte inzwischen verjährt sein: „Dorfpolizist“ Paul Engel, der die schützenden Augen des Gesetzes über das Ereignis hielt, „schrieb noch schnell einen Strafzettel auf den Namen von Pastor Holthaus aus, um die Dokumente der Zeitgeschichte damit zu vervollständigen“, verriet Redakteur Dahms in seinem Bericht. Für welches Delikt und wie hoch die Strafe war, ist allerdings nicht überliefert.

Sehr wohl aber, was geschah, nachdem alle Papiere eng zusammengerollt in den Röhren verstaut waren und Willi Meyer die Deckel verlötet hatte: Pastor Holthaus selbst legte sie in die geöffnete Weltkugel, die dann von Dachdeckern und Heimatvereinsmitgliedern gemeinsam verschlossen und auf den Turm der Kirche gehievt wurde.

Dort blieb sie immerhin fast 34 Jahre unbehelligt – wenn auch keine 400. Ob die „Zeitkapseln“ geöffnet werden, steht noch nicht fest. Vielleicht wandern sie auch einfach wieder zurück auf den Turm. Und möglicherweise erhalten sie dann ja Gesellschaft von einer dritten, mit Dokumenten und Münzen aus dem Jahr 2019. Küster Peter Timmerhues würde gerne noch etwas für die Nachwelt erhalten, was es damals noch nicht gab: Einen USB-Stick.

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