Steinfurter Geschichtstag: 80 Jahre Zweiter Weltkrieg
Aus einer anderen Welt

Steinfurt -

Der fünfte Steinfurter Geschichtstag erinnerte an zwei Tagen abwechselnd in beiden Stadtteilen an den Beginn des Zweiten Weltkrieges vor 80 Jahren. Mit einer gutdosierten Mischung aus Vorträgen, Talk und Ausstellungen zeigte das Programm sehr authentisch, wie Menschen in Borghorst und Burgsteinfurt den Krieg erlebten.

Sonntag, 08.09.2019, 18:22 Uhr
Im Stadtmuseum gibt es umfangreiche Literatur, die das Thema allgemein behandelt.
Im Stadtmuseum gibt es umfangreiche Literatur, die das Thema allgemein behandelt. Foto: nix

Der fünfte Steinfurter Geschichtstag erinnerte an zwei Tagen abwechselnd in beiden Stadtteilen an den Beginn des Zweiten Weltkrieges vor 80 Jahren. Mit einer gutdosierten Mischung aus Vorträgen, Talk und Ausstellungen zeigte das Programm sehr authentisch, wie Menschen in Borghorst und Burgsteinfurt den Krieg erlebten. Veranstalter war das Kulturforum unter Federführung von Dr. Peter Krevert, der die Veranstaltungen zum Thema moderierte. Als Kooperationspartner saßen Zeitzeugen, beide Heimatvereine, die Evangelische Jugendhilfe, Stadtbücherei und Stadtarchiv mit im Boot. Die große Resonanz auf den Geschichtstag bewies, dass nichts vergessen ist.

Europaexperte Udo Röllenblech schlug den Bogen vom Zweiten Weltkrieg zum relativ friedlichen Europa unserer Tage. Erst Siege, später Rückzug und Niederlage, Millionen Tote, das Grauen zwischen 1939 und 1945 war namenlos. „Es gibt keinen Weg zum Frieden, denn der Frieden ist der Weg“, brachte es einst Mahatma Gandhi auf den Punkt. „Ich bin ein überzeugter Europäer“ bekannte Röllenblech und plädierte nicht zuletzt um eines dauerhaften Friedens willen dafür, den europäischen Gedanken zu stärken.

Roland Ahlers vom Heimatverein Borghorst las aus den Erinnerungen seines Vaters Ewald, Jahrgang 1920. Dieser erlebte das Leid aus Soldatensicht und sprach als Kriegsgefangener mit Ostflüchtlingen, die von brutaler Vertreibung und Vergewaltigungen erzählten. „Ein Bericht aus einer anderen Zeit, ja geradezu aus einer anderen Welt“, kommentierte Krevert bewegt.

Der ehemalige Steinfurter Bürgermeister Franz Brinkhaus, Bruno Eierhoff und Alfred Kühlkamp sind Zeitzeugen. Sie berichteten von der Reichspogromnacht, von Brandstiftern, von der arg ramponierten Villa Heimann, von Fliegerangriffen und dem Leben in Luftschutzbunkern. „Mein Vater ist in Stalingrad vermisst, meine Mutter war eine „toughe“ Frau, die am Volksempfänger den verbotenen britischen BBC-Radiosender hörte“, erinnerte sich Kühlkamp.

Dr. Peter Gramberg , D-NL-Business Steinfurt, beschrieb am Sonntag im Behördenhaus Burgsteinfurt den Weltkrieg aus niederländischer Perspektive. Das Nachbarland kapitulierte am 15. Mai 1940 und wurde erst im Mai 1945 vollständig von den deutschen Besatzern befreit. Auch in den Niederlanden gab es damals eine nationalsozialistische Bewegung, die NSB, die unter den Besatzern zur einzigen zugelassenen Partei wurde. Ab November 1940 grassierten antijüdische Maßnahmen, insgesamt wurden etwa 70 Prozent der Juden im Land ermordet. Die Königsfamilie war nach Großbritannien emigriert, Prinz Bernhard organisierte von dort aus ab 1944 Widerstand, auch illegale Zeitungen wurden gegründet. „Rund 45000 Niederländer waren Widerstandskämpfer“, so Gramberg. „Nach dem Krieg näherten sich die Niederlande und die Bundesrepublik politisch und wirtschaftlich ziemlich schnell wieder an“, so Gramberg. Emotional blieb das Verhältnis lange Zeit schwierig. Die Deutschen konnten ihr negatives Image nicht vollständig loswerden. „Vieles hat sich seither gebessert“, betonte Gramberg, doch bliebe immer noch Luft nach oben. Insgesamt dokumentierten mehre Filme die Kriegszeit, darunter die US-Doku „Die Todesmühlen“ von 1945 und ein NL-Fernsehbericht.

Rainer Menebröcker vom Burgsteinfurter Heimatverein erläuterte die Ausstellung „Burgsteinfurt im II. Weltkrieg“. Im Stadtmuseum sind zahlreiche Fotos, Dokumente, Zeitungsausschnitte und ähnliches zum Thema ausgestellt. Im Stadtarchiv präsentierte Archivar Achim Becker Materialien zur „Judenverfolgung im NS-Staat“. Die Stadtbücherei hat zum Thema „Zweiter Weltkrieg“ Bücher und Filme zusammengestellt.

An beiden Tagen hatte Bürgermeisterin Claudia Bögel-Hoyer die Veranstaltungen eröffnet. „Ich gehöre glücklicherweise zur Generation, die noch keinen Krieg erleben musste“, betonte sie, „doch man versteht, dass die Menschen von damals ihre traumatischen Erlebnisse niemals loswerden.“

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