„Der Druck ist zu groß“
Pfarrer Markus Dördelmann verabschiedet sich aus St. Nikomedes

Steinfurt -

Pfarrer Markus Dördelmann wird am kommenden Sonntag offiziell aus Steinfurt verabschiedet. Gegenüber unserer Zeitung erklärt er, warum er Steinfurt den Rücken kehrt. Was er dann genau machen wird, das weiß er noch nicht. Er weiß allerdings schon, was er auf jeden Fall bleiben wird.

Dienstag, 24.09.2019, 19:00 Uhr
Pfarrer Markus Dördelmann, hier in einem Aschermittwochs-Gottesdienst, verabschiedet sich am Sonntag von der Pfarrgemeinde St. Nikomedes.
Pfarrer Markus Dördelmann, hier in einem Aschermittwochs-Gottesdienst, verabschiedet sich am Sonntag von der Pfarrgemeinde St. Nikomedes. Foto: Ulrich Schaper

25 Jahre hat er als leitender Pfarrer hinter sich, während seiner Zeit in Kamp-Lintfort war er dabei, als aus sechs Kirchengemeinden eine wurde, in Steinfurt hat er die Fusion von der Kirchengemeinde St. Nikomedes und St. Johannes Nepomuk „gestemmt“.

„Das ist auch mit sehr viel Ärger, Frust und Schwarzsehen verbunden“, sagt er. Und: „Das bleibt nicht in den Kleidern hängen.“ Zum Schluss war er der letzte deutsche Priester in Steinfurt im aktiven Dienst, zusammen mit einem indischen und rumänischen Mitbruder, „ansonsten haben wir von den emeritierten Mitbrüdern gelebt“, sagt er über die Hilfe seiner 75- und 78- und über 80-jährigen Kollegen.  

Dazu kommen Datenschutzverordnungen und neue Regeln bei der Umsatzsteuer, die Kirchengemeinden in Zukunft vermutlich zwingen werden, jede verkaufte Bratwurst beim Pfarrfest zu dokumentieren. „Die staatliche Bürokratie ist wenig ehrenamtlichen-freundlich“, sagt er. „Der Druck ist zu groß, die Aufgaben kräftezehrend. Ich schaffe es nicht mehr“, musste sich der 56-Jährige eingestehen.

Und das gehe nicht nur ihm so. Aus seinem Jahrgang seien die wenigsten Kollegen noch leitende Pfarrer. „Dabei müssten wir vom Alter und der Erfahrung her eigentlich vorne an der Front stehen. Wir sind so wenig geworden.“ Im Jahr gehen rund 30 Pfarrer im Bistum in den Ruhestand, es kommen wenige neugeweihte Mitbrüder dazu. Darum sagt Dördelmann: „Mit den wenigen Leuten werden wir das Ganze nicht mehr stemmen können.“

Dass andere Bistümer längst Pfarrverwalter hätten, findet er „klug und weise“, das Bistum Münster diskutiere noch. Es habe zwar Verwaltungsreferenten eingeführt, die sehr viel wegarbeiten. „Das ist sehr segensreich“, sagt er. Allerdings hätten sie keine Entscheidungskompetenz. Das heißt: „Sobald etwas klemmt, landet alles bei mir“, sagt Dördelmann.

Hinzu kommen gesundheitliche Probleme. Ärzte haben ihn aufgefordert, eine Pause zu machen, weil er sonst seine Gesundheit ruinieren würde. Nun ist er auf der Suche nach einer Aufgabe mit einem deutlich kleineren Umfang. Dabei lässt er keinen Zweifel daran, dass er Priester bleibt: „Ich bin und bleibe gerne Priester, aber ich werde das in einem anderen Rahmen sein.“

Am Sonntag (29. September) wird ihn die Gemeinde verabschieden, dann zieht Dördelmann zu seinem Bruder nach Ibbenbüren, der dort Pfarrer ist. Die Menschen, die er in besonders schönen oder traurigen Situation kennengelernt hat, seien ihm ans Herz gewachsen, sagt er. „Die lasse ich höchst ungern zurück.“ Das Leben und den Glauben mit vielen geteilt zu haben, „macht die Sache kostbar. Das werde ich sehr vermissen.“

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