Familie hofft auf weitere Unterstützung
Selbst im Urlaub ein Retter

Borghorst/Drensteinfurt -

Der Urlaub in Ägypten wurde für Thomas Grönewäller eine Art Horrortrip: Nach einem Schlaganfall schwebte er in Lebensgefahr - und war nicht einmal krankenversichert. Dr. Karlheinz Fuchs aus Borghorst sorgte dafür, dass der Patient die bestmögliche medizinische Versorgung erhielt.

Samstag, 28.09.2019, 12:00 Uhr aktualisiert: 02.10.2019, 15:12 Uhr
Nach einem Schlaganfall lag Thomas Grönewäller zunächst in einem ägyptischen Krankenhaus. Dort erhielt er Hilfe von Dr. Karlheinz Fuchs, der zufällig vor Ort war.
Nach einem Schlaganfall lag Thomas Grönewäller zunächst in einem ägyptischen Krankenhaus. Dort erhielt er Hilfe von Dr. Karlheinz Fuchs, der zufällig vor Ort war. Foto: privat

Eigentlich wollte Dr. Karlheinz Fuchs in Ägypten Urlaub machen. Doch dann hörte der Borghorster, der Ärztlicher Leiter des Rettungsdienstes im Kreis Steinfurt ist, von dem Schicksal von Thomas Grönewäller .

Der Drensteinfurter erlebte einen Urlaub, der zu einem Horrortrip wurde – und der seitdem unter dem Titel „Hilfe für Thomas“ die Menschen auf der Straße und in den sozialen Medien tief bewegt. Erst am Sonntag hat sich das Schicksal von Thomas Grönewäller nach vielen Tagen des Bangens endlich zum Guten gewendet: Mit einem Sonderflug von Kairo zum Flughafen Münster-Osnabrück.

Am 5. September war der gebürtige Drensteinfurter mit seiner Frau Ramona in Richtung Hurghada aufgebrochen, um einige unbeschwerte Tage am Roten Meer zu verbringen. Drei Tage später brach Thomas Grönewäller im Bad zusammen. Die Diagnose: Schlaganfall und ein Hirnaneurysma, das zu reißen drohte. Kurz: Es bestand Lebensgefahr.

Dr. Karlheinz Fuchs.

Dr. Karlheinz Fuchs. Foto: Anne Steven

Eine kurzfristige – und teure – Operation war unvermeidbar. Wie sich aber rasch herausstellte, hatte Thomas Grönewäller keine spezielle Auslandskrankenversicherung abgeschlossen. Die Krankenhaus- und Behandlungskosten waren somit direkt zu zahlen. Geschätzte Summe inklusive Rücktransport: rund 75 000 Euro. Geld, das Ramona Grönewäller nicht hat. Ohne Englischkenntnisse und vor Ort vollkommen auf sich alleingestellt, war sie der Verzweiflung nahe.

Mittlerweile jedoch hatten die in Drensteinfurt lebenden Geschwister des 57-Jährigen alle Hebel in Bewegung gesetzt. Bruder Michael stieg wenig später ins Flugzeug, um seiner Schwägerin vor Ort beizustehen und ihr zu helfen. Über Bekannte nahm er außerdem Kontakt zu Dr. Karlheinz Fuchs auf, der zeitgleich in Hurghada Urlaub machte. Der Borghorster hielt den Kontakt zwischen den behandelnden Ärzten und der Familie Grönewäller und sorgte dafür, dass Thomas Grönewäller in ein Krankenhaus in Kairo verlegt wurde. Denn: „Die medizinische Versorgung dort ist mit der in Deutschland nicht zu vergleichen“, sagt Dr. Fuchs über die Versorgung des Schwerkranken, für den es zwischenzeitlich keine Hoffnung mehr gab.

Parallel dazu starteten die Grönewällers eine Spendenaktion, um das dringend benötigte Geld kurzfristig aufzutreiben. Mit gewaltiger Resonanz: Rund 60 000 Euro sind mittlerweile zusammengekommen. Die Operation, der sich der Drensteinfurter zwischenzeitlich in Kairo unterziehen musste, konnte damit bezahlt werden. Nun hofft die Familie auf weitere Unterstützer, damit der Rückflug des immer noch Schwerstkranken finanziert werden kann. Und danach wird noch Unterstützung notwendig sein, denn arbeiten, erklärte Michael Grönewäller, wird sein Bruder nicht mehr können.

Auch am Sonntag war Dr. Fuchs dabei, als Thomas Grönewäller vom Flughafen Münster/Osnabrück in die Uni-Klinik Münster transportiert wurde. „Wir haben ihn am Flughafen abgeholt und rettungsdienstlich versorgt“, beschreibt der Leitende Arzt den Einsatz. Außerdem habe er mit den Piloten die Flugmanöver abgesprochen, die beim Landeanflug mit einem Patienten an Bord wichtig sind.

„Das ist einfach Weltklasse“, ist Michael Grönewäller noch immer überwältigt von der spontanen Hilfsbereitschaft des Leitenden Notarztes im Kreis Steinfurt.

In ihrem Appell wollen die Geschwister nun nicht nur ihren Unterstützern danken. „Wir möchten die Menschen auch sensibilisieren“, betont Michael Grönewäller. Denn: „Das, was wir erlebt haben, gönne ich meinen ärgsten Feinden nicht.“ Und damit meint er nicht allein die Sorge um den todkranken Bruder, sondern vor allem die Situation in Ägypten, der sie sich ohne Geld und Versicherung unvermittelt gegenübersahen.

Persönlich legt Michael Grönewäller daher allen Reisenden dringend nahe, sich vor dem nächsten Urlaub ein wenig intensiver mit dem Thema „Auslandskrankenversicherung“ zu beschäftigen. Denn auch wenn eine solche – etwa mittels Kreditkartenvertrag – abgeschlossen worden sei, bedeute das nicht automatisch, dass sie auch alle anfallenden Kosten tatsächlich übernimmt. Das ist auch Dr. Karlheinz Fuchs wichtig: „Wir müssen deutlich machen: Leute, wenn ihr euch einen Urlaub leistet, leistet euch auch eine Auslandskrankenversicherung.“

 

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