Familie Baving freut sich über Gastschülerin
Inspirierender Zuwachs auf Zeit

Borghorst -

Vater Ingo, Mutter Daniela, Sohn Hannes – auf den ersten Blick sind die Bavings eine ganz normale Familie. Doch es gibt eine Besonderheit: Die Bavings nehmen regelmäßig Gastschüler auf. Ann-Therese Rocke ist schon die neunte Jugendliche, die auf Zeit bei den Borghorstern lebt. Seit drei Wochen ist die 17-jährige Norwegerin jetzt im Münsterland – und sie hat sich schon recht gut an das Leben in Deutschland gewöhnt. Das liegt zum großen Teil daran, dass sie bereits ziemlich gut Deutsch spricht. „Mein Vater stammt aus Deutschland“, berichtet das junge Mädchen, das in einem kleinen Ort in der Nähe von Trondheim aufgewachsen ist.

Freitag, 04.10.2019, 15:12 Uhr aktualisiert: 04.10.2019, 17:36 Uhr
Die Bavings mit Vater Ingo, Mutter Daniela und Sohn Hannes freuen sich, mit Ann-Therese Rocke eine Gastschülerin aus Norwegen im Familienkreis begrüßen zu dürfen.
Die Bavings mit Vater Ingo, Mutter Daniela und Sohn Hannes freuen sich, mit Ann-Therese Rocke eine Gastschülerin aus Norwegen im Familienkreis begrüßen zu dürfen. Foto: Ralph Schippers

Oft habe ihr Vater in der frühen Kindheit mit ihr Deutsch gesprochen, später, in der Schule, trat die Sprache dann etwas in den Hintergrund. Mit dem Gastaufenthalt in Borghorst möchte sie ihr Deutsch nun wieder auffrischen. Das gelingt überraschend gut.

Die Vermittlung in die Borghorster Gastfamilie lief über den internationalen Austauschdienst „ AFS Interkulturelle Begegnungen“. Die Bavings sind dort nicht nur als „einfache“ Gastfamilie gemeldet. Vater Ingo ist zudem Repräsentant der Agentur. Als ehrenamtlich tätiger Koordinator im Komitee Coesfeld vermittelt er seit vier Jahren Gastschüler in Gastfamilien, organisiert Stammtische und gemeinsame Veranstaltungen wie Sommerfeste oder Ausfahrten.

Wie die Bavings selbst zur Gastfamilie wurden? „Die Idee kam uns 2010 bei einem gemeinsamen Urlaub in Norwegen“, erinnert sich Ingo Baving. Der heute achtjährige Sohn Hannes war damals noch nicht geboren. „Ich war als Mädchen selbst als Au-Pair im Ausland tätig, hatte gute Erfahrungen gesammelt und wollte dies anderen Jugendlichen auch ermöglichen“, sagt Daniela Baving . Ihr Mann war schnell von dieser Idee überzeugt und so kam es, dass das Borghorster Paar, inzwischen verheiratet und Eltern eines kleinen Kindes, 2012 ihr erstes Gastkind, eine junge Kolumbianerin, in ihrem Haus an der Schützenstraße begrüßen konnten. „Damals noch über eine andere, kleinere Agentur“, berichtet Ingo Baving.

Der international tätige Austauschdienst vermittelt allein in Deutschland pro Jahr rund 500 Schüler in Gastfamilien. Das Problem: Die Nachfrage ist deutlich größer als das Angebot. Sprich: Es gibt wesentlich mehr Gastschüler, die gerne vermittelt werden wollen als Gastfamilien. Vielleicht, vermutet Ingo Baving, hat es etwas damit zu tun, dass in immer mehr Haushalten beide Elternteile berufstätig sind. „Viele glauben, sie hätten dann nicht mehr genügend Zeit für die Gastschüler.“

Der Familienvater möchte daran etwas ändern. Denn er weiß: Mit einem Gastkind wird die Familie offener und toleranter. Bei der gemeinsamen Freizeitgestaltung und in Gesprächen lernen Gastfamilie und das neue Familienmitglied voneinander und übereinander. „Ein Gastschüler lernt sicher nicht nur selbst viel dazu, er gibt auch uns neue Impulse“, stößt Daniela Baving ins gleiche Horn. Ihr und ihrem Mann mache es viel Spaß, immer wieder die Herausforderung anzunehmen und einem jungen Menschen Starthilfe für das weitere Leben zu geben. Wichtig dabei sei Verlässlichkeit: „Regeln müssen eingehalten werden.“

In ihrer Gastfamilie tauchen die Gastschüler komplett in deren Alltag ein, der Kontakt zur eigenen Familie wird bewusst spärlich gehalten. Für die Jugendlichen ist darüber hinaus auch die gute Integration in die Schule wichtig. Das gelingt im Fall von Ann-Therese vorbildlich. Die Norwegerin ist in der Jahrgangsstufe 11 des Gymbo sehr gut aufgenommen worden und hat nach kurzer Zeit viele Freundschaften knüpfen können.

Auch Gastbruder Hannes freut sich über die „große Gastschwester“ im Hause. Er selbst hatte es sich gewünscht, dass die 17-Jährige nach Borghorst kommt. „Ann-Therese spielt wie ich Fußball – und das ziemlich gut“, sagt er. Und tierlieb sei sie auch – ganz wichtig, lebt doch im Hause Baving mit Biena eine junge Labrador-Appenzeller-Hündin.

Für ein Jahr wird Ann-Therese in Borghorst bleiben. Ganz viele neue Erfahrungen warten auf sie und damit eine spannende Zeit. Heimweh hat sie jedenfalls nicht – die Bavings setzen alles daran, dass das auch so bleibt.

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