Prof. Mertens organisiert Photovoltaik-Workshop in Westafrika
Überschwängliche Dankbarkeit

Steinfurt -

Konrad Mertens, Professor vom Fachbereich Elektrotechnik und Informatik der Fachhochschule in Steinfurt, hat ein besonderes Afrika-Abenteuer hinter sich. An der Elfenbeinküste hat er eine Summer School über Photovoltaik und Messtechnik angeboten. Dabei galt es einige Herausforderungen zu bewältigen.

Freitag, 01.11.2019, 10:00 Uhr
Prof. Mertens zeigt den Summer-School-Teilnehmern, wie man mit Hilfe von Einstrahlungs- und Kennlinienmessgeräten Solarmodule auf ihre Leistung hin untersucht.
Prof. Mertens zeigt den Summer-School-Teilnehmern, wie man mit Hilfe von Einstrahlungs- und Kennlinienmessgeräten Solarmodule auf ihre Leistung hin untersucht. Foto: privat

Wenn Prof. Dr. Konrad Mertens aus seinem Gästehausfenster schaut, sieht er akkurat gepflegten, saftig-grünen Rasen mit großen Palmen und einen kleinen Teich. Er hört die Frösche quaken und die Klimaanlagen surren. Nein, das ist kein Golfplatz, sondern der Campus des Nationalen Polytechnischen Instituts Félix Houphouët-Boigny (INP-HB) in Yamoussoukro, Elfenbeinküste. Dort hat der Professor vom Fachbereich Elektrotechnik und Informatik der Fachhochschule in Steinfurt eine Summer School über Photovoltaik und Messtechnik angeboten – die glücklicherweise in der zweiten Woche doch noch stattgefunden hat.

Eigentlich war die Summer School für zwei Wochen angesetzt. Aber als Mertens in Afrika ankam, waren die Flyer für den Workshop gerade erst fertig geworden. „Wir hatten also nur eine Woche, um die Summer School zu bewerben, und ich dachte schon: Das wird nichts mehr“, erzählt der Solar- und Sensorik-Experte. Und auch die Ausstattung seines Hörsaals vor Ort musste er erst mal aufpolieren. „Wir haben einen halben Tag gebraucht, um den passenden Schlüssel zu organisieren. Und als wir endlich in den Raum kamen, gab es keinen Strom.“

Jetzt im Nachhinein muss er ein bisschen darüber lachen. „Das musste ich vor Ort erst mal akzeptieren, dass viele Ivorer die Einstellung haben: ‚Das ist nicht so eilig‘. Auf der anderen Seite sind die Leute so deutlich entspannter als wir, von dieser Gelassenheit kann man sich schon etwas abgucken.“

Mertens passte seine Pläne also an: In der ersten Woche machte er Vorbereitungen und sah sich das Land an. Die Summer School startete dann einfach in der darauffolgenden Woche – mit großem Erfolg: 45 Personen kamen insgesamt. Studierende, Doktoranden, Professoren, aber auch Ingenieure aus Unternehmen. Erst büffelten sie zwei Tage die Grundlagen der Photovoltaik. Dann machten sie sich an konkrete Messaufgaben. Gemeinsam bauten sie Solarmodule auf, richteten sie aus und verschalteten sie. Sie untersuchten, unter welchen Bedingungen die Module die maximale Leistung erzeugen. Und sie spürten Risse in den Solarzellen auf, und zwar mit so genannten Elektrolumineszenz-Aufnahmen bei Nacht.

Mertens war sehr positiv überrascht, wie begeistert die Kursteilnehmer an der Summer School teilgenommen haben. „Auch in den Pausen kamen immer wieder Rückfragen zu den Inhalten. Viele Teilnehmer bedankten sich am Ende des Kurses überschwänglich und erzählten, dass sie nun planen, eigene Photovoltaikanlagen zu errichten.“

Für die vielen Aufgaben hatte Mertens das hochwertige Equipment aus seinem Labor in einem großen Koffer transportiert. „Bis zum Abflug war aber nicht klar, ob ich damit wirklich auch einreisen darf, es gibt nämlich auch für Messtechnik strenge Einführungsrichtlinien. Beim Zoll habe ich wirklich Blut und Wasser geschwitzt!“

Eine Summer School in Afrika durchzuführen, das war ein Wunsch, den er schon lange hegte. „Ich habe mich einfach schon immer gefragt: Warum gibt es in Afrika so wenig Photovoltaik bei so viel Sonne?“ Die Antwort: Zum einen fehlt das Wissen – der Professor hat auf dem Campus etliche Möglichkeiten entdeckt, an denen man Solartechnik super einsetzen könnte. „Allein die vielen Klimaanlagen passen sehr gut zur Photovoltaik und es liegt nahe, beides miteinander zu verknüpfen.“

Zum anderen dominiert eine große Energiefirma den Markt, die eng mit der Regierung der Elfenbeinküste zusammenarbeitet. Bislang ist es nicht erlaubt, Strom ins Netz einzuspeisen.

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