Bagno-Konzert von Elisabeth Leonskaja
Emotionsgeladene Interpretation

Burgsteinfurt -

Mit schwebender Leichtigkeit bei gleichzeitigem Ernst spielt sie ihre emotionsgeladene Interpretation: Elisabeth Leonskaja begeisterte beim Bagno-Konzert ihre Zuhörer. Ein ganz großer Auftritt der Weltklassepianistin.

Freitag, 01.11.2019, 14:52 Uhr aktualisiert: 06.11.2019, 16:32 Uhr
Elisabeth Leonskaja zeigte beim Bagno-Konzert einmal mehr, dass sie mit Fug und Recht als Grande Dame des Pianos bezeichnet werden kann. Ihre emotionale Beethoven-Interpretation überzeugte vollends.
Elisabeth Leonskaja zeigte beim Bagno-Konzert einmal mehr, dass sie mit Fug und Recht als Grande Dame des Pianos bezeichnet werden kann. Ihre emotionale Beethoven-Interpretation überzeugte vollends. Foto: Hans Lüttmann

„Ach, liebe Freunde, welche Zugabe könnte ich denn nach diesem Programm noch geben?“, fragte die Grande Dame des Pianos nach einem Bagno-Konzert, von dem die Musikfreunde noch lange ehrfürchtig schwärmen werden. Und wer geargwöhnt hatte, dass Elisabeth Leonskaja mit ihren inzwischen 74 Jahren nicht mehr so spritzig, energiegeladen und tiefsinnig würde auftreten können, den belehrte die Weltklassepianistin schon mit den ersten Akkorden von Beethovens Klaviersonate in E-Dur nahhaltig eines Besseren.

Mit immer noch flinken Fingern, elegant virtuos, mit feinster Musikalität zeigt sie intimstes Verständnis für die Komposition und durchschreitet ihre Tiefe. Mit schwebender Leichtigkeit bei gleichzeitigem Ernst spielt sie ihre emotionsgeladene Interpretation. Bewundernswert? Nein, außerirdisch, übergroß. Die Tasten-Legende malt die Töne voller Sanftheit, ihr Anschlag klingt, als spielte sie mit samtenen Handschuhen, um dann wieder dem ollen Beethoven mit Verve und Aggressivität, zupackender Spritzigkeit und Frische die Kante zu geben. Ganz groß!

Nach Beethovens Nummer 109 und vor Beethoven Nummer 111 (seiner letzten Sonate), gibt es Schönbergs sechs kleine Klavierstücke, keine Musik für einen kuscheligen Sonntagnachmittag auf dem Sofa. Aber vielleicht was für die Augen: „Ich sah mich durch eine Ausstellung expressionistischer Malerei gehen“, sagte eine Zuhörerin in der Pause, „genau die richtige Untermalung für Kandinsky, Beckmann und Munch.“

„Das putzt die Ohren“, hatte Elisabeth Leonskaja vor dem Konzert zu dem Schönberg-Intermezzo gesagt. Aber mehr noch als diese für manche Ohren spröde wirkende Programmmusik gefiel der Musikfreundin Leonskajas emotionale Beethoven-Interpretation. Besonders das Adagio, in dem die Pianistin jedem Ton viel Zeit und Raum zum Atmen und Entfalten lässt. Ihre Interpretation ist zart und leise, bescheiden, warmherzig, dunkel, versonnen und leuchtend in den Tiefen ihrer Auslegung.

Was soll man da nach Weberns Variationen noch schreiben oder Schuberts dramatisch-melancholischer Sonate – die schönste je nach Beethoven komponierte – noch sagen? Wenn Elisabeth Leonskaja sie so spielt wie an diesem Abend im Bagno, dann versteht man, warum sie in Georgien 2015 zur „Priesterin der Kunst“ ernannt wurde.

Im Bagno bekam sie Blumen, frenetisch-entflammten Applaus und diese zart-seelige Herzlichkeit, die nur durch große, mitfühlende Musikalität verdient werden kann. Eine Zugabe braucht es dafür nicht.

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