Fado-Königin Cristina Branco in der Bagno-Konzertgalerie
Lieder von gefährlicher Schönheit

Steinfurt -

Schön, allzu schön. Melancholisch, aber nicht allzu sehr; denn so klingt der Fado nicht, nicht jedenfalls der traditionelle portugiesische Blues. Aber eben dafür wird Cristina Branco, die jetzt im Rahmen des Münsterland-Festivals im Bagno für einen umjubelten Auftritt sorgte, rund um den Globus gefeiert: für ihr behutsames Mäandern zwischen Tradition und Neudeutung. Das macht die vielleicht talentierteste und vielseitigste Fadosängerin so groß.

Sonntag, 03.11.2019, 16:24 Uhr aktualisiert: 06.11.2019, 16:32 Uhr
Christina Branco und ihr Ensemble verzauberten das Publikum in der Bagno-Konzertgalerie mit portugiesischem Fado, oftmals modern interpretiert.
Christina Branco und ihr Ensemble verzauberten das Publikum in der Bagno-Konzertgalerie mit portugiesischem Fado, oftmals modern interpretiert. Foto: lü

Schon ihre herzlich-mitreißende Bühnenpräsenz im Bagno, nur Seele und Musik, eine ihre famosen Mitmusiker überstrahlende, hochhackige Noblesse ganz in Weiß ( Branco ist das portugiesische Wort für Weiß), verzaubert sie ihre Zuhörer mit erdiger, fragiler und bisweilen ätherischer Musik, Lieder von gefährlicher Schönheit, morbidem Charme und herzzerreißender Sehnsucht.

Bernardo Couto (Portugiesische Gitarre), Bernardo Moreira (Kontrabass) und Pianist Luís Figueiredo stehen an der Seite der 45-jährigen Sängerin. Figueiredo sorgt für mehrere Kompositionen und Arrangements auf dem im Bagno präsentierten Album „Branco“ und prägt lyrisch und perkussiv den modernen Sound.

Ach Cristina, auch wenn wir kaum ein Wort verstehen, fühlen wir doch deine Musik, diesen unerbittlichen Schönklang, die Liebe, Menschlichkeit und Respekt ausstrahlt und unser Herz ergreift. (Das heißt, ein bisschen haben wir schon verstanden; in dem Lied „Eu por engomar“ singt sie „O tempo dá, o tempo tira, o tempo cobra“ – die Zeit gibt, die Zeit nimmt, die Zeit verlangt.“)

Fado gehört zur portugiesischen Seele wie der Tejo zu Lissabon mit seinem maladen Eros. Und auch wenn Cristina Branco diesem Lebensgefühl völlig neue, moderne Seiten zufügt, erzählen auch ihre Lieder von Heimweh und Abschied, von unglücklicher Liebe, vom Trauern um die gute alte Zeit und der Sehnsucht nach einer besseren Zukunft. Die vorherrschende Tonlage des sehnsuchtsvoll klagenden Fado ist Moll.

Und wie selbstverständlich sang Cristina auch im Bagno einige ganz traditionelle Fado-Lieder, erklärte ihre Neuinterpretation in herrlich südländisch klingendem Englisch so: „Vor ein paar Jahren habe ich gespürt, dass ich nicht richtig weiterkomme. Ich habe mein Leben gelebt, und es hat sich alles um mich selbst gedreht und auch meine Musik schien sich zu wiederholen. Mir kam es so vor, als ob ich in einem schnellen Zug sitzen und an allem vorbeirasen würde, was um mich herum geschieht. Ich habe es einfach versäumt, an der richtigen Haltestelle auszusteigen. Das habe ich jetzt gemacht.“ Schön, dass sie auch in Steinfurt ausgestiegen ist; schön, allzu schön.

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