Nur Sonne und Glatteis lassen die Umsätze schmelzen
Wetter lässt die Kunden kalt

Burgsteinfurt -

Egal, ob Hühnerkeule, Avokado, Gouda-Käse oder rote Rosen – die Marktbeschicker machen bei jedem Wetter ihr Geschäft. Bis auf zwei, drei Ausnahmen...

Dienstag, 05.11.2019, 19:00 Uhr
Rabea Wenning bietet seit Juni die Eier vom eigenen Hof auf dem Burgsteinfurter Wochenmarkt an. Sie weiß inzwischen: „Jeder Verkaufstag ist unterschiedlich.“
Rabea Wenning bietet seit Juni die Eier vom eigenen Hof auf dem Burgsteinfurter Wochenmarkt an. Sie weiß inzwischen: „Jeder Verkaufstag ist unterschiedlich.“ Foto: Axel Roll

Es ist dieser besonders gemeine Münsterländer Landregen. Der, der kaum zu sehen und selbst unter der Zeltplane nicht zu hören ist. Lautlos schleicht er sich an Kragen, Reisverschlüssen und Schals vorbei auf nackte Haut, um dort für November-Gänsehaut zu sorgen. Sylvia und Uschi Taubitz bekommen von diesen Fröstel-Attacken in ihrem Verkaufswagen wenig mit. Sie stehen im Trockenen und vor der Theke drängelt sich wie gewohnt ihre Kundschaft. Beim Blick in die Kuchenecke, da wird Sylia Taubitz, selbst nicht unbedingt eine Freundin feuchten Wetters, allerdings schnell klar, dass im Wetterhäuschen gerade das Männchen mit dem Regenschirm Schicht schiebt. „Bei so einem Schmuddelwetter“, hebt die Markthändlerin zu einer Erklärung an – um sofort aus dem Käuferpulk von einem „Wie heute“ unterbrochen zu werden – „verkaufen wir die süßen Sachen besonders gut.“ Uschi Taubitz lacht: „Die zweite Torte ist schon weg.“ Kuchen als Stimmungsaufheller – für viele Besucher des Burgsteinfurter Wochenmarktes offensichtlich immer noch ein todsicheres Rezept.

Gemeinheiten von Petrus

Schlechtes Wetter im Allgemeinen und Regen im Besonderen, darüber sind sich alle Händler aber einig, hält niemanden vom Einkaufen ab. Da muss sich Petrus schon ganz andere Gemeinheiten ausdenken. Glatteis, zum Beispiel. Das wirkt immer, um den Marktbeschickern das Geschäft zu versauen. Sturm geht auch, oder Gewitter. Aber alle anderen Begleiterscheinungen niedrigen Luftdrucks, die lassen zumindest die Stammkundschaft unbeeindruckt.

95 Prozent Stammkunden

Darum macht Alexander Paßlick mit seinem Obst und Gemüse bei jedem Wetter seinen gewohnten Umsatz. „Ich habe zu 95 Prozent Stammkunden“, freut sich der Händler. „Und denen ist Regen egal.“ Was allerdings fehle, das sei die Laufkundschaft. Wie zum Beispiel die Camper, die auf dem Wohnmobilstellplatz an der Liedekerker Straße einen Zwischenstopp einlegen. „Davon kommen relativ viele in die City“, weiß Paßlick.

Rabea Wenning, die nebenan Freilandeier vom eigenen Hof anbietet, ist zwar erst seit Juni auf dem Burgsteinfurter Wochenmarkt. Aber auch sie hat schon erkannt: „Jeder Verkaufstag ist unterschiedlich.“ Und das hat meistens nichts mit dem Wetter zu tun. Über das ganze Jahr gesehen ist ihr der Winter sogar lieber als sein jahreszeitlicher Gegenspieler. „Dann wird auch mehr gebacken.“ Was logischerweise den Eier-Abverkauf beflügelt.

Kommen und kaufen

Daniel Knüpp aus dem Fleischwagen gegenüber ist ein alter Markt-Hase. Der Meister seines Fachs packt den Einfluss des Wetters auf das Klingeln der Kasse in eine schlichte Formel: „Schlechtes Wetter heißt nicht schlechter Markt.“ Die Leute verweilen vielleicht nicht so lang in der Innenstadt: „Die kommen und kaufen.“

Familie Sommer trägt die Sonne im Namen. Zu viel davon, das haben der jüngste Juli und August wieder bewiesen, ist nicht gut fürs Geschäft. „Bei extremer Hitze ist auf dem Markt nix los“, weiß Alex Sommer. Und im Winter bei zweistelligen Minusgraden, da sind die Sommers verschwunden. Nicht, weil die Horstmarer Freiseköttel wären. Nein, eher ihre Bananen oder Kartoffeln. „Wenn Du die bei solchen Temperaturen vom Lkw zum Stand trägst, sind die schon nicht mehr zu verkaufen“, erzählt Thomas Sommer. Die Kartoffeln, die bekommen durch den Frost einen schlechten süßlichen Geschmack.

Bei Regen später

Die Kundschaft von Käse-Harry (ter Steegen) ist nicht ganz so unbeeindruckt vom Regen. „Viele Käufer, die normalerweise früh am Morgen am Stand sind, die kommen bei Regen später.“ Offensichtlich warteten die Zuhause, ob es sich das Wetter nicht doch noch anders überlegt.

Die eine verkauft Geflügel, die andere Blumen. Beide stimmen aber überein: Von schlechtem Wetter lässt sich ein Marktbesucher nicht abschrecken. Petra Bilke schmeißt dienstags den Verkaufswagen von Direktvermarkter Borgmann allein. Geflügel, Eier, Wurst. Sie sagt genau wie Kollegin Anne Cramer vom Blumenstand Kamer: „Das Wetter lässt die Leute kalt.“

Regen-Skeptikerin Sylvia Taubitz ist noch ganz was anderes aufgefallen. „Seit der Trockenheit im Sommer stöhnen die Leute viel weniger über schlechtes Wetter.“

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