23-jähriger Borghorster vor dem Amtsgericht
Haarscharf an der Freiheitsstrafe vorbei   Foto:

Steinfurt -

Die Gelegenheit war günstig: Als der 23-jährige Steinfurter im Juni dieses Jahres im Vorraum der Filiale Bahnhofstraße der Kreissparkasse Steinfurt ein am Kontoauszugsdrucker abgelegtes, herrenloses Smartphone eines chinesischen Herstellers erspähte, steckte er es kurzerhand ein. Der Weiterverkauf ergab später einen Erlös von 80 Euro. Wegen dieses Diebstahls musste sich der Vater eines dreieinhalbjährigen Sohnes, der derzeit von wenigen Hundert Euro Miete und Lebensunterhalt bestreiten muss, am Dienstag vor dem Amtsgericht Steinfurt verantworten.

Dienstag, 12.11.2019, 15:44 Uhr aktualisiert: 12.11.2019, 16:28 Uhr
 
  Foto: Hans-Jörg Nisch

„Ich habe große Sch... gebaut“, zeigte sich der junge Mann reuig. Er wolle sein Leben ändern, habe einen Job in Aussicht. Seinerzeit habe er noch bei seinem drogen- und alkoholabhängigen Vater gewohnt, der einen schlechten Einfluss auf ihn gehabt habe. Er sei mittellos gewesen und habe die Gelegenheit genutzt, das Handy an sich zu nehmen. 300 Euro, wie in der Anklageschrift angedeutet, sei das Smartphone der Marke Huawei indes nicht wert gewesen. Eine Aussage, die der Richter umgehend nachprüfte und dafür die Sitzung unterbrach. „Im guten gebrauchten Zustand ist das Gerät rund 115 Euro wert“, so das Ergebnis seiner Recherche.

Selbstbewusst trat der Angeklagte gegenüber dem Staatsanwalt auf. Dieser hatte, da der Steinfurter mehrfach einschlägig vorbestraft ist und nach einem Bewährungswiderruf auch in Haft war, eine Freiheitsstrafe von vier Monaten ohne Bewährung gefordert. „Ich halte diese Strafe für deutlich zu hart, ich bemühe mich, mein Leben in den Griff zu bekommen und Arbeit aufzunehmen“, hielt der 23-Jährige ihm entgegen.

Genau das honorierte offenbar der Richter, der es bei einer Geldstrafe in Höhe von 300 Euro, zahlbar in Raten, einer geldlichen Wiedergutmachung von 115 Euro, zahlbar an den Geschädigten, sowie der Übernahme der Gerichtskosten beließ.

Der Angeklagte habe sich geständig und reuig gezeigt. Er habe sich von seinem Vater gelöst und bemühe sich, sich zum Guten zu wandeln. Ein Job stehe in Aussicht. Der Griff zum Handy sei seinerzeit eine Spontanreaktion gewesen, die der schwierigen Lebenssituation geschuldet gewesen sei.

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