Vinzenz Kuhl ist seit 22 Jahren einmal die Woche in Burgsteinfurt
Der Mann fürs Dünngeschnittene

Steinfurt -

Wenn es um Schinken aus aller Herren Länder geht, ist Vinzenz Kuhl der Fachmann. Einmal die Woche steht er mit seinem Verkaufswagen auf dem Burgsteinfurter Wochenmarkt. Dabei haben seine Stammkunden es einem Bischof zu verdanken, dass der 57-Jährige nicht Religionspädagoge geworden ist.

Freitag, 22.11.2019, 20:00 Uhr
Wenn es um Schinken und andere Fleisch- und Käse-Spezialitäten geht, ist Vinzenz Kuhl Experte. Seit 22 Jahren steht er mit seinem Verkaufswagen auf dem Burgsteinfurter Wochenmarkt.
Wenn es um Schinken und andere Fleisch- und Käse-Spezialitäten geht, ist Vinzenz Kuhl Experte. Seit 22 Jahren steht er mit seinem Verkaufswagen auf dem Burgsteinfurter Wochenmarkt. Foto: Axel Roll

„Schön dünn geschnitten?“ Geht es um Parma, Pata Negra, Serrano, San Daniele, Culatello oder westfälischen Knochenschinken, gehört diese Frage zu Vinzenz Kuhl wie die schwarze Lederkappe auf seinen Kopf. Meistens nicken seine Kunden erwartungsfroh. Der Feinkosthändler kurbelt dann kurz an dem schwarzen Drehrad der Schneidemaschine, hebt das ausgesuchte Stück Schinken auf den Schlitten und ssssittt, sssittt, ssssittt, segeln hauchdünne Scheiben nach allen Regeln der Fleischerskunst veredelter Schweinebacken auf das weiß-blaue Wachspapier. Mit so einem Schinken-Transparent vor Augen könnte der Chef hinterm Tresen trotzdem erkennen, ob seine Mitarbeiterin Sandra Roters nebenan auf ihrer Waage Mortadella oder gekochten Schinken liegen hätte. . .

Hauptumsatzbringer

„Schön dünn geschnitten?“ An diesem Freitagmorgen ist es nach „Was darf‘s denn sein?“ die am zweithäufigsten gestellte Frage. „Der Schinken ist nicht nur in Burgsteinfurt unser Hauptumsatzbringer“, weiß Vinzenz Kuhl aus Erfahrung. Seit 22 Jahren steuert er mit seinem Verkaufswagen, das neue Modell hat eine Länge von stolzen zehn Metern, ausgesucht gute Wochenmärkte rund um Münster an. Burgsteinfurt ist für den gebürtigen Neuenkirchener einmalig: „Die Atmosphäre hier ist einfach klasse.“

Feinkosthändler Vinzenz Kuhl auf dem Wochenmarkt Burgsteinfurt

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Familiär vorbelastet

Das Marktwesen hat Kuhl, wie es so schön heißt, mit der Muttermilch aufgesogen. Milch war bei ihm wirklich im Spiel. Opa Kuhl brachte vor mehr als 60 Jahren Kuhsaft und Quark als Molkereifahrer unters Volk. Daraus wuchs langsam, aber sicher das rollende Feinkostgeschäft.

Auch wenn sich Klein-Vizenz schon gerne auf den Märkten rumdrückte, so ganz geradeaus ging es für ihn dann doch nicht. Zwar waren die ersten Weichen mit einer Groß- und Einzelhandelskaufmann-Lehre gestellt. „Damals dachte ich aber, dass das nicht alles gewesen sein kann“, legt der 57-Jährige den Kopf schief. Was sich anschloss, war darum ein Studium der Religionspädagogik. In Mainz. Seine Stammkundschaft wird sehr froh darüber sein, dass sich der junge Kuhn mit seinem damaligen Bischof überwarf und darum doch wieder ins Schinken-Geschäft einstieg. Und da will er auch nicht wieder raus: „Ich komme rum, habe viel mit Menschen zu tun und Lebensmittel liebe ich auch“, hat der Feinkosthändler drei schlagkräftige Gründe dafür.

Leidenschaft

Die Leidenschaft leuchtet in seinen Augen, als er den Deckel des Glases mitten auf der Theke hebt. „Hier, riech mal.“ Schwarze Trüffel. Der ultimative Nasen-Kick. Diese Geruchsprobe ist kostenlos. Das Kilo Pilze kostet derzeit 1250 Euro. Vinzenz Kuhl weiß: „Das ist relativ günstig.“

„Schön dünn geschnitten?“ Ehe der Anbieter von Fleisch, Aufschnitt und Käse diese Frage das erste Mal stellen kann, schlägt die Rathausuhr sieben Mal. Da ist Kuhl aber schon seit mehr als zwei Stunden auf den Beinen. „Früh aufstehen, da musste ich mich dran gewöhnen“, gibt er gerne zu. Geholfen hat ihm dabei ein mechanischer Wecker auf einem Teller, platziert ganz weit weg vom Bett. Zu Ende ist dieser Arbeits-Freitag erst gute zwölf Stunden später. Mittags geht es nämlich ohne Pause nach Havixbeck zum Markt. Und auch dort heißt es, nachdem sich die Klappen geöffnet haben: „Schön dünn geschnitten?“

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