50 Jahre Hiltruper Wochenmarkt
Freitags geht es auf den Markt

Münster-Hiltrup -

Händler von hier mit frischen Produkten direkt vor der Haustür – die Erfolgsgeschichte des Hiltruper Wochenmarktes geht weiter. Auch im 50. Jahr seines Bestehens. Grund genug für Rückblicke und Wünsche.

Sonntag, 19.01.2020, 13:00 Uhr
In den ersten Jahren war die Publikumsresonanz noch etwas verhalten, längst ist der Wochenmarkt aber jeden Freitag ein Publikumsmagnet.
In den ersten Jahren war die Publikumsresonanz noch etwas verhalten, längst ist der Wochenmarkt aber jeden Freitag ein Publikumsmagnet. Foto: v

Am Anfang noch ein Geheimtipp, jetzt eine feste Institution: Der Hiltruper Wochenmarkt wird 2020 runde 50 Jahre alt. Seit 41 Jahren ist der Hiltruper Adolf Bussmeyer mit seinem Fischhandel dabei, den er mit Ehefrau Elke gegründet hatte. „Die erste Zeit lief es noch sehr schleppend, aber nach einer Anlaufzeit, sind wir bis heute über all die Jahre sehr zufrieden.“ Ausgefallen sei trotz Hitze oder Winterchaos kein einziger Wochenmarkt in Hiltrup. „Auch wenn manchmal der Schnee nicht ordentlich genug weggeräumt wurde“, sagt Adolf Bussmeyer im Gespräch mit dieser Zeitung.

Der 71-Jährige hat das Geschäft mittlerweile seinen Söhnen Andreas und Sebastian , der Schwiegertochter Ronja , sowie Tochter Julia Bussmeyer überlassen. Zum Einkauf des fangfrischen Fisches fährt der Senior aber immer noch selbst zu den Seehäfen. Und da ist ihm kein Weg zu weit. „Einmal habe ich von Hiltrup nach Bremerhaven und zurück wegen Sturm und Stau 16 Stunden gebraucht.“

Zum Glück kann heute alles besser und länger gekühlt werden. In den ersten Jahren des Marktes verkauften die Händler ihre Waren meistens an ausklappbaren Holzständen. Die sind in den letzten Jahren immer mehr den Verkaufswagen gewichen, der modernste von Bussmeyer misst zehn Meter.

Nur einmal gab es Ärger auf dem Hiltruper Wochenmarkt, erinnert sich Adolf Bussmeyer. Der Grund war 1987 ein Bericht des ARD-Magazins „Monitor“ über „Nematoden (Wurmlarven) im Fisch“. Alle Fischhändler standen plötzlich bundesweit unter Generalverdacht, auch Bussmeyer in Hiltrup. „Mit einem Schlag“, sagt Alfred Bussmeyer, „war es mit dem Verkauf vorbei“. Jeder Tag wurde mit Schulden bilanziert. Doch Adolf Bussmeyer ist ein Kämpfertyp. „Ich lasse mir doch nicht meine jahrelange Arbeit kaputtmachen.“ Er schaltete einen Rechtsanwalt ein. Bussmeyer Senior gelang es, alle Vorwürfe zu widerlegen und das Vertrauen der Kunden zurückzugewinnen. Und das machte er mit größtmöglicher Transparenz: Der Fisch wurde vor den Augen der Kunden filetiert und über einen Leuchttisch gezogen. Bussmeyer baute eine eigene Räucherkammer auf, um zu garantieren, dass nur einwandfreie Ware verkauft wurde. Adolf Bussmeyer macht deutlich, dass früher wie heute alle Produkte unter strengen Auflagen geprüft würden.

„Aktuell gibt es 22 Marktbeschicker in Hiltrup, die jeden Freitag ihre Stände aufbauen – da ist alles vertreten“, bilanziert sein Sohn Sebastian Bussmeyer. Seit Mai 2019 ist der Hiltruper Vorsitzender der Interessengemeinschaft der Marktbeschicker: „Der Marktplatz in Hiltrup ist sehr gut. Auch wenn er für manche etwas versteckt wirkt – es gibt keinen besseren Ort.“

Seit 17 Jahren steht der 33-Jährige hinter der Fischtheke. „Hiltrup ist ein ganz besonderer Markt. Der Platz ist ideal, die Stimmung gut, zu 95 Prozent haben wir Stammkundschaft. Trotz Zunahme der Supermärkte ist der Markt immer sehr gut besucht.“

Im Gegensatz zu Wolbeck und Telgte wachse in Hiltrup junges Marktpublikum nach. „Es kommt die vierte Generation zum Einkaufen“, freut sich Adolf Bussmeyer, „die Enkel kommen mit ihren Großeltern“.

„Der Markt hat sich inzwischen verändert, ist hochwertiger geworden.“ Schwiegertochter Ronja Bussmeyer ergänzt: „Immer mehr Menschen kochen selbst und fragen uns nach den besten Fischrezepten. Die verraten wir ihnen gerne.“

Kennengelernt hat sie ihren Mann Sebastian auf dem Wochenmarkt in Münster, als sie im Fischwagen einen Aushilfsjob bekam. Heute ist sie – nach erfolgreich absolvierter Ausbildung bei ihrem Mann – fest angestellt. Mittlerweile leitet auch Ronja Bussmeyer den Nachwuchs an: „Aktuell interessieren sich immer mehr Mädchen für den Job.“

Ein weiterer Trend liegt im gesteigerten Umweltbewusstsein: „Die Kunden und wir werden immer nachhaltiger. Immer häufiger kommen Hiltruper mit Papiertüten, Mehrwegtaschen oder wie früher mit Einkaufskörben aus Korb oder Weide.“

Mittlerweile arbeiten bei Bussmeyer insgesamt sieben feste Mitarbeiter und zehn Aushilfen. Gibt es Nachwuchsprobleme? „2018 war es schwer, Aushilfen zu bekommen, da viele unserer Studenten mit der Uni fertig waren und Münster verließen. Im Moment sind wir aber wieder gut aufgestellt.“

50 Jahre Wochenmarkt in Hiltrup – da darf man natürlich auch Wünsche äußern. „Der Toilettencontainer ist noch von früher und sehr baufällig“, sagt Sebastian Bussmeyer, „es wäre schön, wenn die Stadt uns einen neuen WC-Container spendieren würde. Das würde auch unsere Kunden sehr freuen“. Es gibt auch noch einen weiteren Wunsch. „Es wäre schön, wenn sich die Parkplatzsituation für die Zeit des Marktes auch in der Zuwegung über die Moränenstraße noch verbessern würde“, sagt Bussmeyer. „Wenn wir frühmorgens kommen, oder mittags abfahren, ist es manchmal aufgrund parkender Autos doch schon sehr eng und nicht so gut einsehbar.“

Apropos frühes Aufstehen. Hat sich Sebastian Bussmeyer eigentlich mittlerweile daran gewöhnt? „Das ist reine Übungs- und dann Gewohnheitssache. Aber solange meine Frau mich jeden Morgen mit einem Kuss weckt, ist alles in Ordnung.“ Ronja Bussmeyer ergänzt scherzend: „Wenn er dann nicht aufsteht, komme ich mit dem Wasserschlauch und dann voll auf die Zehn!“

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