Martin Merker renoviert Temmings Mühle in Dumte
Geschichte unter Handy-Reklame

Borghorst -

Nein, der Verpackungskünstler Christo war in der Bauerschaft Dumte nicht am Werk. Temmings Mühle ist verhüllt, weil unter der Plane geschützt umfangreiche Restaurierungsarbeiten durchgeführt werden. Dabei werden auch Geheimnisse entdeckt und gelüftet.

Mittwoch, 04.03.2020, 16:52 Uhr aktualisiert: 05.03.2020, 14:18 Uhr
Temmings Mühle wird derzeit unter einer riesigen Pläne umfangreich von Martin Merker renoviert. Die alte Mühle in Dumte blickt auf eine bewegte Geschichte zurück, wie alte Dokumente belegen.
Temmings Mühle wird derzeit unter einer riesigen Pläne umfangreich von Martin Merker renoviert. Die alte Mühle in Dumte blickt auf eine bewegte Geschichte zurück, wie alte Dokumente belegen.

Werbung für das Headset eines südkoreanischen Mischkonzerns in der beschaulichen Borghorster Bauerschaft Dumte? Eine 600 Quadratmeter große weißgrundige Plane mit eindeutigen Produktsymbolen leuchtet in der Spätwintersonne. Temmings Mühle an der Steinfurter Aa, verhüllt wie der Berliner Reichstag. Die Neugier führt zu Martin Merker , der das Rätsel schnell auflöst. Als Eigentümer der Mühle will er das vom Verfall bedrohte Gebäude nach und nach entkernen und eventuell mit neuem Leben füllen.

Löcheriges Dach

Dazu musste das löchrige Dach abgedichtet werden. Unter der stabilen Plane können die Arbeiten witterungsunabhängig durchgeführt werden. Leider haben die offenen Stellen im Dach einigen der uralten Eichenbalken schon arg zugesetzt. Wuchtige eichene Dachsparren, fast unbehandelte Baumstämme, und 80 Zentimeter dicke Bruchsteinmauern zeugen von einer handwerklichen Epoche, als es nicht um Schönheit, sondern um Nutzen ging.

Der verstorbene Borghorster Historiker Hans Jürgen Warnecke hatte bereits vor mehr als 40 Jahren in Archiven nach der Geschichte der Mühle geforscht. Rentamtsrechnungen im Fürst zu Bentheimschen Schlossarchiv geben Auskunft, dass schon vor dem Jahr 1600 die nahe beim Schulzenhof gelegene Temmingsmühle dem Burgsteinfurter Grafen gehörte und dort Korn gemahlen wurde.

1655 wurde auf dem Hofe Schulze Temming das Schützenfest der Bauerschaft Dumte gefeiert. Bis 1961 wurde in der Mühle Korn gemahlen. Man fuhr über eine heute nicht mehr vorhandene Brücke der Aa durch ein großes Tor in die Mühle.

Turbinenwasserrad

Letzte Zeugnisse der technischen Entwicklung werden jetzt von Staub und Unrat befreit, wie ein alter Steingalgen samt Zange, mit dem der tonnenschwere Mühlsteinkoloss wie Spielzeug gekippt und dann per Hand geschärft werden konnte. Im Erdgeschoss verdecken dicke Bretter den Schacht, unter dem ein waagerecht liegendes Turbinenwasserrad ruht, das durch einen unter der Mühle durchführenden Kanal angetrieben wurde. Martin Merker möchte diese technische Besonderheit eigentlich mit einer Glasplatte sichtbar machen. Aber er weiß, dass der vom durchströmenden Wasser mitgerissene Sand ständig zu Verstopfungen führen würde.

Fundamentstein

Ein Rätsel birgt ein riesiger Fundamentstein, der vor der Mühle zu einer rustikalen Sitzgruppe gehört. Dort sind die Buchstaben und Ziffern IMT )-( AEP EL 1737 eingemeißelt.

Durchforscht man die alten Kirchenbücher von Borghorst, stößt man darauf, dass der 1695 geborene Joann Melchior Temming im November 1728 die 19-jährige Anna Elisabeth Pröbsting geheiratet hat (EL = Eheleute). Aus der Ehe gingen sieben Kinder hervor. 1747 starb der Ehemann. Aus dem Jahr 1737 wird im Kirchenbuch lediglich die Geburt der dritten Tochter aufgeführt. Winfried Mersmann, der auf dem angrenzenden Hof groß geworden ist, erinnert sich, dass die Steine ursprünglich auf der gegenüberliegenden Uferseite der Aa zusammenhängend als Fundament eines nicht mehr vorhandenen Gebäudes eingebaut waren. Somit dürften sie die Gründungssteine einer Mühlenerweiterung gewesen sein, die der Müller Joann Melchior Temming 1737 in Angriff genommen hat. Es wird nämlich überliefert, dass auf dieser Aa-Seite auch eine Rossmühle und eine Ölmühle gestanden haben sollen. Zwei zugemauerte runde Öffnungen in den Sandsteinquadern des Hauptgebäudes erinnern daran, dass mal zwei mit Mühlrädern getriebene Mahlgänge vorhanden waren.

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