Schüler müssen zu Hause bleiben, Mottowoche der Abiturienten fällt flach
Ungewollt in die Ferien

Eigentlich freuen sich doch alle Schüler, wenn der Unterricht ausfällt oder die Ferien anstehen. Man hat endlich mal Zeit, sich mit Freunden zu treffen, Urlaub zu machen oder seinen Hobbys nachzugehen. Dass es aber unter diesen Umständen zu einem Schulausfall kommt, sorgt nicht gerade für Ferienstimmung. Das Coronavirus hat Deutschland fest im Griff und die Schulen haben ihre Türen geschlossen. Auch wenn es nicht so schlimm klingt, immerhin war Schulfrei bisher nie etwas Schlechtes. Diese Situation stellt aber Lehrer und Schüler vor einige Herausforderungen, die zum Teil schon gut gemeistert wurden.

Donnerstag, 19.03.2020, 14:14 Uhr aktualisiert: 19.03.2020, 20:36 Uhr
Momentan ist niemand mehr in den Klassen. Die Schulen sind wegen des Coronavirus geschlossen und viele Schüler hatten bereits ihren letzten Schultag, ohne davon gewusst zu haben.
Momentan ist niemand mehr in den Klassen. Die Schulen sind wegen des Coronavirus geschlossen und viele Schüler hatten bereits ihren letzten Schultag, ohne davon gewusst zu haben. Foto: Klaus-Dietmar Gabbert/dpa-Zentra

 

Besonders die Abiturienten aus diesem Jahr stehen vor Herausforderungen. Zum einen die Ungewissheit, ob ihre Prüfungen tatsächlich stattfinden können, zum anderen die stufeninternen Dinge wie die Organisation von Tag X und Mottowoche, die nun auch ausfallen. Gerade die Mottowoche war für viele Absolventen das Highlight ihrer ganzen Schulzeit und nun müssen einige darauf verzichten. Für Emily Drude vom Gymnasium Borghorst war die Mottowoche schon immer etwas, was sie unbedingt selber miterleben wollte: „Durch den Ausfall der Mottowoche habe ich das Gefühl, keinen richtigen Abschluss mit der Schule gefunden zu haben. Der Traum, den man seit der fünften Klasse hatte, auch mal in der Schule auf der Bühne zu stehen und die allerletzte Schulwoche zu feiern, ist nun geplatzt. Es gibt aber zurzeit Menschen, die viel mehr unter den Auswirkungen des Virus leiden, das sollten wir nicht vergessen. Die Zeit, die wir jetzt zur Verfügung haben, nutze ich zum einen für die Vorbereitung auf das Abi , aber auch, um endlich wieder Sachen zu machen, für die ich sonst keine Zeit mehr gefunden habe wie malen oder einfach mal wieder meine Dinge zu sortieren.“

Auch in Burgsteinfurt spiegelt sich diese Stimmung wider bei den Abiturienten. „So habe ich mir meine letzten Schultage nicht vorgestellt, vor allem wusste man ja nicht, dass es überhaupt der letzte Tag war. Ich finde es aber gut, wie unsere Schule mit der Schließung umgeht. Es wurde sofort eine Cloud mit Unterrichtsmaterialien eingerichtet, die auch funktioniert. Die Lehrer sind alle sehr hilfsbereit und bieten an, uns bei Unsicherheiten und Fragen zu unterstützen. Es ist aber sehr schade für die Mottowoche, vielleicht können wir die ja irgendwie nachholen“, erzählt Meret Hagenhoff vom Gymnasium Arnoldinum in Steinfurt. Kris Medding, ebenfalls vom Arnoldinum, hat eine ähnliche Sichtweise auf die Dinge: „Ich hatte eine komplett andere Vorstellung vom Abitur und der Mottowoche. Gerade auf letzteres hat man sich schon seit Ewigkeiten gefreut. Jetzt wird alles anders ablaufen. Man merkt klar, wie es den Alltag und auch das Denken dominiert inzwischen. Auch Dinge wie die Feier des achtzehnten Geburtstages von zwei Freundinnen und mir müssen abgesagt werden. Das war für uns schrecklich, weil wir schon seit zwei Jahren Sachen dafür vorbereiten und planen. Und gerade der Achtzehnte ist doch der Geburtstag, den man groß feiern muss.“

Nicht nur die fehlende Mottowoche oder ausgefallene Geburtstage setzen vielen Schülern zu. Auch alleine die Gewissheit, dass der letzte Schultag stattgefunden hat, ohne dass man es wusste, fühlt sich einfach nicht richtig an. Dafür funktioniert die Versorgung mit Materialien anscheinend erstaunlich gut an den Schulen im Kreis. Und das, obwohl den Schulen oft fehlende technisches Wissen vorgeworfen wird. „Für mich fühlt sich die ganze Situation gerade total surreal an. Ich hatte letzten Freitag meinen letzten Schultag, ohne dass ich es überhaupt wusste. Das ist schon ein komisches Gefühl. Außerdem ist es mega schade, dass die Mottowoche erstmal ausfallen wird, ich hoffe sehr, dass wir die nachholen können. Was ich erstaunlich finde, ist, dass unsere Schule so schnell so gut auf die Situation reagiert hat. Wir können unseren Unterricht, so gut wie es eben geht, digital fortsetzen“, erzählt Tim Sippel aus der Q2 vom Gymbo.

Doch gibt es auch noch viele Schüler, die nicht in diesem Jahr ihren Abschluss machen. Diese müssen sich die Mottowochen-Frage nicht stellen. Franziska Böckenhoff aus der zwölften Klasse des Hermann-Emanuel-Berufskollegs macht nächstes Jahr Abitur und erzählt, wie sie mit dem plötzlichen Schulstopp umgeht: „Ich muss zu Hause natürlich weiter Sachen für die Schule machen, das sind keine Ferien. Wir haben sehr viele Aufgaben von den Lehrer zugeschickt bekommen. Ansonsten habe ich mir vorgenommen, in den kommenden Wochen Dinge zu tun, für wir auch nach der Schule manchmal keine Zeit haben. Wenn das Wetter so schön bleibt, verbringe ich Zeit draußen im Garten oder mache Sport.“

So hat diese Pandemie vielleicht doch noch ein paar Lichtblicke. Dennoch gilt, sich möglichst an die Vorgaben von Regierung und Stadt zu halten, nicht nur um sich selber nicht anzustecken, sondern auch, um möglichst die Gefahren für Menschen aus den Risikogruppen kleinzuhalten und das Gesundheitssystem nicht einbrechen zu lassen.

 

Imke Rüße &

Luca Hannah Roters

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