Auch die Reitvereine müssen sich mit der Coronakrise arrangieren
Kein Sport, nur ein bisschen Bewegung

Steinfurt -

In Sportvereinen steht das Leben still, in Reitervereinen ist das nicht komplett möglich, weil die Pferde versorgt und auch bewegt werden müssen. Doch auch dafür gelten strenge Regeln und vor allem gegenseitige Rücksichtnahme.

Dienstag, 24.03.2020, 16:22 Uhr aktualisiert: 24.03.2020, 20:28 Uhr
Auch auf der Stallgasse sollten die mit der Versorgung der Pferde befassten Menschen am besten alleine sein.
Auch auf der Stallgasse sollten die mit der Versorgung der Pferde befassten Menschen am besten alleine sein. Foto: Thomas Hartwig

Das Leben in den Sportvereinen und den Fitness-Studios steht still. Kein Training, keine geselligen Veranstaltungen. In Reitervereinen kann diese Anordnung nur teilweise umgesetzt werden, die Pferde benötigen schließlich weiterhin Betreuung, Futter und Bewegung. „Reitschulbetrieb und Unterrichtsstunden haben wir komplett abgesagt“, erklärt die Vorsitzende des Reitervereins Borghorst, Carola Baumscheiper. „Außerdem haben wir alle, die private Pferde auf der Vereinsanlage eingestellt haben, gebeten, keine fremden Personen mitzubringen, sich nur um das Pferd zu kümmern und sich nicht unnötig lange auf der Anlage aufzuhalten.“

Kein Pläuschchen

Trotz des schönen Wetters wolle der Verein nicht, dass die Familie mitgebracht werde und beim Reiten zuschaue. Auch seien die Reiter angehalten worden, sich nicht noch für ein Pläuschchen zu treffen, sondern sich voneinander fernzuhalten – eben so, wie es die Corona-Vorsorgeregeln verlangen.

Das droht bei Verstößen gegen die Corona-Verordnungen

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  • Bei Zusammenkünften von mehr als zwei Personen in der Öffentlichkeit, die nicht direkt verwandt sind, werden 200 Euro von jedem Beteiligten fällig.

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  • Der Verzehr von Außer-Haus-Speisen näher als 50 Meter am Restaurant oder Imbiss kostet 200 Euro.

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  • Verstöße gegen das Besuchsverbot in Krankenhäusern und Altenheimen kosten 200 Euro.

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  • Wer die Hygiene-Vorkehrungen bei einer Beerdigung nicht einhält oder den Mindestabstand von 1,5 Meter bricht, zahlt 200 Euro.

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  • Verbotenes Picknicken oder Grillen kostet 250 Euro pro Teilnehmer.

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  • Wer trotz Verbots Sportveranstaltungen organisiert, zahlt 1000 Euro.

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  • Wer ein Restaurant weiterhin betreibt, muss 4000 Euro zahlen.

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  • Für das Betreiben einer Bar, Diskothek oder eines Fitnessstudios werden 5000 Euro fällig.

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  • Öffentliche Ansammlungen von mehr als zehn Menschen werden als Straftat angesehen und mit Geld- oder Freiheitsstrafen von bis zu fünf Jahren geahndet.

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  • Für die Teilnahme an einer nicht gestatteten Veranstaltung werden 400 Euro verhängt.

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Baumscheiper berichtet, dass sie zunächst schon besorgt war, als sie hörte, dass Vereine komplett schließen müssten. „Das wäre bei uns ja nicht gegangen.“ Mittlerweile gibt es einen Leitfaden für alle pferdehaltenden Betriebe mit Publikumsverkehr des Ministeriums für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen. Darin wird gefordert, den sportlichen Regelbetrieb in Reitschulen einzustellen.

Das haben nicht nur der RV Borghorst, sondern auch der Reiterverein Burgsteinfurt und der RV Steinfurt-Dumte umgesetzt. „Sollte ein Pferdebesitzer unter Quarantäne gestellt werden, sorgen wir dafür, dass das Pferd fachgerecht betreut wird“, berichtet die Vorsitzende des RV Borghorst. Auch die „arbeitslosen“ Schulponys würden bewegt, darum kümmere sich derzeit die Reitlehrerin.

Futterzeit

Beim RV Burgsteinfurt gilt die Anordnung, dass sich immer nur zwei bis drei Reiter in der Halle aufhalten und diese Abstand halten, erklärt der Vorsitzende Peter Marschalck . Der Clubraum ist verschlossen, alle Mitglieder sind angehalten, die Anlage nach der Versorgung ihrer Pferde wieder zu verlassen. Auch die Arbeitseinsätze seien weitestgehend abgesagt. „Einzelne Mitglieder machen nur Dinge, die unbedingt notwendig sind.“ Wenn die Pferde gefüttert werden, habe nur der Stallmeister Zutritt, andere Personen müssten draußen bleiben. Marschalck bittet die Reiter außerdem darum sich abzusprechen, damit nicht zu viele Personen gleichzeitig auf der Anlage sind. Das Turnier Ende Juli will der Verein schon jetzt absagen. „Selbst wenn sich die Lage bis dahin gebessert haben sollte, wollen wir in dieser für viele Unternehmen sehr schwierigen Lage diese nicht noch als Sponsoren um Geld bitten,“ sagt Marschalck.

Die Versorgung der Pferde muss gewährleistet sein, das intensive Training ist nicht nötig.

Engelbert Willermann

„Für alle Sportvereine wird das ein schwieriges Jahr“, ist Engelbert Willermann, Chef des Reitervereins Steinfurt- Dumte überzeugt. Auf der Anlage des Vereins müssen sich Reiter eintragen, wer wann reiten will, damit nie zu viele Personen gleichzeitig anwesend sind. „Die Versorgung der Pferde muss gewährleistet sein, das intensive Training ist nicht nötig“, betont er.

Turniere fallen aus

„Turniere finden vorläufig nicht statt, da geht es uns wie allen anderen Sportlern auch.“ Wie es weitergeht, vor allem auch mit dem Schulbetrieb, das weiß Willermann noch nicht. „Die Gesundheit der Menschen hat jetzt oberste Priorität. Dazu leisten wir einen Beitrag und halten und an die Regeln, die nötig sind.“

Beim integrativen Reitverein Pegasus haben die Pferde auch weniger zu tun. Sie werden nur von wenigen Personen betreut. „Das Reiten für Menschen mit Behinderungen haben wir abgesagt. Dafür benötigen wir zumeist mehrere Helfer gleichzeitig am Pferd, das ist in Zeiten wie diesen nicht möglich“, sagt Ute Kerstermann. Die Pferde seien gut versorgt, wann wieder normaler Betrieb stattfindet, sei offen.

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