FC Galaxy Steinfurt
E-Sport ist krisensicher

Burgsteinfurt -

In Zeiten der Corona-Krise erlebt der E-Sport deutlich Aufwind.Darüber freut sich Ali Pish Been, der dem FC Galaxy Steinfurt vorsteht, der sich in nur rund zwei Jahren einen ausgezeichneten Ruf in der Szene erworben hat. 123 der knapp 400 Vereinsmitglieder sind aktive Gamer. Darunter befinden sich auch vier Frauen. Das jüngste Mitglied ist 17 und das älteste 39 Jahre alt.

Sonntag, 26.04.2020, 16:03 Uhr aktualisiert: 27.04.2020, 08:56 Uhr
Ganz stark mit dem Controller: Nico Kühn wurde zum Spieler des Monats gewählt.
Ganz stark mit dem Controller: Nico Kühn wurde zum Spieler des Monats gewählt. Foto: Galaxy Steinfurt

In Corona-Zeiten als krisensicher kristallisiert sich der von vielen Traditionalisten belächelte E-Sport heraus. Während Fußballschuhe und Tennisschläger bereits seit Wochen in den Sporttaschen verschwunden sind, glühen die Play-Station-Controller heiß. „So groß wie momentan war das Interesse an uns noch nie“, betont Ali Pish Been .

Der 31-Jährige steht dem FC Galaxy Steinfurt vor, der sich innerhalb von nur rund zwei Jahren einen ausgezeichneten Ruf in der Szene gemacht hat. 123 der knapp 400 Vereinsmitglieder sind aktive Gamer. Damit ist der FCG, der in erster Linie Heimat eines Fußball-B-Ligisten ist, der Sportverein, der deutschlandweit über die wohl größte E-Sport-Abteilung verfügt. „Bei uns machen auch vier Frauen mit. Unser Durchschnittsalter liegt bei 25,9 Jahren. Der Älteste ist 39, der Jüngste 17“, listet Pish Been auf.

Dabei konzentrieren sich die Galaktischen auf lediglich ein Spiel: FIFA 2020 – die mit Abstand beliebteste Fußballsimulation. Andere Chartstürmer wie Counterstrike, League of Legends oder Call of Duty bleiben außen vor. „Diese sogenannten Ballerspiele haben bei uns nichts zu suchen. Das wäre mit unseren Werten nicht in Einklang zu bringen. Wir sind schließlich ein Fußballverein und kein Scharfschützenclub“, gibt es für Pish Been in dieser Hinsicht keine Kompromisse.

Der gebürtige Iraner ist nicht nur Vorsitzender des Gesamtvereins, sondern auch E-Sport-Abteilungsleiter und Spieler der ersten Mannschaft. Drei Teams haben die Kreisstädter in diversen E-Sport-Ligen am Start – eine vierte soll folgen.

In der NGL (National Gaming League) treten die „Galaktischen“ auf höchster Ebene unter anderem gegen die Vertretungen von Alemannia Aachen, Wacker Innsbruck, dem SV Babelsberg, Austria Wien oder dem FC St. Pauli an. Und das im sogenannten Pro-Club-Modus. Das heißt, es spielen immer Elf-gegen-Elf. Wie beim richtigen Fußball eben. Das Eins-gegen-Eins, das von den Profi-Gamern favorisiert wird, lehnt Pish Been entschieden ab: „Für mich ist das reine Daddelei und hat nichts mit Sport zu tun. Wir stehen für Strukturen, wie es sie es auch beim Fußball auf dem Feld gibt. Also mit Rechten und Pflichten, die für alle Teammitglieder verbindlich sind.“ Und die kommen aus dem ganzen Bundesgebiet sowie dem deutschsprachigem Ausland, wobei sich das Gros der „Computer-Kicker“ aus dem Kreisgebiet und aus Nordrhein-Westfalen rekrutiert.

Pish Been weiß, dass der Online-Kick für viele gerade eine Art Rettungsinsel ist. „Die Menschen sind doch gerade so etwas wie Corona-bekloppt. Viele verspüren Angst, haben kaum noch soziale Kontakte und treiben keinen Sport mehr. Unser Angebot mit Spielen und regelmäßigem Training ist in dieser für viele schwierigen Zeit eine Konstante. Das ist gerade sozusagen Gold wert“, weiß der Galaxy-Chef um die soziale Bedeutung des E-Sport. Kein Wunder also, dass das Interesse am Gaming weiter steigt.

Bei den Interessenten handelt es sich nicht nur um mögliche Neumitglieder. Nein, auch andere Vereine klopfen an die Galaxy-Tür. „Es gibt einige Clubs, die wissen wollen, wie wir das gemacht haben und wie wir aufgestellt sind. So weit es geht, unterstütze ich die“, leistet Pish Been gerne Aufbauarbeit. Unter anderem in Workshops oder bei Best-Practice-Veranstaltungen.

Für Pish Been ist das auch eine Art Bestätigung: „Es ist noch gar nicht so lange her, da sind wir belächeltet und kritisiert worden. Mittlerweile hat sich aber herumgesprochen, dass E-Sport seine Berechtigung hat.“ Nicht zuletzt in einer Zeit, in der der klassische Sport komplett von einem Virus niedergestreckt wurde.

 

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