Laura Stegemann bringt mit ihrem Vater die Weihnachtsbäume in Form
Die Königin mit der Zange

Borghorst -

In gut fünf Monaten beginnt die Adventszeit und damit die Vorfreude auf das Weihnachtsfest. Laura Stegemann hat diese Zeit das gesamte Jahr über im Blick. Die 22-Jährige ist amtierende deutsche Weihnachtsbaumkönigin (diese Zeitung berichtete ausführlich). Tagtäglich hat sie mit Tannen zu tun, die an Weihnachten viele Menschen erfreuen. Doch bis sie zu Weihnachtsbäumen werden können, ist es ein langer Weg. Mit ganz viel Pflege und individueller Fürsorge. Über Jahre hinweg.

Mittwoch, 10.06.2020, 16:58 Uhr aktualisiert: 12.06.2020, 12:10 Uhr
Laura Stegemann bringt mit ihrem Vater die Weihnachtsbäume in Form: Die Königin mit der Zange

Jeden einzelnen Baum nimmt Laura Stegmann auf dem elterlichen Betrieb nach und nach in den Blick. Die Königin trägt dabei jedoch weder Kleid noch Krone, sie bevorzugt bei diesem Wetter Sneaker, Shorts und Top. „Wir machen derzeit den Formschnitt bei den Tannen“, erklärt sie, während sie mit ihrem Vater Hermann-Josef Stegemann durch die Schonung geht. Im Frühjahr sind an die in der vergangenen Saison freigewordenen Stellen schon kleine Setzlinge mit einer Größe von 20 bis 30 Zentimetern gepflanzt worden. Familie Stegemann baut neben Nordmanntannen – dem Lieblings-Weihnachtsbaum der Deutschen – auch Rotfichten an. „Diese mögen einige Kunden lieber, weil sie so schön duften“, erklärt die Königin.

Egal ob Tanne oder Fichte, zum Verkauf muss der Baum möglichst perfekt aussehen. Dafür ist jede Menge Handarbeit nötig. An einigen Ästen knipst sie die äußeren jungen Triebe mit den Fingern ab. „Snippen“, heißt das in der Fachsprache. „An diesen Stellen werden die Äste nicht mehr weiterwachsen“, sagt Hermann-Josef Stegemann. „Wenn der Baum später geschlagen wird, ist von diesem kleinen Eingriff nichts mehr zu sehen“, ist der Vater der Weihnachtsbaumkönigin überzeugt. „Vorausgesetzt, es ist gut gemacht.“ Laura Stegemann schaut sich die Spitzen der Bäume genau an. Damit diese nicht zu lang in die Höhe schießen und der Baum eben auch oben nicht aus der Form gerät, kommt eine spezielle Zange zum Einsatz. Mithilfe dieses Werkzeugs unterbricht die junge Frau, die in Osnabrück Landwirtschaft und Betriebswirtschaftslehre studiert, leicht den Saftstrom in der Rinde. Außer ein paar kleinen Ringen am Stamm ist davon später ebenfalls kaum etwas zu erkennen.

Trotz der liebevollen und intensiven Pflege durch Vater und Tochter, wird nicht jede Tanne ein perfekter Weihnachtsbaum: „Jeder Baum wächst individuell und manchmal macht die Natur, was sie will“, sagt der Landwirt, auf dessen Hof schon seit über 60 Jahren Weihnachtsbäume angebaut werden. „Dass wir mit der Natur arbeiten, wird uns immer wieder vor Augen geführt. Genau das macht die Aufgabe spannend und interessant.“ Nicht jeder Baum werde perfekt, aber auch nicht jeder Kunde wolle den absolut perfekten Baum. „Manch einer passt mit kürzeren Ästen auf einer Seite zu Hause besser in die Wohnzimmerecke, und auch ein Baum mit zwei Spitzen kann durchaus seinen eigenen Charme haben“, betont Hermann-Josef Stegemann, und seine Tochter pflichtet ihm bei.

Auch sie selbst brauche zum Fest nicht immer den schönsten Baum. Die königlichen Repräsentationsaufgaben der Studentin, die seit dem vergangenen November für zwei Jahre das Amt übernommen hat, ruhen gerade aufgrund der Corona-Pandemie. Sonst hätte Ihre Majestät, die für den Bundesverband der Weihnachtsbaum- und Schnittgrünerzeuger als Repräsentantin fungiert, das gesamte Jahr über Auftritte gehabt. Nun hofft die junge Frau darauf, dass in der Adventszeit die Weihnachtsmärkte stattfinden und sie dann doch viel unterwegs sein kann. Bis dahin informiert sie auf ihrer Instagramseite „weihnachtsbaumkoenigin_laura“ darüber, wie Nordmanntannen und Rotfichten angebaut und gepflegt werden. Darüber hinaus schildert sie, welche Aufgaben in der Schonung auch mal in Gummistiefeln auf sie zukommen, bis im Herbst die schlagreifen Bäume ausgewählt und markiert werden. Viel Aufwand auch für eine Königin, damit die Pflanzen nach etwa acht bis zehn Jahren so groß und schön sind, dass sie endlich ein prachtvoller Weihnachtbaum werden dürfen.

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