Schützenfest in Corona-Zeiten: Vorstädter laden am nächsten Samstag zum ersten digitalen Vogelschießen ein
Schützenfamilie virtuell verbunden

Burgsteinfurt -

„Stay-at-Home“ bei den Sellen-Veltrupern, „Drive-in-Comedy“ bei den Prinzen – und jetzt das digitale Schützenfest der Vorstädter Schützen Burgsteinfurt. Die Steinfurter Schützen lassen sich so Einiges einfallen, um das Schützenvolk trotz Corona bei Laune zu halten. Mit der virtuellen Variante eines Vogelschießens, bei dem alle Mitglieder am Samstag in acht Tagen mitmachen können, stechen die Schützen vom Engelings Haar jedoch heraus.

Montag, 15.06.2020, 16:32 Uhr aktualisiert: 16.06.2020, 15:24 Uhr
Die Vorfreude wächst: Vogelbauer Andre Kolleger, Vorsitzender Helge Hinsenkamp, Oberst Marc Bürger, Michael Imming (2. Vorsitzender) und Ideengeber Ralf Imming (v.l.) sehen dem Ereignis mit Spannung entgegen.
Die Vorfreude wächst: Vogelbauer Andre Kolleger, Vorsitzender Helge Hinsenkamp, Oberst Marc Bürger, Michael Imming (2. Vorsitzender) und Ideengeber Ralf Imming (v.l.) sehen dem Ereignis mit Spannung entgegen. Foto: Ralph Schippers

Die Sellen-Veltruper Schützen belieferten ihre Mitglieder an Pfingsten bei ihrer „Stay-at-Home“-Aktion mit Grillfleisch und „flüssiger Nahrung“, und die Borghorster Prinzen-Schützen hatten Fronleichnam zur „Drive-In Comedy-Show“ auf den Heimannplatz eingeladen: Keine Frage, die Steinfurter Schützenvereine zeigen Kreativität, um die wegen der Corona-Pandemie abgesagten Vereinsfeste für ihre Anhänger ein wenig auszugleichen.

Den Vogel in Sachen Innovationsfähigkeit in der Virus-Krise schießen indes wohl die Vorstädter Schützen aus Burgsteinfurt ab – und das ist durchaus wörtlich zu nehmen: Die Schützen vom Engelings Haar bringen nämlich trotz aller Hemmnisse am 27. Juni (Samstag) ein reales Schützenfest an den Start. „Mit allem, was dazu gehört: Vom Antreten über die Kranzniederlegung bis zum Vogelschießen“, verspricht Vorsitzender Helge Hinsenkamp .

Um die Spannung nicht allzu groß werden zu lassen: Es handelt sich um eine digitale Form der beliebten Brauchtumsveranstaltung, an der sich alle Mitglieder beteiligen können. Die ziemlich einzigartige Idee geht auf Vorstandsmitglied Ralf Imming zurück. Die umfangreichen IT-Kenntnisse des professionellen Programmierers machen es möglich. Seine Idee: Videosequenzen eines zuvor im kleinen Rahmen gestellten Schießens (mit echtem Vogel!) werden so verknüpft, dass jeder Vorstädter, der sich angemeldet hat, einen virtuellen Schuss abgeben kann, der das virtuelle Federvieh stutzt. „Wie stark dies der Fall ist und wie viele Schüsse es benötigt, bis der Vogel fällt, ist dabei genauso vom Zufall abhängig, in welcher Folge die Anwärter an die Reihe kommen“, erklärt der 2. Vorsitzende das Prozedere. Als Plattform dient YouTube.

„Wir wollten auch in der momentanen schwierigen Situation etwas für den Zusammenhalt und den Gemeinsinn innerhalb der Schützengemeinde tun“, sagt Helge Hinsenkamp zum Hintergrund der Veranstaltung. Der Vorsitzende hofft wie der gesamte Vorstand darauf, dass am Schützenfestsamstag nicht nur möglichst viele Mitglieder schießen, sondern auch viele Freunde und Bekannte mit am Computer oder vor dem Tablet sitzen, um mitzufiebern. Dabei wird auch ein Live-Kommentar nicht fehlen, verspricht Andre Kolleger, der den Vogel gezimmert hat.

Sogar die Kreispolizeibehörde hat ihren Segen zu der Veranstaltung gegeben, berichtet Hinsenkamp. Wie es sich für ein Vogelschießen gehört, habe Oberst Marc Bürger eine „Schießgenehmigung“ beantragt, worüber die Beamten zunächst nicht schlecht gestaunt hätten. Dann aber sei das Okay recht schnell gekommen, „ein virtuelles Schießen“ ist ja auch recht risikolos, schmunzelt der Vorsitzende.

Der Vorstädter Vorstand hofft nun auf rege Teilnahme am Online-Schießen. Anmelden können sich die Schützen ab sofort online auf der extra eingerichteten Website oder direkt auf der Homepage des Vereins. Ausdrücklich auch die älteren Mitglieder sind aufgefordert mitzumachen. „Wer Hilfe benötigt, den nehmen wir gerne an die Hand“, verspricht Ralf Imming. „Wir denken schon, dass das Interesse groß ist. Wer kann sich schon erster Schützenfest-Online-König oder Königin Deutschlands nennen?“, fragt Hinsenkamp. Von sich reden machen die Vorstädter mit ihrer außergewöhnliche Idee schon jetzt – und, wenn man auf die zahlreichen Aktionen der vergangenen Jahre zurückblickt, einmal mehr.

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