Geteiltes Echo auf neue Absperrungen in der Burgsteinfurter Innenstadt
Poller sollen Raser stoppen

Burgsteinfurt -

Die neuen Poller in der Burgsteinfurter Innenstadt stoßen bei den Anliegern auf ein geteiltes Echo. Mit den Absperrungen haben die Ordnungsbehörden einen weiteren Versuch unternommen, Autofahrern, die in der Burgsteinfurter Innenstadt nichts zu suchen haben, einen Riegel vorzuschieben.

Dienstag, 30.06.2020, 18:00 Uhr aktualisiert: 06.07.2020, 15:46 Uhr
Sowohl die Poller, die die Steinstraße in Höhe des Alten Rathauses vom Markt trennen, als auch
Sowohl die Poller, die die Steinstraße in Höhe des Alten Rathauses vom Markt trennen, als auch Foto: Drunkenmölle

Die neuen Poller in der Burgsteinfurter Innenstadt stoßen bei den Anliegern auf ein geteiltes Echo. Mit den Absperrungen haben die Ordnungsbehörden einen weiteren Versuch unternommen, Autofahrern, die in der Burgsteinfurter Innenstadt nichts zu suchen haben, einen Riegel vorzuschieben. Befürworter und Gegner der Aktion haben sich mit Bürgermeisterin Claudia Bögel-Hoyer und dem Technischen Beigeordneten Hans Schröder am Montag im Rathaus getroffen, um die neue Situation zu erörtern. Schröder räumte gleich zu Beginn des Abends ein, dass es ein Versäumnis gewesen sei, dass die betroffenen Anwohner und Geschäftsleute nicht frühzeitig beteiligt worden sind. Dieser Entschuldigung schloss sich auch Bögel-Hoyer an: „Das ist ein Fehler gewesen.“ Rolf Diekmann ( CDU ), Vorsitzender des Wirtschaftsförderungsausschusses, merkte an: „Wenn man so etwas macht, dann muss man bitte auch alle mitnehmen.“

Zusätzliche Poller sind in der Steinstraße, Höhe Altes Rathaus, in der Rottstraße sowie dort, wo der Drepsenhoek in die Straße An der Stadtmauer übergeht, aufgestellt worden. Ziel sei es gewesen, die immer größer werdende Zahl an Rasern, Posern, Cruisern, Taxen und Pizza-Lieferdiensten aus der Altstadt zu verbannen, sagte Bögel-Hoyer. In dem Maß, wie die Verbotsschilder missachtet würden, seien die Gefahren für Fußgänger und Radfahrer gestiegen. Zusammen mit Ordnungsamt und Polizei sei man zu dem Schluss gekommen, dass diese Situation nicht länger geduldet werden könne. Die Stadt habe lediglich jetzt konsequent das durchgesetzt, wozu die Politik sie beauftragt habe. Wer etwas anderes wünsche, müsse die vorausgegangenen Beschlüsse wieder rückgängig machen, stellte Bögel-Hoyer klar.

Die Reaktionen im Bürgersaal reichten von völliger Zustimmung bis totaler Ablehnung. Auf der einen Seite wurden die Maßnahmen begrüßt, weil sie insbesondere dazu führten, wieder Ruhe in die Stadt zu bringen. Die Aufenthaltsqualität sei empfindlich durch Autofahrer gestört, von der Nachtruhe gar nicht zu reden, befürwortete Wolfgang Elfers die Absperrungen. Auf der anderen Seite kritisierte Monika Probst das Vorgehen der Stadt als Nacht- und Nebelaktion. Das Vorgehen sei aus Sicht der Geschäftsleute eine Fehlentscheidung gewesen. Kunden- und insbesondere der Lieferverkehr müssten durch die neuen Poller im ohnehin sehr beengtem Ortskern unnötige Umwege nehmen. Der größte Teil dieses Verkehrs werde durch die Neuregelung lediglich verlagert und nicht verringert. Statt weitere Poller zu verbauen, seien mehr Kontrollen und konsequentere Ahndung der Durchfahrtsverbote durch die Polizei vonnöten, forderte auch Gerd Flintermann.

Wenn weitere Poller überhaupt notwendig sind, sollen sie im Wippert und in der Steinstraße in Höhe der Elefanten-Apotheke platziert werden. Das schlug Oliver Tieck, Vorsitzender der Werbegemeinschaft, im Namen des Einzelhandels vor. Auf diese Weise könne der Lieferverkehr nahezu im Kreis durch die Stadt geführt werden. Ein weitere Idee war es, die Absperrung An der Stadtmauer hinter die Einmündung in die Brennereigasse zu versetzen. So sei der Wippert wieder besser erreichbar. Auch Einbahnstraßenregelungen wurden diskutiert.

Schröder warnte in diesem Zusammenhang vor Schnellschüssen. Stattdessen schlug er vor, verschiedene Szenarien am Computer zu simulieren. Auf der Basis dieser Anschauungsmodelle könne über das weitere Vorgehen beraten werden. Der Baudezernent verwies außerdem darauf, dass Politik und Verwaltung gerade dabei sind, ein „Integriertes städtebauliches Entwicklungskonzept“ (ISEK) zu erarbeiten. Unter anderem soll dabei auch die Infrastruktur auf den Prüfstand gestellt werden. ISEK erlaube es, die Situation nicht nur in Bezug auf die Verkehrsströme, sondern auch im Hinblick auf andere Aspekte, etwa Anwohner-, Einzelhandels- oder Stadtmarketinginteressen, zu betrachten. Zugleich will Schröder prüfen, ob sich kurzfristige Lösungen anbieten. Den Gesprächsteilnehmern sagte die Verwaltungsspitze zu, das Thema unmittelbar nach den Ferien weiter in den Fachausschüssen zu verfolgen.

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