Neuzugänge in Borghorst
Gar nicht so schlecht

Borghorst -

Also, soooooo schlecht, wie viele sagen, scheint der Borghorster Wochenmarkt nicht zu sein. Norbert Michael mit seinen Köstlichkeiten aus Wald und Garten hat gerade seine Präsenz verdoppelt, steht der Billerbecker jetzt mittwochs und samstags auf dem Roten Platz. Neuzugang Stefan Eberle freut sich an seinem Kaffee- und Kuchenstand mittlerweile über reichlich Stammkundschaft und macht zwischen Eisdiele und Buchladen mehr Umsatz als auf dem städtischen Vorzeigemarkt in Burgsteinfurt. Ja, und Hans Berger will es mit Omas Erbsensuppe und Base Liesbeths Reibekuchen auch mal versuchen.

Mittwoch, 22.07.2020, 18:12 Uhr
Norbert Michael hat sein Angebot an frischem Brot, Aufstrichen, Senf und Pesto stetig erweitert, er ist jetzt mittwochs und samstags auf dem Borghorster Wochenmarkt.
Norbert Michael hat sein Angebot an frischem Brot, Aufstrichen, Senf und Pesto stetig erweitert, er ist jetzt mittwochs und samstags auf dem Borghorster Wochenmarkt. Foto: Axel Roll

Und wie Marktmeisterin Vera Schubert weiß, stehen noch weitere Händler in den Startlöchern, um das Geschehen rund um den Krautwald-Brunnen zu beleben. Die neue Honig-Händlerin macht nur gerade kurz Pause, im Herbst soll ein holländischer Fischwagen die Angebotspalette erweitern.

„Ah, da kommen sie ja“, sieht Stefan Eberle Arbeit auf sich zukommen. „Die beiden älteren Damen sind immer hier“, freut sich der ehemalige Flugbegleiter, den die Corona-Krise an seine rollende „Café-Vielfalt“ gespült hat. Ein Cappuccino, ein Kaffee, zwei frischgebackene Waffeln, das Nachmittagsgeschäft lernt so langsam laufen. „Am besten geht mein ganz normaler Kaffee“, schätzt der Münsteraner die Steinfurter Kundschaft als nicht besonders experimentierfreudig ein.

Das kann Norbert Michael nur bestätigen. „Neugierde ist hier keine Tugend“, schmunzelt der Händler, der mit kalt gerührtem Senf in vier Geschmacksrichtungen, exklusiven Brotsorten wie Roggen mit Gerstentreber oder Pesto aus Berkelkresse beim Steinfurter Publikum punkten möchte. Sein Bestseller ist das Buchweizenkeimbrot. Michael ist jetzt ziemlich genau ein Jahr in Borghorst vertreten. In dieser Zeit hat sich die Menge dieser Brotsorte verdreifacht, die er hier verkauft.

Norbert Michael ist erst seit wenigen Wochen auch samstags in Borghorst am Start. Er hat aber schon herausbekommen, dass die Kundschaft am Wochenende eine komplett andere als die am Mittwoch ist. „Samstags sind die Menschen hier viel zielgerichteter. Die kommen und wissen genau, was sie kaufen wollen.“ Der Händler, der in direkter Nachbarschaft der Kolvenburg seine Heimat hat, kooperiert mittlerweile mit seinem Markt-Nachbarn Christian Dieckmann. Der Wilmsberger Obst- und Gemüseanbieter liefert frischen Kohl nach Billerbeck, aus dem Michael mit seiner Frau dann Sauerkraut zaubert – was im Augenblick allerdings ausverkauft ist. Erst in der kalten Jahreszeit wird neues angesetzt.

Hans Berger ist Küchenmeister mit jahrzehntelanger Erfahrung, auf dem Wochenmarkt aber streng genommen ein Greenhorn. Seine beiden Imbisswagen stehen nämlich sonst fast ausschließlich auf Stadtfesten. „Das letzte war hier der Weihnachtsmarkt“, sagt der Gastronom. Gourmetnacht, OT-Heim-Open-Air, Schweinemarkt, um nur die örtlichen Events zu nennen, alles weggebrochen. Klar, wegen der Corona-Beschränkungen. „Da mussten wir uns Gedanken machen“, beschreibt Berger den Schlag ins Kontor, den viele seiner Kollegen kennenlernen mussten.

Für Hans Berger besonders bitter: Er betreibt seit vielen Jahren mit seiner Frau das Flammkuchenhaus „Berger‘s Flammerie“ in Sellen, musste aber auch dort schließen. – und konnte noch nicht wieder öffnen. „Die wenigen Tische, die wir anbieten könnten, machen einen wirtschaftlichen Betrieb unmöglich“, bedauert der Küchenmeister. Darum jetzt der Gang auf die Wochenmärkte.

Das erste Mal stand Hans Berger noch mit seiner gewohnten Speisekarte auf dem Roten Platz. Burger und Hot Dogs. „Das lief aber gar nicht“, musste er sich schnell anpassen. Darum Erbsensuppe und Reibekuchen, flankiert von Bratwurst und Pommes. Das geht besser, Geld verdienen kann Berger damit aber immer noch nicht. So hofft er darauf, dass sich sein Imbiss mit münsterländischen Akzenten noch mehr herumspricht. Denn wie gesagt, soooo schlecht ist der Borghorster Wochenmarkt ja eigentlich gar nicht.

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