Ehrenamtlicher Internet-Ermittler
Angestellter stellt Frauen-Videos auf Porno-Plattform

Borghorst -

Ein Mitarbeiter eines Borghorster Handwerksbetriebes soll heimlich Videos von Frauen gefilmt und anschließend auf eine Porno-Plattform hochgeladen haben. Dr. Norbert Weinhold ist dem Mann auf die Spur gekommen hat und den Arbeitgeber über das Treiben seines Angestellten informiert.

Montag, 27.07.2020, 17:16 Uhr aktualisiert: 27.07.2020, 17:49 Uhr
Ehrenamtlicher Internet-Ermittler: Angestellter stellt Frauen-Videos auf Porno-Plattform
Das heimliche Fotografieren unter den Rock oder in den Ausschnitt ist künftig eine Straftat. Foto: Sebastian Gollnow/dpa

Weinhold ist Vorsitzender des Vereins „Wakeupinternet“, der sich vom Sitz in Willich aus für den Schutz von persönlichen Daten im Internet einsetzt.

„Uns geht es darum, die Menschen für solche Auswüchse zu sensibilisieren“, erläuterte der ehrenamtliche Ermittler, der eigenen Angaben zur Folge seit Bestehen des Vereins schon über 3000 Fälle von illegaler Verwendung personenbezogener Daten ans Licht der Öffentlichkeit gebracht hat.

Regelmäßige Recherchen

Dem Mann in Borghorst kam Norbert Weinhold durch seine regelmäßigen Recherchen in den Porno-Kanälen auf die Schliche. Dort gebe es Rubriken unter dem Namen „Versteckte Kamera“, unter denen Videos von Frauen veröffentlicht würden, die unbemerkt in der Öffentlichkeit abgefilmt wurden. So hatte der Angestellte eine Sequenz in einem örtlichen Drogeriemarkt aufgenommen, eine andere bei einem Arbeitseinsatz bei einer Kundin.

Strafbar hat sich der Mann nach Einschätzung von Norbert Weinhold nicht gemacht. Noch nicht. Die Gesetzesänderung, nach der dieses sogenannte „Upskirting“ , also das Fotografieren unter den Rock oder in den Ausschnitt, unter Strafe stellt, hat der Bundestag gerade verabschiedet und gilt ab Herbst, so Weinhold. Die Täter müssen dann mit Geld- oder Freiheitsstrafen bis zu zwei Jahren rechnen.

Der Vorsitzende des Vereins „Wakeupinternet“ geht davon aus, dass es inzwischen „in jedem Dorf“ solche Fälle gibt. Der Verein sehe sich einer Flut von Verletzungen der Persönlichkeitsrechte gegenüber. Weinhold: „Wir kommen da gar nicht mehr gegen an. Es wird immer schlimmer.“ Darum die Warnung an Frauen, im Alltag aufzupassen. „Die Opfer sind immer Frauen“, weiß der Vorsitzende. Seit Gründung des Vereins vor acht Jahren sei er noch nicht auf einen einzigen Mann gestoßen, der heimlich gefilmt worden sei.

Strafrechtliche Folgen mehr als unwahrscheinlich

Die Vereinsmitglieder erleben es bei ihren Recherchen auch immer wieder, das Bilder von Frauen auf Internetplattformen wie Facebook gestohlen, verfremdet und dann in pornografische Filme oder Bilder hineinkopiert werden.

Zu den Vereinszielen zählt, Eltern, Jugendliche und Kinder zum Thema „Social Media“ zu sensibilisieren. Darum ist Weinhold oft in Schulen, führt aber auch Seminare durch. Auf seiner Internetseite gibt der Verein außerdem Tipps, was Betroffene tun können.

Für die beiden Filme aus Borghorst sind strafrechtliche Folgen mehr als unwahrscheinlich. „Ein Account des Täters ist aber mittlerweile von der Porno-Plattform verschwunden“, weiß Norbert Weinhold.

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