Studentin der FH untersucht Akzeptanz von Kompressionsstrümpfen bei Krampfaderleiden
Unterschätztes Risiko

Steinfurt -

Etwa jede fünfte Frau und jeder sechste Mann ab 18 Jahren weist eine chronische Veneninsuffizienz auf und leidet unter Krampfadern, Besenreisern oder weiteren Venenveränderungen. Trotzdem sträuben sich viele gegen das Tragen von Kompressionsstrümpfen. Theresa Schmidt hat sich mit diesem Thema 2019 in ihrer Bachelorarbeit auseinandergesetzt und ist dafür mit dem Hochschulpreis 2020 der FH Münster und der Gesellschaft der Freunde der FH Münster e.V. (gdf) ausgezeichnet worden.

Mittwoch, 29.07.2020, 16:46 Uhr aktualisiert: 04.08.2020, 15:24 Uhr
Viele benötigen sie, aber nur wenige tragen sie auch: Kompressionsstrümpfe können Venenleiden merklich lindern. Für ihre Leistungen, sich mit diesem Thema auseinanderzusetzen, hat Theresa Schmidt den Hochschulpreis der FH Münster erhalten. Sie beeindruckte vor allem mit ihrer kritischen Herangehensweise und Recherchefähigkeit.
Viele benötigen sie, aber nur wenige tragen sie auch: Kompressionsstrümpfe können Venenleiden merklich lindern. Für ihre Leistungen, sich mit diesem Thema auseinanderzusetzen, hat Theresa Schmidt den Hochschulpreis der FH Münster erhalten. Sie beeindruckte vor allem mit ihrer kritischen Herangehensweise und Recherchefähigkeit. Foto: Marek Michalewicz

Die Urkunde hat sie mit der Post erhalten, denn die Feierstunde „Ausgezeichnet.“, bei der alle Preisträgerinnen und Preisträger geehrt werden, konnte nicht stattfinden.

Bereits während ihrer Ausbildung als Orthopädieschuhmacherin hat Schmidt beobachtet, dass viele Patienten Kompressionsstrümpfe zwar medizinisch verordnet bekommen, diese aber nur selten tragen oder gar nicht erst abholen. Studien zu dem Thema widersprechen jedoch: 75 Prozent aller Betroffenen trügen Kompressionsstrümpfe bereitwillig. „Das hat sich überhaupt nicht mit meinen Erfahrungen aus dem Berufsalltag gedeckt“, sagt Schmidt – und fand somit ein Thema für ihre Abschlussarbeit.

Die 23-Jährige führte eine empirische Studie durch, die die vorliegenden Ergebnisse kritisch hinterfragen sollte. „Um eine möglichst breite Gruppe zu erhalten, bin ich mit Stift und Papier losgezogen und habe mehr als 250 Personen im Alter von 18 bis 79 zu dem Thema befragt“, so Schmidt. Viele der Befragten gaben an, sich noch zu jung für Kompressionsstrümpfe zu fühlen und sich deshalb gar nicht erst ärztlich untersuchen zu lassen. Oder aber sie schätzten das Risiko einer ernsthaften Folgeerkrankung als sehr gering ein. Auch der Preis spiele eine Rolle, da nur zwei Paar Strümpfe pro Jahr von der Krankenkasse erstattet werden.

In ihrer Auswertung kam sie auf einen Wert von knapp 40 Prozent der Personen, die Kompressionsstrümpfe tatsächlich tragen und das Gesundheitsrisiko ernstnehmen. Wieso ihre Ergebnisse mit denen anderer Studien nicht übereinstimmen, erklärt Schmidt mit der Art der Befragung: „Viele der vorliegenden Studien sind über Jahre angelegt, wer daran also teilnimmt, steht dem Thema bereits offen gegenüber. Psychologisch betrachtet macht es zudem einen Unterschied, wer mich befragt: Ist es ein Arzt, dem ich nur ungern in medizinischer Hinsicht widerspreche, oder eine auf dem Feld neutrale Person?“

Wie man die Akzeptanz von Kompressionsstrümpfen erhöhen kann, dazu hat Schmidt in ihrer Arbeit Lösungsvorschläge erarbeitet: Die Beschaffung der medizinischen Strümpfe müsste mit weniger Aufwand verbunden und die Kosten geringer sein beziehungsweise mehr als nur zwei Paar von der Krankenkasse bezuschusst werden. Zudem spricht sich Schmidt in ihrer Arbeit für eine intensivere Aufklärung über mögliche Folgen von Veneninsuffizienz aus. Darüber hinaus fordert sie eine bessere Beratung in Sanitätshäusern und Apotheken auch über die Kassenleistungen hinaus, was etwa die Auswahl und Passgenauigkeit der Strümpfe betrifft.

Inzwischen studiert Schmidt das Masterprogramm Wirtschaftsingenieurwesen an der FH – und freut sich über die Auszeichnung mit dem Hochschulpreis. „Die kam zwar völlig überraschend, ist für mich aber eine schöne Würdigung meiner Arbeit.“ Stolz auf die Leistung ist auch Prof. Dr. Frank Striewe, der Schmidts Abschlussarbeit betreut hat: „Eine bestehende Studie kritisch zu hinterfragen und empirisch zu widerlegen, ist für eine Bachelorarbeit bemerkenswert. Zudem beeindruckten uns die methodische Vorgehensweise von Frau Schmidt sowie ihre intensive Recherche“, so der Steinfurter Hochschullehrer.

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