Forschergruppe legt Zwischenbericht zu Steinfurter Sozialraumanalyse vor
Gemeinschaft schaffen

Steinfurt -

Als einen aufschlussreichen Beitrag, Strukturen und Zusammenleben innerhalb eines Steinfurter Stadtteils zu erkennen und zu verstehen, hat der Ausschuss für Soziales, Jugend, Familie und Gesundheit die ersten Ergebnisse der Sozialraumanalyse bewertet.

Donnerstag, 27.08.2020, 17:26 Uhr aktualisiert: 28.08.2020, 16:06 Uhr

Als einen aufschlussreichen Beitrag, Strukturen und Zusammenleben innerhalb eines Steinfurter Stadtteils zu erkennen und zu verstehen, hat der Ausschuss für Soziales, Jugend, Familie und Gesundheit die ersten Ergebnisse der Sozialraumanalyse bewertet. Sie wird von der Saxion-Hochschule Enschede seit Herbst vergangenen Jahres im Siedlungsbereich Straßburger Straße/Anne-Frank-Ring betrieben. Die beteiligten Gesellschaftswissenschaftler Dr. Ines Schell-Kiehl , Dr. Peter Gramberg und Dipl.-Soziologe Alexander Klein legten den Politikern in ihrer Sitzung am Mittwochabend im Steinfurter Rathaus einen Zwischenbericht zu dem Projekt „Wohnen und Wohlbefinden im Quartier“ vor. Bereits 2018, nachdem die Flüchtlingswelle abgeebbt war, hatte es Bestrebungen – unter anderem von der Lenkungsgruppe Integration und der Caritas – gegeben, zugewanderte Mitbürger besser in die Gesellschaft zu integrieren und alteingesessene Steinfurter für ein besseres Miteinander zu gewinnen. Besorgnis war insbesondere deshalb entstanden, weil die AfD bei der letzten Bundestagswahl in sogenannten Problem-Vierteln besonders starken Zulauf hatte. So sollte nach Möglichkeiten gesucht werden, wie Nachbarschaft und Gemeinsinn gestärkt und den Menschen ihre Ängste und Sorgen genommen werden können.

Gramberg bat um Verständnis, dass die Corona-Krise den Forscherdrang der Gruppe und der beteiligten Studierenden stark beeinträchtigt hat. Das ursprüngliche Konzept der Untersuchungen musst wiederholt angepasst werden. Bedauert wurde insbesondere, dass ein ursprünglich für Juni geplantes Bar-Camp (Zukunftswerkstatt) abgesagt werden musste. Stattgefunden hat unterdessen ein Workshop mit Entscheidungsträgern und Forschenden. Auch eine mit großen Aufwand betriebene Fragebogenaktion ist abgeschlossen. 246 Personen, das sind zehn Prozent der Quartier-Bewohner, haben sich beteiligt. Das sei ein guter Rücklauf gewesen.

An der Auswertung wird noch gearbeitet. Erkennen lässt sich jedoch, so erläuterten die Experten, dass das Nachbarschaftsgefühl teilweise sehr unterschiedlich erlebt wird. Deutlich sei geworden, dass es bei der Selbstwahrnehmung innerhalb des Quartiers Unterschiede gibt. Unterschiedlich wird auch die Infrastruktur beurteilt.

Während die Bereitschaft unter den Befragten relativ groß gewesen sei, etwas für das Zusammenleben innerhalb des Quartiers zu unternehmen, sei die Gruppe der Jugendlichen für vergleichbare Fragen nur schwer erreichbar gewesen. Schwierig sei es zudem gewesen, einen Zugang zu Schlüssel- oder Kontaktpersonen zu bekommen. Kritisiert wurde unter anderem, dass es an Begegnungsstätten wie Restaurants oder Cafés fehlt. Schlechte Noten gab es auch für den Anschluss an den öffentlichen Nahverkehr.

Schell-Kiehl, Gramberg und Klein kündigten an, dass auf der Grundlage der gesammelten Informationen und eines Vergleichs mit einem anderen Quartier bis zum Projektende Handlungsempfehlungen erarbeitet werden sollen. Sie sollen aufzeigen, wo und wie Verwaltung und Politik ansetzen können, einem weitgehend namenlosen Quartier einen Impuls zu geben, der neue Identität stiftet und das Zusammenhörigkeitsgefühlt stärkt. Kurzfristige Aktionen könnten beispielsweise Feste, interkulturelle Treffen, die gemeinsame Anlage von Grünflächen oder Sportwettkämpfe sein. Längerfristig seien mobile oder auch feste Anlaufstellen vorstellbar, die Begegnungen ermöglichen. Kommunikation und Teilhabe müssten so verbessert werden, dass sich die Bewohner wohl- und nicht alleingelassen fühlen.

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