Ergebnisse des biregio-Gutachtens zur lokalen Schulentwicklung im Schulausschuss vorgestellt
Information sollen jetzt Taten folgen

Steinfurt -

Mit auf einen Parforceritt nahm

Mittwoch, 02.09.2020, 14:06 Uhr aktualisiert: 03.09.2020, 16:28 Uhr
Zahlen und Fakten, auf denen Politik und Verwaltung aufbauen können: Das biregio-Gutachten (kl. Bild mit der Kurzfassung) gibt zahlreiche Hinweise für eine künftige Schulentwicklung in der Kreisstadt.
Zahlen und Fakten, auf denen Politik und Verwaltung aufbauen können: Das biregio-Gutachten (kl. Bild mit der Kurzfassung) gibt zahlreiche Hinweise für eine künftige Schulentwicklung in der Kreisstadt. Foto: imago images/wolterfoto

Mit auf einen Parforceritt nahm Wolf Krämer-Mandeau am Dienstagabend die Mitglieder des Ausschusses für Schule, Kultur und Sport in der Mensa des Gymnasiums Borghorst. Der Gutachter von der Bonner „Projektgruppe Bildung und Region“ (biregio) stellte den Politikern die wesentlichen, auf einer Schüler- und Elternbefragung sowie weiteren Recherchen beruhenden Fakten eines Schulentwicklungsplans für die Kreisstadt der kommenden Jahre vor. Es handelte sich dabei um eine reine Information. Wie mit den gemachten Vorschlägen umzugehen ist, soll in der neuen Legislaturperiode mit Verwaltung und Schulleitungen abgestimmt werden.

Die Ausführungen des von der Verwaltung beauftragten Schulexperten, seine Dienstleistung schlägt mit knapp 25 000 Euro im Haushalt zu Buche, waren mit Spannung erwartet worden. Nachdem am gleichen Tag zuvor bereits die Schulleitungen informiert worden waren, folgte am Abend der Vortrag in öffentlicher Sitzung. „Der Schulentwicklungsplan hat für uns eine hohe Priorität“, hatte Ausschussvorsitzender Günther Gromotka eingangs deutlich gemacht. Maßgeblich bei der Umsetzung sei eine größtmögliche Transparenz in der Frage, was wann und wo an Maßnahmen erfolgt.

Unterteilt nach Grund- und weiterführenden Schulen stellte Krämer-Mandeau zu erwartende Schülerzahlen vor und leitete daraus mögliche Maßnahmen wie zum Beispiel Raumerweiterungen oder die Zusammenführung von Schulstandorten ab. Demnach seien aufgrund der Geburtenentwicklung und der Zuzüge bei den Grundschulen in den kommenden Jahren bis 2026 steigende Schülerzahlen zu erwarten, in Borghorst nochmals deutlich höher als in Burgsteinfurt. Insgesamt wird prognostiziert, dass sich die Grundschülerzahl bis 2035 stadtweit bei rund 1470 hält (aktuell: 1260).

„Sie können darauf nicht mit Flickschusterei antworten“, redete der Schulexperte Klartext im Hinblick auf womöglich angedachte Containerlösungen und die zunehmen Elternnachfrage nach Ganztagsangeboten, die 2025 zur Pflicht werden. Bauliche Maßnahmen seien aber auch deshalb angesagt, weil die Klassenstärken angesichts des relativ hohen Anteils von Kindern mit Inklusions- und Migrationshintergrund vielfach zu hoch angesetzt seien.

Auch zu einzelnen Grundschulstandorten äußerte sich der Gutachter: So warf er etwa beim Burgsteinfurter Grundschulverbund den Vorschlag in den Raum, die Graf-Ludwig-Schule vierzügig auszubauen und die Willibrordschule in eine Kindertagesstätte umzuwandeln.

Was die weiterführenden Schulen anbelangt, prognostiziert der Schul-Experte differente Entwicklungen. Nach dem Auslaufen der Nikomedesschule und dem damit verbundenen Rückgang wird für die Hauptschule am Bagno in dem kommenden Jahren eine leicht steigende Schülerzahl auf im Mittel 388 erwartet (aktuell 370). Die offensichtliche Beliebtheit dieser Schulform sei ein besonderes Merkmal des Schulstandortes Steinfurt, die konträr zur Entwicklung im Land stehe.

Bei den beiden Realschulen sieht Krämer-Mandeau ebenfalls ein leichtes Plus – in Borghorst stärker als in Burgsteinfurt. Dies allerdings sei abhängig von der Entwicklung und Neugründung von Sekundar-, vor allem aber deren „großen Schwester“ Gesamtschule in der Umgebung.

Bei den Gymnasien, die in den vergangenen Schuljahren kräftig Federn bei den Schülerzahlen lassen mussten, sieht der Gutachter eine Trendwende in den Eingangsklassen in der nahen Zukunft. „Die kommt aber nicht einfach so, sie muss durch harte pädagogische Arbeit begleitet und entsprechend kommuniziert werden“, stellte er klar.

Was den konkreten Raumbedarf anbelangt, hat biregio ein Defizit im Grundschulbereich von 25 Räumen ermittelt. Es wird empfohlen, sich bei der Beseitigung externen Rat einzuholen. Bei den weiterführenden Schulen stellt sich dieses Problem nicht.

Dass der Zuspruch zu den Gymnasien in den kommenden Jahren – analog zum Landestrend – wieder anziehen und eine bis dato zu beobachtende „gewisse Grundscheu“ (O-Ton Krämer-Mandeau) abgelegt werden könnte, zeigen die Ergebnisse einer Befragung der Eltern aktueller Grundschüler, die biregio im Rahmen des Gutachtens durchgeführt hat. Fast 38 Prozent würden demnach ihr Kind gerne an dieser Schulform anmelden, dicht gefolgt von der Realschule mit gut 36 Prozent. Die Gesamtschule spielt mit knapp sieben Prozent bereits eine deutlich größere Rolle als die Hauptschule mit rund 2,5 Prozent. „Die Frage der Einrichtung einer Gesamtschule stellt sich derzeit für sie aber nicht – noch nicht“, so der Gutachter. Krämer-Mandeau regte an, auch über eine Konzentration der gymnasialen Standorte nachzudenken, wobei er auch den Lernstandort Horstmar mit einbezog.

Was den Ausbau der Ganztagsangebote sowohl in den Grund- als auch den weiterführenden Schulen in Steinfurt anbelangt, so wünscht ein Großteil der befragten Eltern deren Ausbau. Krämer-Mandeau: „Nur noch rund ein Viertel der Eltern gibt sich mit der herkömmlichen Halbtagsschule zufrieden, sie sollten sehr zügig auf dieses Signal reagieren.“

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