„Steinfurter Klimadialog“ an der Hollicher Mühle
„Absolut bemerkenswert“

Steinfurt -

Mit einer ganzen Reihe durchaus konkreter Vorschläge, wie mehr Klimaschutz sowohl im privaten als auch öffentlichen Leben die Energiewende vor Ort schaffen kann, ist am Dienstagabend der „Steinfurter Klimadialog“ zu Ende gegangen. Die Steinfurter Grünen hatten dieses Diskussionsforum angestoßen. Knapp 30 Bürger waren der Einladung gefolgt, vor der Hollicher Mühle miteinander ins Gespräch zu kommen.

Mittwoch, 02.09.2020, 17:04 Uhr
Beim „Steinfurter Klimadialog“ an der Hollicher Mühle diskutierte das Publikum am Dienstagabend mit (kl. Bild, v.l.) Jan-Niclas Gesenhues, Hermann Lindhof, Uli Ahlke, Luis Bogba, Malte Saatjohann und Heinz-Bernhard Bödding über Klimaschutz vor Ort.
Beim „Steinfurter Klimadialog“ an der Hollicher Mühle diskutierte das Publikum am Dienstagabend mit (kl. Bild, v.l.) Jan-Niclas Gesenhues, Hermann Lindhof, Uli Ahlke, Luis Bogba, Malte Saatjohann und Heinz-Bernhard Bödding über Klimaschutz vor Ort. Foto: Drunkenmölle

Mit einer ganzen Reihe durchaus konkreter Vorschläge, wie sich die Energiewende mit sowohl im privaten als auch öffentlichen Leben praktiziertem Klimaschutz erreichen lässt, ist am Dienstag der „Steinfurter Klimadialog“ zu Ende gegangen. Die Grünen hatten dieses Diskussionsforum angestoßen. Knapp 30 Bürger waren der Einladung gefolgt, vor der Hollicher Mühle miteinander ins Gespräch zu kommen.

In der von OV-Sprecher Heinz-Bernhard Bödding eröffneten und von Ratskandidat Malte Saatjohann moderierten Runde machte Uli Ahlke , Vorsitzender des Vereins „Wie wollen wir leben?“, deutlich, wie gut Steinfurt bereits beim Klimaschutz aufgestellt ist. Allein die Windkraftanlagen in Hollich und Sellen produzieren mehr als das Eineinhalbfache dessen, was die Steinfurter Haushalte an Strom verbrauchen. „Wenn es um Klimaschutz geht, ist Steinfurt die führende Stadt im ganzen Münsterland“, zeigte Ahlke auf. Die Betreiberkonzepte seien auch deshalb so erfolgreich, weil durch eine breite Bürgerbeteiligung eine große öffentliche Akzeptanz für alternative Energieproduktion erzielt worden sei. „Was hier entstanden ist, das ist absolut bemerkenswert“, sagte Ahlke. Er bedauerte, dass die Stadt diese Entwicklung nicht offensiver für ihr Marketing nutzt.

Dr. Jan-Niclas Gesenhues, Sprecher der Grünen Kreistagsfraktion, stimmte mit Ahlke überein, dass es größere Anstrengungen bedarf, das vom Kreis Steinfurt verfolgte Ziel zu erreichen, im Jahr 2050 energieautark zu werden. Noch ambitionierter ist die von den Grünen unterstützte Landratskandidatin Birgit Neyer. Sie möchte bereits 2030 soweit sein, dass in der Region mehr Energie erzeugt als verbraucht wird. „Wir befinden uns bereits in einer massiven ökologischen Krise“, zeigte Gesenhues an den Beispielen Waldsterben und Dürre auf, wie der Klimawandel die Region bereits verändert hat. Der Grünen-Politiker forderte dazu auf, nicht nur global zu denken, sondern auch lokal zu handeln: „Wir müssen strukturelle Rahmenbedingungen schaffen. Bund, Land, Kreis und Kommunen müssen dazu ihre Hausaufgaben machen“, appellierte Gesenhues an die beteiligten Akteure, „über den Tellerrand hinaus zu denken“. Es seien bereits gute Erfolge im Kreis Steinfurt erzielt worden. Gleichwohl, kritisierte Gesenhues, hänge die Region in vielen Bereichen hinterher. Bedeutend sei es in diesem Zusammenhang unter anderem, neue Verkehrs- und Mobilitätskonzepte zu erarbeiten, die Potenziale für Solarenergie besser auszuschöpfen oder biologischen Klimaschutz zu betreiben und Moore, Wälder und Feuchtwiesen als „Verbündete“ zu gewinnen.

Hermann Lindhof, Vorstandsmitglied der Bürgerenergie-Genossenschaft Steinfurt (BEGSt), hob noch einmal darauf ab, wie wichtig es ist, die Bürger in die Klima-Diskussion einzubeziehen und sie an Entscheidungen zu beteiligen. Die BEGSt habe es mit ihrer Beteiligung an den Stadtwerken Steinfurt geschafft, Bürgern Mitbestimmung zu ermöglichen und damit auch dazu beizutragen, Wertschöpfung vor Ort zu generieren. Lindhof: „Wenn wir alle gemeinsam an einem Strang ziehen, sind wir sicherlich stark genug, die richtigen Weichen zu stellen.“

Sowohl Luis Bogba von der Grünen Jugend als auch Uli Fischer vom Kreissportbund setzten sich darüber hinaus dafür ein, die Bedeutung des Klimaschutzes noch stärker bei der Erziehung und Bildung von Kindern und Jugendlichen zu berücksichtigen. Das Bewusstsein dafür werde gerade schon in Kindergärten und Grundschulen geschaffen.

Car-Sharing, Verbesserung des ÖPNV, Digitalisierung, eine Städtebauentwicklung und -politik, die sowohl den demografischen Wandel als auch neue Möglichkeiten, der Energieversorgung und -einsparung berücksichtigt wurden am Ende des Abends im Hinblick darauf diskutiert, wie sich städtisches Leben und kommunale Daseinsvorsorge in Zukunft gestalten lassen. Der „Steinfurter Klimadialog“ soll fortgesetzt werden.

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