Grüne sind großer Gewinner, SPD bricht ein
Ganz klare Sache für Bögel-Hoyer

Steinfurt -

Claudia Bögel-Hoyer bleibt weitere fünf Jahre Bürgermeisterin der Stadt Steinfurt. Die 58-Jährige hat am Sonntag ein deutliches Ergebnis erzielt. 61 Prozent der Wahlberechtigten haben hinter dem Namen der Amtsinhaberin ein Kreuzchen gesetzt. CDU-Herausforderer Norbert Kerkhoff war mit gut 24 Prozent chancenlos. SPD-Kandidat Frank Müller landete mit knapp 15 Prozent abgeschlagen auf Rang 3.

Bei den Ratswahlen hat die CDU mit 36 Prozent leichte Verluste, Bündnis 90/Die Grünen die größten Gewinne erzielt. Die SPD muss einen herben Einbruch verkraften.

Sonntag, 13.09.2020, 22:28 Uhr aktualisiert: 14.09.2020, 15:53 Uhr

Claudia Bögel-Hoyer bleibt weitere fünf Jahre Bürgermeisterin der Stadt Steinfurt. Die 58-Jährige hat am Sonntag ein deutliches Ergebnis erzielt. 61 Prozent der Wahlberechtigten haben hinter dem Namen der Amtsinhaberin ein Kreuzchen gesetzt. CDU-Herausforderer Norbert Kerkhoff war mit gut 24 Prozent chancenlos. SPD-Kandidat Frank Müller landete mit knapp 15 Prozent abgeschlagen auf Rang 3.

Bei den Ratswahlen hat die CDU mit 36 Prozent leichte Verluste, Bündnis 90/Die Grünen die größten Gewinne erzielt. Die SPD muss einen herben Einbruch verkraften.

Ein Durchmarsch von Bögel-Hoyer zeichnete sich bereits nach der Hälfte der ausgezählten 20 Wahlbezirke ab. „Ich habe gehofft, dass es klappt“, war Bögel-Hoyer glücklich und dankbar, dass ihr so viele Steinfurter das Vertrauen für eine zweite Amtszeit geschenkt und sie so viel Unterstützung von der FDP, den Grünen, der GAL und der FWS erhalten habe. Bögel-Hoyer gestand ein: „Der Wahlkampf war aufreibend. Ich bin jetzt ziemlich kaputt.“ Eine große Feier war nicht geplant. Ein Gläschen Sekt mit Ehemann Ulrich, Sohn Matthias und Schwiegertochter Julika (extra aus Berlin angereist) war dann aber doch noch drin.

„Das sieht gar nicht gut aus“, ahnte CDU-Ratskandidat Rolf Posingies bereits frühzeitig, dass Norbert Kerkhoff sein Ziel, eine Stichwahl zu erreichen, nicht schaffen wird. Kerkhoff nahm die Niederlage mit Fassung: „Ich werde mit der CDU weitermachen, so wie man das von uns kennt. Montagmorgen geht wieder der Wecker und ich zur Arbeit.“

Für große Verwunderung im Rathaus hatte gesorgt, dass der ursprünglich für fünf Sozialdemokraten reservierte Stehtisch den ganzen Abend verwaist war. Frank Müller und Genossen zogen es vor, den Wahlausgang in ihrem Parteibüro zu verfolgen. Als die Wahl gelaufen war, kam Müller dann doch noch in den Bürgersaal. „Ich gratuliere Claudia Bögel-Hoyer zur Wahl. Ich hatte mir ein besseres Ergebnis erhofft. Meine persönliche Gemütslage ist gut, die großen Verluste der SPD schmerzen allerdings sehr.“

Viele Gewinner und ein Verlierer – das indes ziemlich drastisch. So lässt sich das Ergebnis der Ratswahl auf einen kurzen Nenner bringen. Das Minus von rund 6,5 Prozent bedeutet für die Sozialdemokraten ein „zurück auf Start“: Der Gewinn, den sie bei der Kommunalwahl 2014 hinzuerlangt hatten, ist komplett wieder abgeschmolzen. Wenig tröstlich dürfte es sein, dass die SPD auch kreisweit kaum mehr punkten konnte, der negative Bundestrend schlug klar durch.

Mit etwas mehr als 36 Prozent der Stimmen bleibt die CDU zwar klar stärkste Partei. Die Union musste im Vergleich zur Wahl vor fünf Jahren aber ein leichtes Minus von rund 1,5 Prozentpunkten hinnehmen. In der Sitzverteilung schlägt sich dies deutlicher nieder: Statt 17 verfügen die Christdemokraten nur noch über 14 Ratsmandate. Stadtverbandsvorsitzender Jan Röschenkämper zeigte sich mit dem Ergebnis der Ratswahl dennoch gut zufrieden: „Wir haben sämtliche 19 Wahlkreise gewonnen, das ist eine Verbesserung gegenüber 2014.“ Das Wahlprogramm, bei dem vor allem auch seitens der jüngeren Vorstandsmitglieder ein Schwerpunkt auf zukunftsweisende Themen wie Mobilität, Klimaschutz und Stadtentwicklung gesetzt wurde, sei offenbar gut angekommen beim Wähler.

Zur offensichtlich großen Diskrepanz zwischen Rats- und Bürgermeisterwahl sagte Röschenkämper: „Es ist schwer, gegen eine Amtsinhaberin, zudem mit viel Vorschusslorbeeren bedacht, zu bestehen.“ Man habe das Minimalziel einer Stichwahl klar verfehlt.

„Wir hatten schon viel positive Resonanz im Wahlkampf“, kommentierte ein euphorischer Fraktionssprecher Ludger Kannen das Endergebnis der Grünen. „Aber dass wir uns einmal ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit den SPD liefern würden, damit hatte ich nicht gerechnet.“ Die 19,3 Prozent, die am Ende zu Buche standen, bedeuteten nicht nur fast eine Verdoppelung des Ergebnisses von 2014, sondern machen die Grünen auch zur zweitstärksten Kraft im Kommunalparlament. Das Ergebnis sei „ein großer Auftrag, dem wir jetzt gerecht werden wollen“, so Kannen abschließend.

Hochzufrieden, wenngleich mit einem Zuwachs von rund 1,3 Prozent bei weitem nicht so stark im Plus wie die Bündnisgrünen, zeigte sich Sprecher Christian Franke mit dem Abschneiden der GAL. In einzelnen Wahlkreisen habe man die Zehn-Prozent-Marke deutlich überschritten. „Das gibt uns Schub für die wichtigen politischen Weichenstellungen, die anstehen“, hob Franke auf Themen wie Klimaschutz und Verkehrswende ab.

Um rund zwei Prozent gegenüber 2014 zulegen konnten die Freien Demokraten. Stadtverbandsvorsitzende Kira Jörg zeigte sich dennoch etwas enttäuscht. „Wir hätten ob des sehr engagierten Wahlkampfes mit vielen persönlichen Gesprächen gerne die Zehn-Prozent-Marke geknackt“, sagte sie. „Ich freue mich sehr für Claudia, sie hat in den vergangenen Jahren großen Einsatz für die Menschen in Steinfurt gezeigt und ist verdient wiedergewählt worden“, kommentierte die FDP-Frau die Bürgermeisterwahl.

Ähnlich verhält es sich mit den Freien Wählern. Fraktionschef Dr. Reinhold Dankel kommentierte die neun Prozent, die am Ende ein minimales Minus von 0,4 Prozentpunkten gegenüber 2014 bedeuten, mit dem Satz: „Wir hatten uns mehr erhofft, aber wir müssen damit zufrieden sein.“

Die Wahlbeteiligung lag gestern bei knapp 57 Prozent und damit deutlich über dem Wert von vor sechs Jahren.

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