Bistum ermittelt weiter
Staatsanwaltschaft stellt Ermittlungsverfahren gegen Pfarrer ein

Steinfurt/Münster -

Die Anschuldigungen gegen den ehemaligen leitenden Pfarrer aus St. Nikomedes, er habe einen Priester im Dezember 2017 sexuell bedrängt, sind zwar vom Tisch der Staatsanwaltschaft. Ob der Betroffene allerdings beruflich vollständig rehabilitiert wird, ist fraglich. Das Bistum hat nämlich Hinweise vorliegen, „die eindeutig den Präventionsvorgaben des Bistums widersprechen“, wie Peter Frings als Interventionsbeauftragter in einer Pressemitteilung des Bistums zitiert wird.

Mittwoch, 30.09.2020, 16:04 Uhr aktualisiert: 30.09.2020, 16:45 Uhr
Bistum ermittelt weiter: Staatsanwaltschaft stellt Ermittlungsverfahren gegen Pfarrer ein
St. Nikomedes in Steinfurt-Borghorst: Die Staatsanwaltschaft Münster hat das Verfahren gegen einen früheren leitenden Pfarrer eingestellt. Foto: Axel Roll

Wie Oberstaatsanwalt Martin Botzenhardt von der münsterischen Staatsanwaltschaft auf Anfrage bestätigte, hat seine Behörde das Ermittlungsverfahren gegen den Pfarrer in der vergangenen Woche eingestellt. „Es ist kein hinreichender Tatverdacht vorhanden“, so Botzenhardt auf Anfrage. Für den Beschuldigten sei nicht erkennbar gewesen, dass etwas gegen den Willen des Anzeigenerstatters geschehen sei. Außerdem sei der Strafantrag nicht fristgerecht gestellt worden. Selbst wenn alle Angaben des mutmaßlichen Opfers richtig gewesen wären, hätte sich kein Rechtsverstoß ergeben. Rechtsanwalt Ingo Minoggio , der den ehemaligen Beschuldigten vertritt, zeigte sich von der Einstellung wenig überrascht. „Selbst wenn alle Fakten in der Anzeige stimmen würden, wäre das immer noch nicht strafbar“, schloss er sich der Einschätzung der Staatsanwälte t an.

Bistum sieht „Vorkommnisse, die geklärt werden müssen“

Über die Einstellung des Ermittlungsverfahrens ist das Bistum Münster am Mittwoch informiert worden. „Strafrechtlich gilt somit die Unschuldsvermutung“, so der Interventionsbeauftragte Peter Frings . Allerdings lägen ihm inzwischen Hinweise vor, „die für das Bistum im Zusammenhang mit einem möglichen künftigen Einsatz des Priesters von Relevanz sind“. Nach Darstellung des Interventionsbeauftragten geht es um Vorwürfe und Beobachtungen, die eindeutig den Präventionsvorgaben des Bistums widersprechen. Diese Angaben würden in nächster Zeit mit dem Priester besprochen. „Auch wenn es nicht um strafrechtlich relevante Sachverhalte geht, sind es Vorkommnisse, die geklärt werden müssen“, so Peter Frings. Eine entsprechende kirchenrechtliche Voruntersuchung sei eingeleitet worden.

Der ehemalige leitende Pfarrer in Steinfurt hat sich inzwischen mit einer Whats­app-Nachricht, die auch der Redaktion vorliegt, an seine Freunde gewandt. Darin bedankt er sich „für all eure Unterstützung in den vergangenen zwei Monaten, ohne die ich nicht so gut durchgekommen wäre“. So könnten sie mit ihm aufatmen, „dass sich das Recht durchgesetzt hat“. Viele, die mit Dreck geworfen hätten, ständen jetzt selbst entblößt da. Er bezeichnet die Einstellung des Verfahrens als „Freispruch 1. Klasse“.

Pfarrer wirft Bistum "einseitige Parteiergreifung" vor

In seiner Textnachricht spart der Pfarrer nicht mit Vorwürfen gegen das Bistum. Es stehe zu Recht in der deutlichen Kritik. Ob jemals eine Rehabilitation erfolgen werde, sei offen. Und auch die könne nur einen Teil des zerstörten Rufes wiederherstellen. Und auch für seinen Anwalt Ingo Minoggio ist die Sache noch lange nicht erledigt. Er bezichtigt den Interventionsbeauftragten des Bistum, Peter Frings, der einseitigen Parteiergreifung. Er habe bislang noch nie mit seinem Mandanten gesprochen. Minoggio bezieht sich auch auf ein in dieser Zeitung abgedrucktes Interview mit Frings. Darin hatte er unter anderem gesagt: „Ich glaube dem Opfer.“ In dem Pressegespräch hatte der Interventionsbeauftragte außerdem zugegeben, dass er den Orden, bei dem sich der damals Beschuldigte erfolgreich um eine neue Stelle beworben hatte, über das laufende Ermittlungsverfahren informiert hatte. Ingo Minaggio wörtlich: „Das wird noch alles aufgearbeitet werden müssen.“

Der heute 44-jährige Priester, der den ehemaligen leitenden Pfarrer beschuldigt hatte, war Anfang August mit Schreiben an die Gemeindeleitungen in Steinfurt und Recklinghausen an die Öffentlichkeit gegangen. Kurz zuvor hatte er Anzeige erstattet.

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