Bilanz des Klimaschutz-Wettbewerbs fällt überaus positiv aus
Stadtradeln auf der Überholspur

Steinfurt -

Ein großes Ausrufezeichen hat die die Kreisstadt beim Stadtradeln-Wettbewerb 2020 gesetzt: Fast 102 000 Kilometer, im besten Fall allesamt statt einer Autofahrt zurückgelegt, stehen nach Abschluss der Klimaschutzaktion am vergangenen Mittwoch zu Buche – deutlich mehr als noch im vergangenen Jahr. Und das ist nur die halbe Wahrheit. Denn noch kann nachgetragen werden, zudem steht ein großer Posten auf dem Konto des Kreises, obwohl lokal erradelt.

Sonntag, 04.10.2020, 12:40 Uhr aktualisiert: 05.10.2020, 17:05 Uhr
Mit 41 aktiven Radlern hat der MGV erstmalig am diesjährigen Stadtradeln teilgenommen – und mit über 11500 geradelten Kilometern gleich den Sieg in der Teamwertung errungen. Das Alter der Radler liegt zwischen 64 und 84 Jahre. Auf dem Foto ist das Lenkungsteam mit Helmut Nelde, Horst Brömmelhaus, Team-Captain Manfred Dolscheid und Artur Poschmann (v.l.) zu sehen. Es fehlt Christoph Senner.
Mit 41 aktiven Radlern hat der MGV erstmalig am diesjährigen Stadtradeln teilgenommen – und mit über 11500 geradelten Kilometern gleich den Sieg in der Teamwertung errungen. Das Alter der Radler liegt zwischen 64 und 84 Jahre. Auf dem Foto ist das Lenkungsteam mit Helmut Nelde, Horst Brömmelhaus, Team-Captain Manfred Dolscheid und Artur Poschmann (v.l.) zu sehen. Es fehlt Christoph Senner. Foto: MGV

Ein großes Ausrufezeichen hat die die Kreisstadt beim Stadtradeln-Wettbewerb 2020 gesetzt: Fast 102 000 Kilometer, im besten Fall allesamt statt einer Autofahrt zurückgelegt, stehen nach Abschluss der Klimaschutzaktion am vergangenen Mittwoch zu Buche – und das ist nur die halbe Wahrheit. Denn erstens kommen aufgrund der Möglichkeit des Nachtragens (bis zum kommenden Mittwoch) noch Kilometer hinzu und zweitens – das ist die eigentliche Überraschung – müssten noch knapp 19 000 Kilometer oben drauf gesetzt werden. Schüler und Lehrer der Realschule Burgsteinfurt, zusammen 430 (!) an der Zahl, haben nämlich auch beim Wettbewerb des Klimabündnisses mitgemacht, sich aber ausschließlich in der übergeordneten Kategorie „Kreis Steinfurt“ angemeldet. „Wohl ein Missverständnis“, sagt Klimaschutzmanager Simon Möser , der sich über das Ergebnis von Steinfurt allgemein wie auch der Realschule im Besonderen nach Abschluss des Wettbewerbs 2020 sehr begeistert zeigte.

Das wundert nicht: Im Vergleich zum Vorjahr boomte das Stadtradeln in Steinfurt förmlich. Mit 45 000 Kilometern bei der Erstteilnahme 2018, 59 000 Kilometern ein Jahr später und nun deutlich über 100 000 Kilometern ist die Entwicklung der Gesamtfahrleistung fast schon exponentiell. Ähnlich gut sieht es bei den Teilnehmern aus: nach 242 im vergangenen Jahr machten dieses Mal 538 und damit mehr als doppelt so viele mit. Auch die Zahl der mitradelnden Teams stieg, wenn auch nicht ganz so stark, von 51 auf 57 an. Insgesamt sparten die Teilnehmer über 15 Tonnen CO gegenüber einer Fahrt mit dem Pkw ein.

„Ich habe gar nicht viel anders gemacht als Lorenz“, antwortet Simon Möser auf die Frage nach den Gründen dieser bemerkenswerten Entwicklung mit Bezug auf seinen Vorgänger Lorenz Blume, der die schon seit 2008 organisierte Veranstaltung 2018 erstmals auch in der Kreisstadt eingeführt hatte. Dann führt der Klimaschutzmanager aber doch einen nachvollziehbare Begründung an: „Ich denke, dass die Corona-Krise den Wettbewerb beflügelt hat.“ Das Fahrrad sei in Zeiten der Pandemie mehr noch als sonst für viele zum bevorzugten Verkehrsmittel gerade im Nahverkehr geworden. Darüber hinaus erfreue es sich steigender Beliebtheit als Sportgerät mit sehr positiven Auswirkungen auf Gesundheit und Fitness. Zudem sei beim Radfahren die Pandemie weit weg. „Man fährt in der frischen Luft mit viel Abstand zu anderen“, weiß Möser um die Vorteile. Er selbst nimmt sein Pedelec regelmäßig in die Hand, um zur Arbeit von Burgsteinfurt nach Borghorst zu fahren.

Die coronabedingte Verschiebung des Wettbewerbs in den Herbst hatte offenbar keine nachteiligen Auswirkungen auf die Beteiligung. Möser: „Es hat sich gezeigt, dass Radfahren unabhängig von der Jahreszeit ein Thema in Steinfurt ist.“

Für den Klimaschutzmanager ist das Ergebnis auch Motivation für die anstehenden Aufgaben bei der Erarbeitung des Mobilitätskonzepts der Stadt. „Es zeigt mir, dass die Nahmobilität mit dem Rad von den Steinfurtern angenommen wird.“ Toll findet er das Engagement der Kindergärten und Grundschulen. Luft nach oben gebe es noch bei den weiterführenden Schulen. Dort hat neben der Realschule Burgsteinfurt lediglich noch das Gymnasium Arnoldinum an der Klimaschutzaktion teilgenommen. Was indes die Realschule auf die Beine gestellt hat, sei herausragend. „Das sozusagen die gesamte Schule mitgeradelt ist, imponiert mir ungemein.“ Die Initiative sei von Sportlehrern ausgegangen, die das Stadtradeln als Ausgleich für ausgefallene Sportstunden gesehen haben.

Ein Lob verteilt Möser auch an die Politiker der Steinfurter Bündnisgrünen. Mit fast 5500 geradelten Kilometern landete die 15-köpfige Gruppe auf einem respektablen fünften Platz in der Gesamtwertung. „Auch die SPD hat wieder mitgemacht und war gut dabei“, bleiben auch die Genossen nicht unerwähnt. Bei allen anderen Parteien indes gibt es noch immer offensichtlichen Nachholbedarf.

Sieger in der Mannschaftswertung wurde bei der Drittauflage der Klimaschutzaktion in Steinfurt die MGV-Radler aus Borghorst, die mit 41 aktiven Radlern die stolze Gesamtfahrleistung von 11514 Kilometern zu Buche stehen haben. Es folgte auf den Plätzen das Offene Team Steinfurt mit 9252 Kilometern und 28 Radlern, das UKM Marienhospital (5844 Kilometer, 15 Radelnde) und der TB Burgsteinfurt (5678 Kilometer, 15 Radelnde).

Im Städteranking des Kreises verbesserte sich die Kreisstadt auf Platz drei hinter Ibbenbüren und Emsdetten. Im Vorjahr hatte die etwa gleich große Nachbarstadt noch einen großen Vorsprung in der Gesamtfahrleistung. In diesem Jahr gestaltete sich diese, rechnet man die geradelten Kilometer der Burgsteinfurter Realschüler hinzu, fast ausgeglichen.

 

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