Gymnasium Borghorst streitet sich mit der Stadtverwaltung
Eltern zahlen Toiletten-Reinigung

Borghorst -

Auch frisch renovierte Toiletten müssen mal gereinigt werden. Wie oft die jetzt ein Jahr alten Schüler-WCs am Borghorster Gymnasium geputzt werden müssen, darüber haben Eltern und Stadtverwaltung derzeit sehr unterschiedliche Ansichten. 

Freitag, 09.10.2020, 16:09 Uhr aktualisiert: 09.10.2020, 19:32 Uhr
Zwei Jahre ist es her, dass die alten Toiletten mit Hilfe von Sponsor Exkern in Eigenleistung abgebrochen wurden. Damals packte sogar Schulleiter Hermann Voss (2.v.r.) mit an. Im vergangenen Jahr waren die neuen Anlagen endlich fertig.
Zwei Jahre ist es her, dass die alten Toiletten mit Hilfe von Sponsor Exkern in Eigenleistung abgebrochen wurden. Damals packte sogar Schulleiter Hermann Voss (2.v.r.) mit an. Im vergangenen Jahr waren die neuen Anlagen endlich fertig.

Die Schulpflegschaft unter Vorsitz von Antje Herz dringt an den langen Unterrichtstagen auf eine zusätzliche Zwischenreinigung. Die Verwaltung möchte keinen Präzedenzfall schaffen und wehrt sich gegen eine Übernahme der Kosten. Es geht dabei um 2000 Euro. Jährlich. Erster Beigeordneter Michael Schell ist sich aber jetzt schon sicher, „dass wir nicht das letzte Mal über die Sache geredet haben“. Er will noch einmal das Gespräch mit der Pflegschaft suchen, wie er auf Anfrage dieser Zeitung spontan versprach.

Der jetzige Zustand ist nach Worten von Antje Herz unzumutbar. Die Toiletten seien durch die Vielzahl der Nutzer an den langen Schultagen in einem derart schlechten hygienischen Zustand, dass die Kinder „das Bedürfnis, die Toilette aufzusuchen unterdrücken“ – und lieber zu Hause gehen.

Um diese „unerträgliche Situation“ zu überbrücken, sprang der Förderverein des Gymnasiums ein und finanzierte die Zwischenreinigung von montags bis mittwochs. Die Stadt hatte sich zuvor geweigert einzuspringen. „Es geht um 2000 Euro im Jahr“, erläuterte Dr. Andre Wenning als kommissarischer Schulleiter. „Es kann nicht Aufgabe des Fördervereins sein, für das Putzen der Toiletten aufzukommen“, meint auch Volker Hüls, stellvertretender Schulpflegschaftsvorsitzender. Ob das dem Ruf Steinfurts als Schulstadt dienlich sei? Hüls hat da so seine Zweifel.

Dr. Andre Wenning unterstützt das Anliegen der Eltern zu 100 Prozent, wie er sagt. Die hätten inzwischen zusätzlich eine Petition gestartet. Das Gymnasium habe einen erfolgreichen gebundenen Ganztag aufgebaut, was natürlich zur Folge habe, dass die Räumlichkeiten auch länger genutzt werden. In Teilen kann er die Stadt verstehen, die Angst davor habe, dass bei einer Kostenübernahme auch andere Schulen anklopfen würden.

Erster Beigeordneter Michael Schell wiederum hat seinerseits Verständnis für das Anliegen der Eltern, kann aber keine konkreten Zusagen über eine Kostenübernahme machen. Er plädiert dafür, das Problem in Gänze zu betrachten und bei den Überlegungen mit der Politik zur Schulentwicklungsplanung miteinzubeziehen. Generell müsse sich die Stadt die Frage stellen: „Welchen Standard sollen wir den Schulen gönnen?“

Die Eltern wollen jedenfalls nicht locker lassen. Für Antje Herz ist das Präzedenzfall-Argument auch nur ein sehr schwaches: „Es kann hier nur um Schulen mit Ganztag gehen.“ Also längst nicht um alle Steinfurter Schulen. Der Gymnasium-Ganztag habe sich in den vergangenen Jahren zu einer sehr attraktiven Einrichtung entwickelt. „Wir sollten alles in unserer Macht stehende tun, um diesen Zustand zu erhalten und zu verbessern“, so die Schulpflegschaftsvorsitzende. Dazu gehöre es allerdings nicht nur, attraktive Lernangebote zu machen, sondern auch eine Umgebung zu schaffen, in der sich die Schüler wohlfühlen könnten. Sie verbrächten bis zu acht Stunden täglich in der Schule.

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