Corona-Krise im Schulalltag
Das Ende der Unbeschwertheit

Steinfurt -

Es ist das Wesensmerkmal der Pandemie: sie ist allgegenwärtig. Kein Lebensbereich, der nicht betroffen ist. Auch die Schulen müssen sich den Regeln unterwerfen, die die Corona-Verordnungen vorgeben. Wie reagieren sie auf die steigenden Infektionszahlen? Inwieweit hat Corona den Lernalltag verändert? Warum ist die Aufrechterhaltung des Präsenzunterricht so wichtig? Fragen, die Redakteur Ralph Schippers der Schulleiterin der Bismarckschule in Burgsteinfurt, Claudia Bock, stellte.

Donnerstag, 29.10.2020, 16:12 Uhr aktualisiert: 29.10.2020, 20:26 Uhr
Selbstverständlich an der Bismarckschule: Die Grundschüler tragen im Unterricht
Selbstverständlich an der Bismarckschule: Die Grundschüler tragen im Unterricht Foto: Ralph Schippers

Es ist das Wesensmerkmal der Pandemie: sie ist allgegenwärtig. Kein Lebensbereich, der nicht betroffen ist. Auch die Schulen müssen sich den Regeln unterwerfen, die die Corona-Verordnungen vorgeben. Wie reagieren sie auf die steigenden Infektionszahlen? Inwieweit hat Corona den Lernalltag verändert? Warum ist die Aufrechterhaltung des Präsenzunterricht so wichtig? Fragen, die Redakteur Ralph Schippers der Schulleiterin der Bismarckschule in Burgsteinfurt, Claudia Bock , stellte.

Welche Corona-Schutzmaßnahmen existieren derzeit an der Bismarckschule?

Claudia Bock: Wir haben zu Beginn des Schuljahres auf der Basis unserer Erfahrungen aus der Zeit vor den Sommerferien und gemäß den Vorgaben des Landes mit dem Krisenteam der Schule ein Hygienekonzept entwickelt. Die ersten Schüler kommen morgens mit dem Bus zur Schule. Bis dahin hat der Hausmeister bereits in allen Klassen die Fenster und Türen zum Lüften geöffnet. Wenn die Schüler das Gebäude betreten dürfen, wird das speziell angezeigt. Die Kinder tragen auf dem Weg zu ihrem Klassenraum ihre Maske. Bevor das Kind seinen Platz einnimmt, wäscht es seine Hände. Unsere Schüler tragen auch im Unterricht Maske, wenn sie durch die Klasse gehen. Die Pausen sind getrennt getaktet – nach den Jahrgängen 2 und 3 sowie 1 und 4. Für die Nachverfolgung von Infektionsketten gibt es die Sitzpläne in den Klassen und die Auflistung der Namen von Menschen, die die Schule betreten. Zurzeit herrscht noch immer ein Betretungsverbot für Menschen, die nicht unmittelbar mit dem Schulleben in Verbindung stehen.

Wie versuchen Sie, den Kindern das Virus zu erklären?

Claudia Bock: Gerade jüngst noch hatte ich mit Zweitklässlern die Diskussion, wie wichtig das Tragen einer Schutzmaske ist, um ein Hochschnellen der Infektionszahlen effektiv zu verhindern. Ein Schüler meinte, er könne erklären, wie das mit dem Virus ist und strebte bildnerisch sehr ausmalend den Vergleich mit Staubkörnern in der Luft an. Nur sei das Virus viel viel kleiner. Aber es sei sehr angstmachend, dass das so kleine Virus so viel Krankheit verursacht. Zudem haben wir zwei Bilderbücher im Einsatz. Wichtig ist uns, dass wir den Kindern vermitteln, dass auch sie etwas dazu beitragen können, Ansteckungen zu vermeiden.

Wie hat sich der Schulalltag durch die Maßnahmen verändert?

Claudia Bock: Spontane Freude und Reaktionen auf Arbeiten und Äußerungen von Kindern fehlen. Die Unbeschwertheit ist ein Stück weit verloren gegangen. Immer wieder erfolgt ein Aufschrecken, ob denn die Idee oder der Vorschlag umgesetzt werden kann. Auch die Rituale für jahreszeitliche Aktionen brechen weg. Und trotzdem oder gerade deswegen bemühen wir uns soviel Normalität zu ermöglichen wie es geht. Aber: Den gewohnten Alltag gibt es nicht mehr. Es ist ein neuer Alltag.

Wie nehmen Sie als Schulleiterin, wie die Lehrer den neuen Schulalltag wahr?

Claudia Bock: Wir sind alle angespannt. Gerne würden wir mal wieder in der Pause zusammensitzen und einen Kaffee trinken oder auch den Geburtstag von Kollegen und Kindern gemeinsam richtig feiern. Die Lehrer und Lehrerinnen sind ab 7.40 Uhr bis zum Unterrichtsende für ihre Klasse und die Schule im Einsatz. Alles ist genau getaktet – je nach Jahrgang anders. Im Unterricht stehen andere Themen an als noch vor einem Jahr. Ursächlich dafür ist es, dass nicht alle Kompetenzen des vorherigen Jahrgangs erreicht werden konnten. Lernlücken konnten noch nicht geschlossen werden. Wir arbeiten gemeinsam mit den Kindern und Eltern daran. Wenn ich die Stimmung im Team zusammenfasse, kann ich festhalten, dass alle ihr Bestes geben, den Kindern gerecht zu werden. Jeder einzelne hat dennoch auch Sorge, ob er sich selbst anstecken und er das Virus danach in der Schule weitergeben wird.

Inwieweit hat Corona - Stichwort Digitalisierung – den Unterricht verändert?

Claudia Bock: Unsere Ausstattung in Sachen Digitalisierung hat sich seit Beginn der Pandemie direkt vor Ort nicht verändert. Durch Sponsoren konnten wir sechs iPads für finanziell schwach gestellte Kinder anschaffen, die im Falle von Homeschooling ein Gerät entleihen können. Die Einführung in die Handhabung der Geräte steht noch aus. Digitalisierung für das Lernen auf Distanz ist das große Thema für die Schulentwicklung. In der kommenden Woche werden die Lehrer das Konzept für den hybriden Unterricht an unserer Schule weiterentwickeln und einige Passagen daraus auch selbst erproben.

Im Frühjahr hat der Unterricht lange Zeit nicht stattgefunden, coronabedingt erfuhr er auch danach vielerlei Einschränkungen. Jetzt ist wieder eine Verlängerung der Weihnachtsferien im Gespräch – kann der Lehrstoff den Schülern in der vorgegebenen Zeit überhaupt vermittelt werden?

Die zu vermittelnden Lerninhalte bauen in den meisten Fächern auf einander auf. Sie sind stets als Basis für die nächsten Themen und Kompetenzen zu sehen, beziehungsweise als Beginn einer Spirale, die sich langsam aufdreht. Wenn die Basis nicht gefestigt ist, ist ein Aufbau nicht möglich. Das Aufholen der Lerninhalte und das Anknüpfen braucht Zeit. Wir versuchen den Kindern diese Zeit einzuräumen und stellen das schulinterne Curriculum um.

Vor welchen Herausforderungen steht in diesem Zusammenhang der Lehrkörper?

Claudia Bock: Es ist eine sehr intensive Zeit der Schulentwicklung. Hybriden Unterricht vorzubereiten und die schulinternen Lehrpläne darauf abzustimmen ist das eine. Das andere ist der Umgang mit dem Mangel an Endgeräten, denn auch wenn das Land die Gelder dafür bereit stellt, ist es nicht so, dass die Geräte innerhalb von wenigen Tagen bereitstehen. Zudem ist derzeit ein hohes Maß an Flexibilität nötig. Das betrifft alle am Schulleben Beteiligten – Kinder und Erwachsene, Lehrer und Team der OGGS, Hausmeister und Sekretärin. Wir arbeiten von Tag zu Tag – alles in Abhängigkeit von der Entwicklung der Inzidenzzahlen im Land.

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