Bioland-Hof Overesch
Die Entscheidung für ökologische Landwirtschaft nie bereut

Burgsteinfurt -

Vor genau 20 Jahren haben Monika und Rudi Overesch den großen Sprung gewagt: Als einer der ersten landwirtschaftlichen Betriebe in Steinfurt stellten sie ihren Hof in Hollich auf ökologischen Landbau um. Von vielen sind sie damals belächelt worden. Heute ist der Bioland-Betrieb längst etabliert, seine Erzeugnisse erfreuen sich selbst in Corona-Zeiten steigender Beliebtheit. Die WN erhielten direkte Einblicke in die landwirtschaftliche Produktion.

Freitag, 30.10.2020, 15:21 Uhr aktualisiert: 30.10.2020, 15:48 Uhr
Monika und Rudi Overesch in einem ihrer mobilen Hühnerställe: Bei der Eierproduktion steht für das Landwirtspaar aus Hollich das Tierwohl an oberster Stelle.
Monika und Rudi Overesch in einem ihrer mobilen Hühnerställe: Bei der Eierproduktion steht für das Landwirtspaar aus Hollich das Tierwohl an oberster Stelle. Foto: Ralph Schippers

 Sie werden Eintagsküken genannt. Ein Begriff, der harmlos klingt, aber ein hartes Schicksal umschreibt: Kurz nach dem Schlüpfen ist das Leben der allermeisten männlichen Legehennen-Küken auch schon wieder beendet. Sie werden vergast oder geschreddert. Millionenfaches Töten, das höchstrichterlich bestätigt ist, so lange kein verlässliches Verfahren zur Geschlechtsbestimmung im Ei zur Verfügung steht. Geflügelfleischkonsumenten, die dieses Datum nicht abwarten möchten, können schon heute den frühen Tod männlicher Küken verhindern: In dem sie die regionale Initiative „Mein Bruderhahn“ unterstützen. Der Hollicher Biolandhof Overesch hat sich dem Projekt jetzt angeschlossen.

„Wir tun dies aus Überzeugung, auch wenn es mit einem finanziellen Risiko verbunden ist“, sagt Hofbesitzer Rudi Overesch . Das Vermarktungsprinzip, das dahinter steht, ist einfach: Die Eier, die der Hof aus Eigenproduktion in seinem Hofladen anbietet, beinhalten einen Aufschlag, mit dem die teure Mast der Legehennen-Brüder quersubventioniert wird. Durch diesen Zuschuss aus dem Eier-Verkauf bleibt das Fleisch der Masthähne bezahlbar. Von der Frikadelle bis zur Geflügelwurst – die „Bruderhahn“-Produkte sind im hofeigenen Laden bereits erhältlich. Es ist die jüngste Produktneuheit auf dem landwirtschaftlichen Betrieb, der streng nach ökologischen Vorgaben produziert. „Wir müssen jetzt sehen, wie der Kunde sie annimmt“, sagt Monika Overesch .

Bullenmast mit Limousin-Rindern

Rückblick: Vor genau 20 Jahren haben sie und ihr Mann sich entschlossen, den bis dahin in der konventionellen Bullenmast laufenden Hof auf biologische Landwirtschaft umzustellen. „Das war damals ganz neu in der Region und wir wurden für diese Entscheidung teils belächelt“, erinnert sich Rudi Overesch. Heute ist der Bioland-Betrieb längst etabliert, seine Erzeugnisse erfreuen sich selbst in Corona-Zeiten steigender Beliebtheit. „Wir haben damals den richtigen Schritt getan“, sagt Rudi Overesch rückblickend. „Ich würde es immer wieder wagen“, ergänzt seine Frau.

Als Hauptstandbein des neuen Öko-Betriebs entwickelten die Eheleute neben der anfänglichen Bullenzucht ab 2010 die Eierproduktion in Mobilstallhaltung. Aktuell sind rund 1700 Legehennen in den sieben Ställen untergebracht. Regelmäßig alle zwei bis drei Wochen werden sie versetzt, so dass die Tiere immer frisches Gras zur Verfügung haben. Im Inneren der Volieren können sich die Hennen frei bewegen, scharren und ihre Nester aufsuchen. Temperatur, Futter und Wasserversorgung wird dank moderner Anlagentechnik permanent überwacht.

Aber auch die Bullenmast mit Limousin-Rindern ist nach wie vor eine wichtige Einnahmequelle des Biohofs. Die Tiere, die in den Ställen mit jederzeit zugänglichem Auslauf stehen, bekommen ausschließlich unbehandeltes Gras als Futter – so wie es die Bioland-Kriterien vorgeben. Daneben gibt es noch eine Hähnchenzucht, die ebenfalls in Mobilstallhaltung 2015 dazu gekommen ist, weil die Nachfrage der Kunden danach groß war. Auf Kundenwünsche eingehen – dies ist eine Devise des Biolandbetriebs, mit der die Overeschs nach eigener Aussage immer gut gefahren sind. „Wir freuen uns über Anregungen und auch Kritik, wenn sie sachlich ist“, sagt Monika Overesch.

Produktion an strenge Vorgaben geknüpft

Gerne zeigen beide nicht nur dem Zeitungsreporter ihre landwirtschaftliche Produktion. „Vom Kindergarten bis hin zum Seniorenverein waren schon viele Gruppen bei uns Besichtigungsgäste“, berichtet Monika Overesch. Zum Verkauf kommen die Bioprodukte im seit zehn Jahren existierenden Hofladen. Auch viele Waren regionaler Bio-Erzeuger werden dort angeboten. „Wir sind fast schon ein kleiner Vollsortimenter“, sagt Rudi Overesch nicht ohne Stolz. Entsprechend ist der Betrieb personell gewachsen: Neben den Eheleuten stehen vier weitere Teilzeitkräfte in Lohn und Brot.

Ein Teil der Overesch‘schen Erzeugnisse wird von regionalen Bioläden, von Lebensmitteleinzelhändlern für deren wachsende Bio-Abteilungen, aber auch von lokalen Einrichtungen wie zum Beispiel von der Camphill-Dorfgemeinschaft in der Bauerschaft Sellen abgenommen.

Wichtig ist es dem Landwirtspaar zu betonen, dass die Produktion ihrer Erzeugnisse an strenge Vorgaben geknüpft sind. Die Einhaltung werde jährlich geprüft und zertifiziert. Eine entsprechende Urkunde, an gut sichtbarer Stelle im Hofladen aufgehängt, bestätigt dies. Demnächst nun wird ein weiteres Siegel hinzukommen: Das der „Bruderhahn“-Initiative, der sich die Overeschs mit ihrem Bioland-Hof jetzt angeschlossen haben.

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