Projekt „Auswandererbuch“ von Wilhelm Alff und Eckart Hammerström ist abgeschlossen
„Von Steinfurt in die weite Welt“

Steinfurt -

Nach gut vier Jahren – damals fand unter Regie von Dr. Peter Krevert vom Kulturforum der Steinfurter Geschichtstag zum Thema statt – rückt die lokale Auswanderungsgeschichte wieder in den öffentlichen Blickpunkt: Verantwortlich dafür zeichnen Wilhelm Alff und Eckart Hammerström. Die beiden Burgsteinfurter, profunde Kenner der Ortshistorie, haben gemeinsam das Buch „Von Steinfurt in die weite Welt“ verfasst.

Sonntag, 29.11.2020, 16:24 Uhr aktualisiert: 02.12.2020, 17:29 Uhr
Blick in die Vitrinen des Auswanderermuseums in Bremerhaven: Von diesem Nordseehafen sind auch zahlreiche Burgsteinfurter nach Amerika aufgebrochen.
Blick in die Vitrinen des Auswanderermuseums in Bremerhaven: Von diesem Nordseehafen sind auch zahlreiche Burgsteinfurter nach Amerika aufgebrochen. Foto: rs

Der vom Heimatverein Burgsteinfurt herausgegebene Band umreißt auf mehr als 500 Seiten die Geschichte der lokalen Auswanderung – vom 14. bis zum 19. Jahrhundert. Noch vor Weihnachten wird das Werk im gut sortierten Buchhandel erwerbbar sein.

Gut zwei Jahre haben die beiden Heimatforscher für die Erstellung benötigt. Beim Datenmaterial konnten sie aus dem Vollen schöpfen. Schon seit Ende der 1990er-Jahre forschte Wilhelm Alff zum Thema. Damals, noch zu Zeiten des Stadtarchivars Hans-Walter Pries , war die Westfälische Gesellschaft für Genealogie an die Kommunalarchive mit der Bitte herangetreten, zusätzliche Quellen für die Auswandererforschung zu erschließen. Diese lag lange nur in regionalen Grundzügen vor, lokale Abhandlungen gab es nur rudimentär in Standardwerken. Für Wilhelm Alff war es der Einstieg in die lokale Forschung und der Beginn einer Hobby-Leidenschaft, die ihn bis heute nicht losgelassen hat.

In den Archiven der Region – und auch darüber hinaus – kennt Alff sich aus. Auf der Suche nach Auswanderer-Daten war er dutzendfach unter anderem im Landeskundlichen Institut Westmünsterland in Vreden oder in der Forschungsstelle „Deutsche Auswanderer in den USA“ an der Universität Oldenburg zu Gast. Die Quellenauswertung umfasste das Studium von Militärakten, Taufregistern und Passagierlisten. Aber auch viele Privatleute hätten Dokumente zur Verfügung gestellt, betont der Heimatforscher. Mehr als 10 000 Stunden, so schätzt Alff, habe er in diversen Archiven oder mit der Online-Recherche verbracht. Das sei anstrengend gewesen, habe aber auch viel Spaß gemacht, sagt der 86-Jährige rückblickend. 2007 erfolgte eine erste Veröffentlichung im Internet.

2018 fragte der Heimatverein Burgsteinfurt in Person von Hans Knöpker und inspiriert vom zwei Jahre zuvor stattgefundenen Steinfurter Geschichtstag zum Thema an, ob er es sich vorstellen könne, ein Buch über die Geschichte der Auswanderung vor Ort zu verfassen. Er konnte – holte sich aber Eckart Hammerström als Co-Autor mit ins Boot. Die Sichtung, Sortierung und Einordnung des gewonnenen Materials sei eine große Fleißaufgabe gewesen, merkt Letzterer an. Man sei sich gleich klar darüber gewesen, dass man sich beschränken müsse. Es hätten leicht 1000 Seiten und mehr werden können, so umfangreich sei die Vorarbeit von Alff gewesen, so der pensionierte Gymnasiallehrer und studierte Historiker, der selbst unter anderem schon eine Abhandlung über die Brauereigeschichte Burgsteinfurts verfasst und schon ein Buch über historische Reiseberichte über Steinfurt zusammen mit Alff veröffentlicht hat.

Die neueste Dokumentation der beiden Historiker ist ein Werk, das verglichen mit anderen Werken über die Auswanderung im Münsterland in seinem zeitlichen und inhaltlichen Umfang als auch in einzelnen Aspekten mit seiner Detailgenauigkeit einmalig ist. Ein komplettes Kapitel befasst sich beispielsweise mit den Ostindienfahrern, also jenen Steinfurtern, die sich im 17. und 18. Jahrhundert in den Dienst der Vereinigten Ostindischen Kompanie oder kurz VOC gestellt haben. Dass dieses spannende, bisher weitgehend unbearbeitete Spezialthema berücksichtigt werden konnte, sei Elisabeth Lindhof zu verdanken, sagt Alff. Sie habe ihm den Zugang zum niederländischen Nationalarchiv in Den Haag ermöglicht.

Viele weitere Facetten des Themas werden teils in ganzen Kapiteln beschrieben – so zum Beispiel die Auswanderung nach Brasilien, die eine Borghorster Angelegenheit war oder Beispiele von besonders erfolgreichen Auswanderern wie dem Zimmermann Wilhelm Bordieck, der 1888 nach Baltimore auswanderte und seinem in Stemmert gebliebenen Bruder Heinrich 30 Jahre später ein Foto von seinem Haus samt – damals noch äußerst seltenem – Auto schickte.

Integraler Bestandteil des Buches ist der Anhang, mit einer umfangreichen Liste der Auswanderer in die Vereinigten Staaten, die Niederlande, nach Brasilien und in weitere Staaten. „Nicht nur, aber auch deshalb ist das Buch für diejenigen interessant, die Familienforschung betreiben wollen“, sagt Hammerström.

Der Band „Von Steinfurt in die weite Welt“ ist im Verlag Tecklenborg erschienen und etwa ab Mitte Dezember im Buchhandel zum Preis von 32,50 Euro erhältlich.

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