Josef Schräder scheidet zum Jahreswechsel als Obmann der Steinfurter Tafel aus
„Mister Tafel“ nimmt seinen Hut

Steinfurt -

Er ist einer der Pioniere der Steinfurter Tafel: Josef Schräder hat die gemeinnützige Einrichtung, die seit 2007 besteht, seinerzeit mit aufgebaut. Nach mehr als 13 Jahren an verantwortlicher Position als „Obmann“ zieht sich der 69-Jährige nun aus der Führungsriege zurück. Im WN-Gespräch zieht der Burgsteinfurter Bilanz seiner ehrenamtlichen Tätigkeit.

Mittwoch, 30.12.2020, 19:12 Uhr aktualisiert: 30.12.2020, 19:20 Uhr
Josef Schräder (l.) in seinem Element: Bei PR-Terminen, wie hier bei der Vorstellung einer neuen Kaffeesorte der Firma Kater, deren Verkauf auch der Tafel zugute kam, war der Tafel-Sprecher stets mit dabei.
Josef Schräder (l.) in seinem Element: Bei PR-Terminen, wie hier bei der Vorstellung einer neuen Kaffeesorte der Firma Kater, deren Verkauf auch der Tafel zugute kam, war der Tafel-Sprecher stets mit dabei. Foto: Drunkenmölle

Er ist Urgestein, Ideengeber und Macher der Einrichtung zugleich, wird respektvoll „Mister Tafel“ genannt. Nicht nur bei Presse- und Öffentlichkeitsterminen ist er omnipräsent – spielt sich aber nie in den Vordergrund: Keine Frage, Josef Schräder war von Beginn 2007 an und ist noch immer das Gesicht der Steinfurter Tafel. Nach mehr als 13 Jahren tritt der 69-Jährige mit Beginn des neuen Jahres kürzer. „Ich gehe mit einem lachenden und einem weinenden Auge“, sagt Schräder über seinen Abschied. Zwar habe ihm die ehrenamtliche Tätigkeit im „Unternehmen Tafel“ mit zuletzt rund 160 Mitarbeitern und mehr als 500 Kunden stets Spaß gemacht sowie Ansporn gegeben. Aber es sei auch eine große Verantwortung gewesen, die zu tragen gewesen sei. „In meiner Position kam es immer auf schnelle Reaktion an, da war man rund um die Uhr auf Standby“, blickt er auf die Zeit als „Obmann“, so die offizielle Bezeichnung seines Tuns als Organisator und Öffentlichkeitsarbeiter, zurück.

Nach einer selbst gewählten dreimonatigen Auszeit im vergangenen Jahr und nach Ausbruch der Corona-Krise sei der Entschluss bei ihm gereift, den Schritt nach mehr als einem Jahrzehnt intensiven Einsatzes zu gehen. Künftig wird er mehr Zeit für seine Familie, insbesondere seine Frau und die Enkel, haben.

2007 gehörte der Burgsteinfurter zum Gründungsstamm der gemeinnützigen Einrichtung, die von den katholischen und evangelischen Kirchengemeinden des Verbreitungsgebiets getragen wird. „Es gab schon vorab Aufrufe in der Zeitung, sich in den neuen Verein einzubringen“, erinnert sich Schräder. Als er 2005 aus gesundheitlichen Gründen beim Kreis Steinfurt, dort war er in der Wohnungsbauförderung tätig, in den vorzeitigen Ruhestand versetzt wurde, kam ihm eine ehrenamtliche Tätigkeit ganz recht. „Mit nicht einmal 55 Jahren fühlte ich mich zu jung, um die Hände in den Schoß zu legen“, betont er. „Ich habe dem Kreisdechanten Heinrich Blankemeyer und der evangelischen Pfarrerin Claudia Raneberg aber gleich ganz deutlich gemacht, dass ich mich gerne als Organisator nützlich machen wollte“, erinnert er sich an die ersten Kontakte mit den damaligen kirchlichen Entscheidungsträgern zurück. Die erkannten dieses „Talent“ des künftigen Tafel-Obmanns offenbar schnell – und taten einen echten Glücksgriff.

Nach der Gründung der Tafel ging es für den Mittfünfziger gleich in die Vollen: Die erste Ausgabestelle, die ehemalige Familienbildungsstätte an der Flintenstraße, musste fit gemacht werden für die neue Bestimmung – das nicht nur schnell, sondern auch noch möglichst preisgünstig. Dank Verhandlungsgeschick bei Sponsoren und einer gelungenen Koordination der anstehenden Arbeiten gelang es, aus dem maroden Altbau eine halbwegs brauchbare Ausgabestelle zu machen.

Mit 30 Mitarbeitern und zunächst 50 Kunden ging es im Dezember 2007 los. Schon wenige Monate später zog die Tafel in das ehemalige Lebensmittelgeschäft Braunschweig gegenüber der Hohen Schule um. Notwendig geworden war der Umzug wegen des Neubaus des evangelischen Gemeindezentrums. Wieder war das Planungs- und Organisationsgeschick von Josef Schräder gefragt.

„Ich weiß noch, wie wir den Bodenbelag gesponsert bekommen haben oder die Kühlanlage geliefert wurde“, blickt Schräder zurück. Aber auch dieser Standort war für die Tafel nur ein Intermezzo: Da der Vermieter unerwartet starb und das Haus anschließend anderweitig genutzt werden sollte, musste eine neue Bleibe her. Die fanden die Träger nach langen Verhandlungen über die Miethöhe an der Bahnhofstraße im ehemaligen Edeka-Geschäft. Seit März 2009 ist dort das Domizil der Steinfurter Tafel. „Das war natürlich ein Meilenstein in der Entwicklung der Einrichtung“, spricht Schräder von einem Quantensprung hinsichtlich der räumlichen Möglichkeiten. In der Folge wuchs die Tafel stetig. „Wir hatten zeitweise sogar fast 700 Kunden“, berichtet Schräder. Großen Anteil an der fast stürmischen Entwicklung hat er selbst: Schräder stellte den Kontakt zu den Lebensmittelhändlern her, nahm Spenden entgegen, organisierte Gruppenführungen und leistete Öffentlichkeitsarbeit. Stets im engen Austausch stand er mit dem Lenkungsteam, gemeinsam wurde viel bewegt.

Der große Gemeinsinn und die Einsatzbereitschaft der Mitarbeiter, dazu Kunden, die sehr dankbar für die Unterstützung sind – das alles werde ihm fehlen, gibt der 69-Jährige unumwunden zu. Aber so ganz nimmt „Mister Tafel“ dann doch noch nicht Abschied. „Ich werde in der Kommission, die sich Anfang des neuen Jahres um eine personelle Neuausrichtung der Tafel kümmern wird, mitarbeiten“, kündigt er an. Bis zum Frühjahr soll das neue Konzept der Verteilung der Aufgaben auf vielen Schultern stehen. Die Verbindungen zu zahlreichen Freunden will er aber auch danach weiter pflegen. Dreizehneinhalb Jahre ehrenamtliche Tätigkeit hinterlassen eben Spuren – eine ganze Menge sogar.

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