LSBTI+Beratung im „Talentschuppen“
Hilfen zur sexuellen Orientierung und Identität

Steinfurt -

Beratungs- und Hilfsangebote waren bislang in der Region dünn gesät. Ab Februar wird es in Steinfurt für Jugendliche und junge Erwachsene, die sich zum sogenannten LSBTI+Spektrum (esbisch, chwul, isexuell, rans,

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Montag, 11.01.2021, 15:46 Uhr aktualisiert: 12.01.2021, 16:07 Uhr
Sexuelle Orientierung ist immer individuell, die Begriffe sind deshalb nur Versuche, sich selbst zu beschreiben. Für manche passen sie besser als für andere. Immer wieder entwickeln Menschen Nöte und Ängste, weil sie nach sexueller Identität suchen. Ein neues Angebot der AWO in Steinfurt will Jugendlichen helfen, Orientierung zu finden.
Sexuelle Orientierung ist immer individuell, die Begriffe sind deshalb nur Versuche, sich selbst zu beschreiben. Für manche passen sie besser als für andere. Immer wieder entwickeln Menschen Nöte und Ängste, weil sie nach sexueller Identität suchen. Ein neues Angebot der AWO in Steinfurt will Jugendlichen helfen, Orientierung zu finden. Foto: privat

Sei es in der Familie, unter Freunden, in der Schule, im Job oder während der Freizeit: lesbische, schwule, bi­sexuelle, transidente und intergeschlechtliche Menschen sehen sich immer wieder mit besonderen Herausforderungen im Alltag konfrontiert. Auch wenn die Gesellschaft offener, toleranter und emanzipierter geworden ist, sind Unsicherheit und Ängste aufgrund von emotionaler und sexueller Orientierung sowie geschlechtlicher Identität und Vielfalt oftmals groß. Die Menschen befürchten, diskriminiert, stigmatisiert, gemobbt oder ausgegrenzt zu werden.

Beratungs- und Hilfsangebote waren bislang in der Region dünn gesät. Ab Februar wird es in Steinfurt für Jugendliche und junge Erwachsene, die sich zum sogenannten LSBTI+Spektrum (esbisch, chwul, isexuell, rans,inter) zählen, ein neues Beratungsangebot geben. Es wird von der Fachstelle „Jugendarbeit & Sexualpädagogik“ im AWO-Unterbezirk Münsterland Recklinghausen gemacht. Platz für Aktivitäten und geschützte Möglichkeiten, sich auszutauschen und zu entfalten, bietet der Jugend- und Kulturbahnhof „Talentschuppen“ im Burgsteinfurter Bahnhof. Der Treffpunkt befindet sich ebenfalls in Trägerschaft des Verbandes.

Fast jeder fünfte Mensch im Kreis Steinfurt könne der LSBTI+Gruppe zugeordnet werden, berichtet My Qui von entsprechenden Erhebungen. „Besonders für transidente Jugendliche erleben wir einen erhöhten Beratungsbedarf“, schildert die Ansprechpartnerin des Treffs die Erfahrungen, die innerhalb des neuen, vor genau einem Jahr in Ibbenbüren eingerichteten Arbeitsbereichs der Fachstelle gesammelt wurden. Seit der Eröffnung hätten bereits 54 LSBTI+Personen und ihre Angehörigen die Beratung in Anspruch genommen. Tendenz weiter steigend.

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„Allein beim Projekt Liebesleben outen sich bei fast jeder Schulveranstaltung Jugendliche“, berichtet Projektkoordinator Alexander Daum von Begegnungen und Gesprächen, die er in Schulen geführt hat. „Gerade dort kann es einige Schwierigkeiten geben. Hier kann eine Begleitung durch die Beratungsstelle sehr hilfreich sein“, ist My Qiu , die parallel zu ihrer Beratungstätigkeit bei der AWO Sozialarbeit in Münster studiert, überzeugt. Sie will jedem eine erste Anlaufstelle bieten, um Sorgen und Nöte in Zusammenhang mit den beschriebenen Themen zu thematisieren und zu besprechen. Sie bietet an, die Ratsuchenden zu Gesprächen mit Familienangehörigen, mit Freunden, mit Lehrern und Arbeitskollegen zu begleiten und zu unterstützen. Sie kann psychologische und medizinische Beratung vermitteln und auch helfen, wenn beispielsweise der Wunsch besteht, eine Namensänderung beim Standesamt zu beantragen. „Eltern sind mit diesen Dingen schnell überfordert. Sie wissen nicht, wie sie reagieren und helfen können“, weiß My Qiu aus ihrer Praxis. Empfindungen und Wünsche lassen sich manchmal nur schwer in Worte fassen.

My Qiu hofft daher, dass das Angebot Menschen erreichen kann, die sich bislang nicht getraut haben, sich zu öffnen und sich mit ihren Problemen jemandem anzuvertrauen, der Möglichkeiten und Wege aufzeigen kann, den Betroffenen ihre Ängste zu nehmen, ihnen ausreichend Mut und Selbstvertrauen schenkt, selbstbewusst sein Leben zu gestalten. My Qiu: „Das ist unser Ziel. und dafür wollen wir Jugendlichen einen sicheren Raum schaffen, damit sie Kontakte zu Menschen knüpfen können, die ähnliche Themen bewegen.“

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