Umfrage zum Online-Unterricht unter den Elternvertretern
„Kreidezeit“ ist an den Schulen noch nicht vorbei

Steinfurt -

Auch wenn alle Beteiligten aus dem ersten Lockdown gelernt haben – so richtig rund läuft der Online-Unterricht offensichtlich nur an wenigen Steinfurter Schulen, wie eine Umfrage dieser Zeitung unter den Elternvertretern ergeben hat.

Montag, 18.01.2021, 15:19 Uhr aktualisiert: 18.01.2021, 15:56 Uhr
Leere Klassenzimmer, wie auf diesem Archivfoto, bestimmen derzeit den Schulalltag.
Leere Klassenzimmer, wie auf diesem Archivfoto, bestimmen derzeit den Schulalltag. Foto: Jörn Hannemann

Auch wenn alle Beteiligten aus dem ersten Lockdown gelernt haben – so richtig rund läuft der Online-Unterricht offensichtlich nur an wenigen Steinfurter Schulen, wie eine Umfrage dieser Zeitung unter den Elternvertretern ergeben hat.

So beschreibt Heike Bühn-Bauland, Schulpflegschaftsvorsitzende der Realschule am Buchenberg, die Situation an der Emsdettener Straße mit „ganz gut“. Was allerdings nicht darüber hinwegtäuschen könne, dass die „Kreidezeit“ an den Steinfurter Schulen immer noch nicht überwunden sei. „Es gibt noch ganz großen Nachholbedarf“, verweist Bühn-Bauland auf die immer noch fehlenden Endgeräte für die Schüler. „Alle müssen zu Hause private Endgeräte nutzen. Das ist oft das eigene Handy.“ Generell könne gerade für die Klassen fünf bis sieben der Präsenzunterricht schwer durch die Online-Angebote ersetzt werden.

Katharina Lindhof , Elternpflegschaftsvorsitzende der Bismarckschule, räumt zwar ein, dass die Probleme rund um die Lernplattform iServ beim holprigen Start nach den verlängerten Winterferien inzwischen weitgehend behoben worden seien. Nichtsdestotrotz seien die technischen Voraussetzungen für die Durchführung des Distanzunterrichts immer noch unzureichend – und das aus gleich mehreren Gründen. Zum einen sei es die in Teilen noch stets fehlende ausreichend leistungsfähige Telekommunikationsinfrastruktur, die dafür verantwortlich sei. „Bei uns in Hollich gibt es da nach wie vor Probleme“, berichtet die zweifache Mutter von den negativen Auswirkungen eines weiterhin fehlenden Breitbandausbaus. „Wenn meine beiden Kinder Videokonferenzen im Homeschooling haben und ich auch noch im Homeoffice sitze, ruckelt es dann schon gewaltig“, so die Pflegschaftsvorsitzende.

Was die Ausstattung mit Endgeräten betrifft, sei ihre Familie zwar gut aufgestellt. Das träfe aber längst nicht für alle Familien in Steinfurt zu, zumal wenn sie mehrere schulpflichtige Kinder haben. An der Bismarckschule sei der Förderverein zu Beginn des ersten Lockdowns in die Bresche gesprungen und habe als Überbrückung einige iPads gespendet. Auf die im Rahmen des Digitalpakts von der Stadt versprochenen Tablets aber warte man bis heute vergeblich. Probleme gebe es überdies mit dem WLAN der Schule. Die Folge: Kinder, die sich in der Notbetreuung befinden, könnten nicht in Gänze am Online-Unterricht teilnehmen.

In ihren pädagogischen Qualitäten sehr gefordert ist derzeit auch Anja Gieldon. Die Elternpflegschaftsvorsitzende hat zwei Töchter im Distanzunterricht an der Realschule Burgsteinfurt. Wenngleich die technischen Voraussetzungen stimmen und sie als Gastronomin derzeit sogar unfreiwillig viel Zeit hat, um zu helfen, steht für sie doch zweifelsfrei fest: Der Präsenzunterricht durch qualifizierte Lehrkräfte in der Schule ist durch nichts zu ersetzen. „Auch wenn alle ihr Bestes geben, hoffen wir doch sehr, dass Anfang Februar wieder der normale Schulalltag einkehrt.“

Ähnlich denkt Anna Langer, Elternvertreterin an der Grundschule Dumte. Für die Schulform sei Online-Unterricht generell schwierig. Dass es mittlerweile ganz gut laufe, sei zu einem Großteil dem Engagement der Lehrer geschuldet. Technisch sei die Schule aber noch lange nicht im neuen Jahrtausend angekommen. Die zugesagten Endgeräte fehlten, außerdem ließe die Landesregierung die Schulen immer wieder im Regen stehen.

Anja Herz als Schulpflegschaftsvorsitzende des Borghorster Gymnasiums hört bislang wenig Klagen. So habe jeder Schüler schon vor einem Jahr seinen eigenen Zugang auf das Schulportal erhalten, außerdem arbeite das GymBo mit dem Programm Teams 365, das offensichtlich weniger störanfällig als iServ sei. Bei einer Umfrage im Oktober, wer denn nicht über ein eigenes Endgerät verfüge, habe es wenig Rücklauf gegeben. „Außerdem haben wir iPads, die ausgeliehen werden können.“ Generell sei es für die Schüler in den oberen Klassen einfacher als für die jüngeren, dem Unterricht von zu Hause aus auf dem Computer zu folgen.

 

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7772443?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F105%2F186%2F
Nachrichten-Ticker