Grüne möchten neues Ehrenamt schaffen
Beauftragter für Antisemitismus

Steinfurt -

Die Steinfurter Grünen setzen sich dafür ein, in der Kreisstadt einer Mitbürgerin oder einem Mitbürger die Aufgabe eines „Antisemitismus-Beauftragten“ zu übertragen. Das Amt soll ehrenamtlich ausgeübt werden. Bislang, so schreibt die Partei in einer Pressemitteilung, gibt es eine vergleichbare Position weder auf Kreis-, Land- oder Bundesebene. Steinfurt würde auf diese Weise im Kampf gegen Antisemitismus einen Schritt vorangehen.

Donnerstag, 21.01.2021, 16:42 Uhr aktualisiert: 21.01.2021, 17:12 Uhr
Die Gedenkstätte in der Kautenstege, wo einmal die Synagoge der jüdischen Gemeinde gestanden hat: In Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus findet dort jährlich am 9. November, dem Tag der sogenannten Reichspogromnacht, eine Feier mit anschließender Andacht in der evangelischen Kleinen Kirche statt. 
Die Gedenkstätte in der Kautenstege, wo einmal die Synagoge der jüdischen Gemeinde gestanden hat: In Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus findet dort jährlich am 9. November, dem Tag der sogenannten Reichspogromnacht, eine Feier mit anschließender Andacht in der evangelischen Kleinen Kirche statt. 

Die Steinfurter Grünen setzen sich dafür ein, in der Kreisstadt einer Mitbürgerin oder einem Mitbürger die Aufgabe eines „Antisemitismus-Beauftragten“ zu übertragen. Das Amt soll ehrenamtlich ausgeübt werden.

Bislang, so schreibt die Partei in einer Pressemitteilung, gibt es eine vergleichbare Position weder auf Kreis-, Land- oder Bundesebene. Steinfurt würde auf diese Weise im Kampf gegen Antisemitismus einen Schritt vorangehen.

Die Grünen begründen ihren Antrag damit, dass die Stadt Steinfurt eine umfangreiche eigene jüdische Geschichte aufweist. So sind die Synagogen in beiden Ortsteilen in den „Novemberpogromen“ 1938 niedergebrannt worden. Zahlreiche Steinfurter Bürger jüdischen Glaubens hätten jedoch an vielen Stellen und Plätzen in der Kreisstadt gewirkt, nicht zuletzt auch in der abgerissenen „Villa Heimann“.

Weiter heißt es in der Begründung: „Bevor sich der Antisemitismus zunehmend verbreitete und zum Holocaust führte, waren die Steinfurter jüdischen Glaubens, zum Beispiel geachtete Lehrer, Handwerker, Ärzte, Krankenschwestern, Verwaltungsbeamte, Geschäftsleute und somit Menschen in der Mitte unserer Gesellschaft.“ In den vergangenen Jahren seien es vor allem private Initiativen wie die „Stolpersteine“ gewesen, die nicht nur an die Verbrechen, sondern vor allem auch an die Menschen, deren Nachfahren heute Nachbarn und Freunde sein könnten, erinnert haben.

Es sei sehr bedauerlich, dass der Antisemitismus nicht mit dem millionenfachen Morden sein Ende gefunden habe. Besorgniserregende sei, dass seit längerem der Anteil antisemitisch motivierter und anderer religiöser Straftaten zunehme. Aber auch der „Alltags-Antisemitismus“, angefangen von diffamierenden Sprüchen, würde nicht überall auf Ablehnung stoßen. Die Grünen wollen dieser Entwicklung entschieden entgegentreten. Die Menschen und Initiativen, die sich in dieser Sache bereits engagieren, sollen nicht alleine gelassen werden und Unterstützung erfahren. Aus diesem Grund wird beantragt, einen „Antisemitismus-Beauftragten“ zu ernennen. Es soll bei der Stadt angesiedelt werden. Der „Antisemitismus-Beauftragte“ soll Ansprechpartner sein, Vorträge und Workshops, beispielsweise in den Schulen, anbieten, die jüdische Geschichte in Steinfurt aufarbeiten, Maßnahmen gegen Antisemitismus koordinieren und versuchen, einen Austausch mit den noch lebenden jüdischen Steinfurtern oder ihren Nachfahren aufzubauen.

Langfristiges Ziel sei es, ein regionales Netzwerk gegen Antisemitismus sowie jegliche Diskriminierung im Kreis Steinfurt zu bilden. Grünen-Schriftführer Sebastian Alfers schließt mit dem Satz: „Um diesen wichtigen Weg zu gehen und Steinfurt diesbezüglich zum ,Leuchtturm im Münsterland‘ zu machen, bedürfe es nun eines Beschlusses des Stadtrates.“

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