Jugendfrei-Redakteurin Imke Rüße hat sich der Challenge #Veganuary gestellt
Vegan für einen Monat

Noch zwischen Tannenbaum und Wunderkerzen werden bereits die ersten Vorsätze lauthals verkündet – oder manchmal nur leise aufgeschrieben, um sich selbst noch etwas Raum zu geben, diese dann auch wirklich umzusetzen. Der verlängerte Lockdown legt Ideen wie Stammkunde im Fitnessstudio zu werden oder den nächsten großen Reisetrip umzusetzen, erstmal auf Eis. Was dagegen umsetzbarer erscheint, ist die Challenge #Veganuary. Seit 2014 wird diese Challenge zum weltweiten Neujahrsvorsatz. Betreiber der Website zum „Veganuary“ wünschen sich dabei natürlich, dass die Tester bei der Stange bleiben. Ob ich danach dableiben werde, weiß ich jetzt noch nicht. Ausprobiert habe ich das Experiment „einen Monat vegan“ trotzdem.

Donnerstag, 28.01.2021, 14:11 Uhr aktualisiert: 28.01.2021, 14:36 Uhr
Die Challenge vom „Veganuary“ gibt es schon seit 2014 und soll uns dazu anregen, über unsere Ernährung nachzudenken und auch mal zu verzichten.
Die Challenge vom „Veganuary“ gibt es schon seit 2014 und soll uns dazu anregen, über unsere Ernährung nachzudenken und auch mal zu verzichten. Foto: Gräfe und Unzer Verlag

 

Zwischen 2014, dem Geburtsjahr des „Veganuary“, und 2021 liegen sieben Jahre. Genau das sieht man auch im Angebot der Supermärkte. Als ich mich nach meiner Arbeit auf den Weg zum nächsten Supermarkt gemacht habe, hatte ich noch keinen konkreten Plan. Umso überraschter war ich, was ich dort alles fand. Sojajoghurt, diverse Milchalternativen, ein gutes Angebot an Fleischersatz und hier und da mal vegane Schokolade oder eine vegane Fertig-Lasagne. All das für insgesamt unter 20 Euro beim Discounter.

Natürlich überschlagen sich die Ketten gerade jetzt mit den veganen Aktionswochen, trotzdem wurden bereits einzelne Produkte dauerhaft ins Sortiment übernommen. Schön zu hören, gerade für Leute mit eingeschränktem Budget.

Zurück zu Hause und mit viel Hunger war es für mich aber keine wirkliche Umstellung. Seit mittlerweile zwei Jahren esse ich vegetarisch und habe viele vegane Alternativen bereits ausgetestet. Die leichtesten Gerichte, wie Nudeln mit Tomatensauce, mussten lediglich auf Hackfleisch oder den Parmesan verzichten. Obwohl mittlerweile auch das nicht mehr ganz stimmt: Verschiedenste Hackfleisch-Alternativen gibt es fast überall. Das Angebot an veganen Käsesorten ist wiederum in der Geschmacksvielfalt noch etwas beschränkter. Unternehmen wie „Simply V“ bieten allerdings all‘ das, was man als Grundstock für die Zubereitung von warmen Gerichten und Käsebroten braucht.

Für mich war aber genau dies, das wirklich Aufregende an dem Experiment: Veganismus als Ernährungskonzept wächst kontinuierlich, und trotzdem bleibt noch Platz, sich selbst auszuprobieren. Es lädt praktisch dazu ein, erfinderisch zu werden, eben weil noch der Freiraum existiert, die Alternativen manchmal noch nicht da oder zu teuer sind, um sie in rauen Mengen zu kaufen. Auf der anderen Seite ist der Hauptgrund, warum vegane Ernährung sich so rasant ausbreitet, das Internet als guter Ratgeber. „Zucker und Jagdwurst“ oder „Pia Kraftfutter“, beides geniale Namen, sind zwei Foodblogs, die sich mittlerweile multimedial ausgebreitet haben, ihre Instagram-Kanäle bespielen oder auch mal eine neue Podcast-Folge hochladen. Die mittlerweile unzählbare Schar an Social-Media-Accounts, bei denen man lediglich in der Bio ablesen kann, dass sie sich vegan ernähren, zeigt, dass die Ernährung breitgefächerter und akzeptierter wird.

Ich wurde in den letzten Wochen bombardiert mit veganen Koch-Reels, bin auf neue Podcast- und Youtube-Formate aufmerksam geworden und bekam neue Gesichter auf meiner „For-You-Page“ bei Instagram angezeigt. Bisschen gruselig mal wieder, aber auch schön, wie schnell man in diese Blase eintauchen kann.

Wer den langen Atem noch über Januar hinaus hat, kann weiterforschen. Für mich mit zu wenig Verständnis für Naturwissenschaften, bleibt die Auseinandersetzung mit Nahrungsergänzungsmitteln noch etwas zäh und nicht wirklich schmackhaft. Trotzdem sollte man sich, unabhängig von einer rein pflanzlichen oder omnivoren Ernährung, mal damit auseinandersetzen. Die wichtigste Frage ist meistens nämlich nicht die der „Natürlichkeit“ unseres Essens, sondern die, ob etwas gesund oder ungesund für mich ist. Niko Rittenau stellt auf einem Funk-Kanal die fast schon provokante Frage, was in unserer so hoch technologisierten Welt denn überhaupt noch „natürlich“ sein kann - schließlich ernähren wir uns von gezüchteten Nutztieren und nehmen Kulturpflanzen zu uns. Meistens komme ich bei Nikos Argumenten noch nicht so schnell hinterher, aber man merkt, dass dort jemand spricht, der als studierter Ernährungsberater auftritt und Ahnung hat. Schließlich kann ich immer zwischendurch pausieren und mir Zeit nehmen – im digitalen wie auch im analogen Raum. Vegan ist im Trend, aber mal ganz ehrlich – es gibt wenige Trends, die es so wert sind, sie mal auszutesten. Und mal „ein bisschen weniger“ ist für mich auf alle Fälle kein Verzicht.

Imke Rüße

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