Ehemaliger Landrat Dr. Klaus Effing nach einem dreiviertel Jahr in Köln
„Hier kennt mich fast kein Mensch“

Steinfurt/Köln -

Es müssen nicht immer die mega-ernsten und brand-aktuellen Themen sein, die ein Journalist mit seinen Interviewpartnern bespricht. Bei der Serie „Tratsch am Telefon“ geht es lockerer zu. Die Realität ist ernst genug. Und weil das so ist, findet das Gespräch auch nur per Telefon statt. Heute ist Dr. Klaus Effing an der Reihe, ehemaliger Landrat des Kreises, Steinfurter auf Zeit und mittlerweile Vorstand der Kommunalen Gemeinschaftsstelle für Verwaltungsmanagement in Köln.

Freitag, 12.02.2021, 17:43 Uhr aktualisiert: 12.02.2021, 17:53 Uhr
Dr. Klaus Effing ist seit Mai Vorstand der KGSt in Köln. Vorher war er eine Amtsperiode Landrat des Kreises Steinfurt.
Dr. Klaus Effing ist seit Mai Vorstand der KGSt in Köln. Vorher war er eine Amtsperiode Landrat des Kreises Steinfurt.

Ein waschechter Münsterländer im Herzen des Rheinlandes, in Köln, kann das gut gehen?

Effing : Das geht sogar sehr gut. Mit dem Antritt meiner neuen Stelle bin ich direkt nach Köln gezogen, mitten ins Belgische Viertel. Das ist nicht Köln, das ist Welt pur. Und das klappt.

Und die Umstellung von Pils auf Kölsch?

Effing: Keine Probleme. Wenn wir aus dem Haus gehen ist links ein Vegan-Café und rechts die Kölsch-Stube. Generell werden wir hier mit einer gastronomischen Vielfalt verwöhnt, die ist gigantisch.

In der Textnachricht, in der Du mir gestern unseren Gesprächstermin bestätigt hast, unterschreibst Du mit Helau und Alaaf. Kann ich daraus schließen, dass in Köln in Sachen Karneval doch was geht?

Effing: Nein, leider nicht, beziehungsweise Gott sei Dank nicht. Auch hier ist absolut tote Hose. Die Menschen sind im Angesicht von Corona sehr vernünftig. Ich habe gestern am Rheinufer fünf Verkleidete gesehen, das war es aber schon. Dabei hatten wir uns auch hier in der KGSt-Zentrale so viel vorgenommen. Der Verzicht auf den Karneval, das ist für die Kölner schon ein Schlag ins Kontor. Ich habe mir aber zum Ausgleich Bilder vom letzten Kreis-Karneval in Steinfurt angeschaut und in meinem Instagram-Account hochgeladen.

In Deiner Dienstzeit als Landrat warst Du eine Person des öffentlichen Lebens, bist überall als „Herr Landrat“ angesprochen worden. Das ist in der Millionen-Stadt Köln jetzt wahrscheinlich ein bisschen anders, oder?

Effing: Ja, das ist es wirklich. Daran musste ich mich in den ersten Tagen auch erst gewöhnen. Ich habe es aber schnell schätzen gelernt, dass mich hier fast kein Mensch kennt. Woher auch? In Köln kannst Du in Badehose zum Bäcker gehen, das interessiert niemanden. Die Zeit als Landrat mit dem dazugehörigen Bekanntheitsgrad war auch etwas sehr Schönes. Wenn Du das nicht so empfindest, darfst Du so einen Job auch gar nicht erst machen. Ich empfinde es als große Freude, dass ich beides im Laufe meiner beruflichen Laufbahn kennenlernen durfte.

Seit 1. Mai 2020 bist Du Vorstand bei der Kommunalen Gemeinschaftsstelle für Verwaltungsmanagement. Erkläre doch bitte nochmal, was Du da genau machst.

Effing: Die KGSt gibt es seit 71 Jahren und ist gewissermaßen eine Selbsthilfeorganisation der Kommunen und Kreise, die bei uns Mitglied sind. Wir entwickeln Vorschläge, wie Verwaltung in fünf oder 30 Jahren aussehen könnte. Wir wollen also Motor für die kommunale Entwicklung sein. An der Spitze eines Kreises zu stehen, war toll. Hier habe ich aber einen anderen Hebel. Wenn wir uns entscheiden, ein Projekt zur Künstlichen Intelligenz zu starten und die Ergebnisse werden nachher von unseren 2300 Mitgliedern übernommen, hat das Auswirkungen auf die komplette kommunale Landschaft.

Fehlt Dir dabei nicht das politische Moment, die Diskussion mit den Parteien, wie sie in Landratszeiten an der Tagesordnung waren?

Effing: Ich musste mich in der Tat erst umstellen. Wir arbeiten hier in einem komplett anderen Rhythmus, stehen nicht unter diesem tagespolitischen Druck, nehmen uns für viele Dinge die notwendige Zeit. Dies muss auch so sein, da wir unseren Mitgliedern höchste Qualität bei unseren Berichten und Beratungen schulden. Auch in dieser Hinsicht bin ich froh, beide Seiten kennengelernt zu haben.

Beim Blick aus 180 Kilometern Distanz auf Steinfurt: Was hättest Du mit dem Wissen von heute anders gemacht?

Effing: Da muss ich überlegen. Die wichtigen politischen Entscheidungen sind meist mit großer Mehrheit gefallen. Ich denke, die wirtschaftliche, soziale und ökologisch positive Entwicklung des Kreises konnte ich ein Stückchen mitgestalten. Mir tut allerdings heute leid, dass ich auch durch eine Vielzahl von Nebenämtern für die Menschen in der Kreisverwaltung immer weniger Zeit gehabt habe. Ich habe den Spagat versucht, der hat aber nicht immer geklappt.

Letzte Frage: Ich habe gesehen, Du hast einen eigenen Wikipedia-Eintrag. Wir kommt man da dran?

Effing: Keine Ahnung. Ich habe da aktiv nichts zu beigetragen. Ich hoffe, die Eintragungen sind richtig

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