Corona macht den Umgang mit dem Tod noch schwieriger
Abschiednehmen und Abstand halten

Steinfurt -

Abschiednehmen ist nie leicht, in Corona-Zeiten ist es für viele aber noch schwerer. Menschen, die um einen Verstorbenen trauern, macht die Pandemie noch einsamer. Und auch die Bestattungen stellen Herausforderungen dar, im ersten Lockdown noch mehr als im zweiten. Die anfänglich sehr einschneidenden Bedingungen, eine Trauerfeier abzuhalten, sind mittlerweile zumindest etwas gelockert worden.

Sonntag, 14.02.2021, 21:31 Uhr
Beerdigungen in Corona-Zeiten sind anders. Das Virus macht das Abschiednehmen schwer. Manchmal kann das nicht einmal mehr am offenen Sarg geschehen. Die Größe der Trauergemeinde ist begrenzt.
Beerdigungen in Corona-Zeiten sind anders. Das Virus macht das Abschiednehmen schwer. Manchmal kann das nicht einmal mehr am offenen Sarg geschehen. Die Größe der Trauergemeinde ist begrenzt. Foto: dpa/Dartmann/Willers

Das Coronavirus bedroht nicht nur das Leben, sondern auch den Umgang mit dem Tod. Es macht den Abschied noch schwerer als er ohnehin schon ist. Und Menschen, die um einen Verstorbenen trauern, macht die Pandemie noch einsamer als sie sich ohnehin schon fühlen.

Markus Dartmann setzt sich wie seine Steinfurter Kollegen in den Bestattungsinstituten Leser und Brandt seit dem Ausbruch der Pandemie vor einem Jahr täglich mit der Situation auseinander. „Das hat die ganze Branche vor neue Herausforderungen gestellt, besonders hart aber die Angehörigen und Freunde getroffen“, schildert der 42-jährige Bestattermeister und Thanatologe seine Erfahrungen, wie würdevolles Abschiednehmen und Abstand halten dem Tod nur noch wenig Raum im Leben lassen.

„Der erste Lockdown war schon sehr dramatisch“, blickt Dartmann auf den Frühling vergangenen Jahres zurück. Die Unsicherheiten seien groß, das Wissen um eine „sichere“ Bestattung noch klein gewesen. „Das sind so traurige und manchmal auch ganz surreale Momente, in denen es schwer ist, die richtigen Worte zu finden“, weiß Dartmann um die Bedeutung, die Authentizität und Würde beim Abschied für einen gesunden Trauerprozess bedeuten.

Besonders hart trifft es diejenigen, aus deren Nähe ein Mensch mit oder an Covid-19 verstorben ist. Die Hygiene- und Schutzmaßnahmen, die in Landesgesetzen teilweise unterschiedlich geregelt sind, schreiben vor, wie ein Mensch nach dem Tod beerdigt oder eingeäschert werden muss. Die Verstorbenen gelten als infektiös. Sie können also noch ansteckend sein. „ Es können noch Aerosole und Viren frei werden. Wir müssen also sehr vorsichtig sein“, beschreibt Dartmann die Risiken, die im Umgang mit dem Leichnam bestehen.

Ein mit dem Kreisgesundheitsamt abgestimmtes Konzept regelt, wie vorzugehen ist. Die Bestatter schützen sich mit Masken, Schutzanzügen, Handschuhen und Füßlingen. Die Toten werden, möglichst bekleidet, in eine von innen und außen desinfizierte Hülle gelegt. Umgehend wird der Sarg verschlossen und noch einmal von außen desinfiziert. Die Angehörigen haben keine Chance mehr, den Verstorbenen noch einmal zu sehen. „Das zerreißt einem das Herz“, weiß Dartmann, wie schwer es den Betroffen fällt, diese Vorschriften zu akzeptieren.

Da ist der 42-Jährige schon froh, dass die anfänglich sehr einschneidenden Bedingungen, eine Trauerfeier abzuhalten, heute zumindest etwas gelockert worden sind. Waren zu Anfang der Pandemie Beerdigungen lediglich im kleinsten Familienkreis und nur am Grab möglich, so dürfen Beerdigungsgottesdienste mittlerweile wieder in den Kirchen gefeiert werden – die Teilnehmerzahl ist allerdings (entsprechend der Größe des Gotteshauses) begrenzt. In der St.-Nikomedes-Kirche in Borghorst sind beispielsweise 120 Trauergäste zulässig, in der Kapelle auf dem Evangelischen Friedhof in Burgsteinfurt lediglich 25. „Das birgt auch Konfliktpotenzial“, weiß Dartmann aus der Praxis, wenn die Hinterbliebenen entscheiden müssen, wem sie zusätzlich zur Todesnachricht eine Einladung zur Beerdigung zusenden. Niemand soll sich ausgeschlossen fühlen. „Oft belässt man es daher darauf, im engsten Kreis zu bleiben.“

Und es gibt noch weitere Einschränkungen. Ein Händedruck, eine Umarmung, um sein Beileid auszudrücken, sind ebenso wenig erlaubt wie der Trauerkaffee im Anschluss an die Beisetzung. „Dass der wegfällt, fällt vielen schwer“, weiß Dartmann, wie wichtig die persönlichen Begegnungen und Gespräche sind, Trauer zu bewältigen und Trost zu spenden.

Neu, und durch Corona in kurzer Zeit immer mehr Beachtung gefunden haben unterdessen digitale Möglichkeiten, Anteil am Tod eines Menschen zu nehmen. „Sie machen Sinn, wenn Trauernde ausgeschlossen sind“, sagt Dr. Simon J. Walter, Kulturbeauftragter der Stiftung Deutsche Bestattungskultur. So gibt es mittlerweile digitale Trauerräume oder Möglichkeiten, sich einen Stream oder ein Video der Trauerfeier zuhause anzuschauen und dabei eine Kerze anzuzünden. „Eine persönliche Abschiednahme kann sie aber nicht 1:1 ersetzen“, ist Walter überzeugt.

Dem stimmt Markus Dartmann zu. Ihm ist in diesem Zusammenhang noch eine besondere Anmerkung wichtig: Beeindruckt habe ihn, wie sehr sich die Pfarrer der Kirchengemeinden in dieser Krisenzeit bemühen, ihre Trauergemeinden aufzufangen und ihnen Mut zuzusprechen. „Wie sie das machen, ist wirklich beeindruckend“, schildert Dartmann die seelsorgerischen Anstrengungen, niemand in dieser bewegenden und für sie doppelt schweren Zeit allein zu lassen.

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