In Steinfurt gibt es offiziell 73 private Ladeeinrichtungen für E-Fahrzeuge – Tendenz stark steigend
Hohe Förderung heizt Nachfrage an

Steinfurt -

Die E-Mobilität nimmt auch in der Kreisstadt langsam, aber sicher mehr Fahrt auf: Abzulesen ist dies auch an der regen Nachfrage nach privaten Ladeeinrichtungen. Die Stadtwerke haben aktuell rund 73 so genannte Wallboxen offiziell in ihrem Melderegister – Tendenz deutlich steigend. Doch auch der Infobedarf ist hoch: Es winkt eine Bundesförderung von 900 Euro pro Ladepunkt. Da lassen Hausbesitzer auch schon mal installieren, obwohl das E-Auto erst noch angeschafft werden muss.

Dienstag, 16.02.2021, 18:44 Uhr aktualisiert: 16.02.2021, 18:50 Uhr
Die Elektromobilität gewinnt auch in Steinfurt an Dynamik: Damit einher geht – auch dank großzügiger öffentlicher Förderung – die verstärkte Installation von privaten Ladeeinrichtungen.
Die Elektromobilität gewinnt auch in Steinfurt an Dynamik: Damit einher geht – auch dank großzügiger öffentlicher Förderung – die verstärkte Installation von privaten Ladeeinrichtungen. Foto: IMAGO/Martin Bäuml

Die massive öffentliche Förderung von Bund und Land zeigt Wirkung: Seit Ende vergangenen Jahres ist die Nachfrage nach privaten Ladesäulen für E-Autos, auch Wallbox genannt, in der Kreisstadt enorm gestiegen – zur Freude der lokalen Elektrofachbetriebe. Sie können sich vor Aufträgen kaum retten. „Bei uns rufen täglich Interessenten an, die sich nach den Möglichkeiten der Installation erkundigen“, sagt beispielsweise Hermann Vortkamp . Der Elektromeister und Inhaber des gleichnamigen Borghorster Unternehmens hat einen so hohen Auftragseingang, dass er seine Kunden auf bis zu 20 Wochen vertrösten muss, bis eine Installation erfolgen kann. „Das liegt zum großen Teil aber auch daran, dass die Industrie nicht nachkommt mit der Lieferung der Anlagen.“ Etwa seit November sei die Nachfrage nach den privaten E-Tankstellen stetig gestiegen, zuletzt weit überproportional, sagt Vortkamp. Ins gleiche Horn stößt Marc Beukmann von der Firma Hille Energiesysteme in Borghorst. Die Flut von Anfragen sei riesig. Vor allem zur Förderung hätten die Kunden viel Informationsbedarf. Ist die Entscheidung zur Installation gefallen, muss auch der Hille-Kunde viel Geduld aufbringen. „Je nach Modell kann die Lieferzeit für eine Wallbox derzeit auch schon mal bis zu einem halben Jahr betragen“, so die Erfahrung von Marc Beukmann.

Auch Tobias Wünnemann , Vertriebsleiter bei den Stadtwerken Steinfurt, bestätigt die momentan starke Nachfrage. „Wir führen täglich mehrere Gespräche in Sachen Wallbox-Anschaffung“, so der Mitarbeiter. Der lokale Energieversorger hat vorgesorgt und eigene Angebotspakete für verschiedene E-Ladelösungen im Portfolio. Von der Kompakt-Lösung für Ladeleistungen bis 11 kW bis hin zur 22-kW-Wallbox mit Smart-Meter-Anbindung reicht die Palette. Als besonderes Schmankerl winkt Interessenten ein Zuschuss in Höhe von 250 Euro, wenn sie sich für eines der Stadtwerke-Angebote entscheiden.

Als Netzbetreiber müssen den Stadtwerken alle Wallbox-Installationen gemeldet werden – also auch diejenigen, die nicht von ihnen vermittelt wurden. Dabei muss zwischen Anlagen von bis zu 11 Kilowatt Ladeleistung und solchen mit bis zu 22 Kilowatt unterschieden werden. Erstere sind dem Energieversorger anzuzeigen, zweitere von ihm sogar zu genehmigen. Das hängt auch mit der Auslastung des Stromnetzes zusammen. Im Normalfall, das heißt bei zeitversetztem Laden, stellt es für das Netz kein Problem dar, auch eine größere Menge von E-Autos zu laden, so Wünnemann. Im schlechtesten Fall, wenn alle Besitzer einer 22 kW-Box gleichzeitig die Idee haben, den Akku ihres E-Autos zu füllen, könne dies allerdings anders aussehen. Dann könnte es zur zeitweisen Abschaltung kommen, so der Vertriebsleiter. In dem von den Stadtwerken explizit für das Laden von E-Autos seit Ende 2019 angebotenen Autostrom-Tarif sei dies Vertragsbestandteil. Im Gegenzug bekommt der Kunde den Strom bis zu sieben Cent günstiger im Vergleich zum Standardtarif.

Der Energieversorger kann Zahlen liefern, die den Wallbox-Boom widerspiegeln: Aktuell beträgt der Bestand an E-Ladeeinrichtungen in Steinfurt laut Meldung 73. Der Großteil seien Wallboxen im privaten Umfeld mit einer Ladeleistung von bis zu 11 kW. Es gebe indes noch eine „nicht unerhebliche“ Dunkelziffer von nicht gemeldeten Anlagen. Der Energieversorger bittet die Betroffenen, dies alsbald nachzuholen.

Zurückzuführen ist der Wallbox-Boom in erster Linie auf die hohe öffentliche Bezuschussung. Die staatliche Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) gewährt eine Förderung von 900 Euro für die Installation einer 11-kW-Box. Obwohl eine ganze Reihe von Auflagen einzuhalten sind, wollen sich viele Hauseigentümer oder Vermieter diese Gelegenheit nicht entgehen lassen. „Da kommt es auch schon mal vor, dass eine Wallbox installiert wird, obwohl die Anschaffung eines E-Autos oder Plug-in-Hybrids noch gar nicht konkret geplant ist“, so die Erfahrung von Hermann Vortkamp und Marc Beukmann von den Elektrofachbetrieben wie auch Tobias Wünnemann. Letzterer verspricht zudem, dass von Seiten der Stadtwerke in naher Zukunft auch die öffentlichen Lademöglichkeiten in Steinfurt weiter ausgebaut werden. Wünnemann: „Wir sind an dem Thema dran.“

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