Feuerwehr zieht Bilanz 2020 / Telgmann: „Eigentlich ein ruhiges Jahr“
Kameradschaft leidet unter Corona

Steinfurt -

Bei den Einsatzzahlen gab es 2020 nur wenig Veränderung im Vergleich zum Vorjahr: Umso mehr bestimmte die Corona-Pandemie den Alltag der Steinfurter Brandschützer. Besonders im Hinblick auf den Zusammenhalt der Truppe macht sich Stadtbrandinspektor Dirk Telgmann Sorgen. Corona habe viele Aktivitäten auf Eis gelegt, die der Wehr so viel bedeuten, um die Gemeinschaft zu fördern.

Dienstag, 23.02.2021, 17:19 Uhr aktualisiert: 24.02.2021, 15:47 Uhr

Die Steinfurter Brandschützer sind 2020 etwa genauso oft wie im Vorjahr alarmiert worden, Feuer zu löschen oder technische Hilfe zu leisten. Das geht aus der Einsatzstatistik hervor, die Stadtbrandinspektor Dirk Telgmann unserer Zeitung jetzt vorgestellt hat. Statt 299-mal in 2019 waren die freiwilligen Feuerwehrfrauen und -männer 286-mal in 2020 im Einsatz, um Menschen in Gefahr zu retten oder größere Schäden an Häusern, Gütern oder in Natur und Umwelt abzuwenden. „Eigentlich wieder ein ganz ruhiges Jahr“, zieht Feuerwehrchef Dirk Telgmann eine Bilanz, nicht ohne darauf hinzuweisen, dass die Zahlen nüchtern betrachtet allerdings wenig Aufschluss darüber geben, dass im Verlauf einiger Einsätze sowohl die Betroffenen als auch die Helfer immer wieder an Grenzen der körperlichen und psychischen Belastbarkeit stoßen, insbesondere dann, wenn es bei Unglücken Tote gibt. Telgmann ist in diesem Zusammenhang froh, dass die Feuerwehr dann auf die Unterstützung der Notfallseelsorger bauen kann: „Das ist eine wertvolle Hilfe und klappt sehr gut.“

Die Zahlen belegen, dass die Feuerwehr durchschnittlich mehr als einmal in der Woche gerufen wird, einen Brand zu löschen. Deutlich höher sind die Alarmierungszahlen für die beiden Steinfurter Löschzüge, wenn technische Hilfe, beispielsweise bei Verkehrsunfällen, nach Unwettern, zur Tierrettung oder immer dann gefragt ist, um verschlossene Türen aufzumachen, wenn die Menschen dahinter ihre Helfer aus eigener Kraft nicht mehr reinlassen können.

Wichtig ist Telgmann, dass die Feuerwehr verstärkt auch im vorbeugenden Brandschutz unterwegs ist. Über 100 Objekte sind von den Spezialisten daraufhin begutachtet worden, ob die Vorschriften befolgt werden. Beobachtet wird unter anderem, dass immer wieder lebensrettende Fluchtwege versperrt sind oder Brandmeldeanlagen defekt sind.

Was die Einsatzstärke der Truppe angeht, so hat sich im vergangenen Jahr nicht viel an der Situation verändert. Der Borghorster Löschzug ist weiterhin mit 120 Frauen und Männern gut besetzt. Die Einheit in Burgsteinfurt braucht mit rund 60 Kameradinnen und Kameraden dringend Verstärkung. Tagsüber seien die Probleme besonders groß, im Ernstfall eine schlagkräftige Mannschaft zusammen zu bekommen. „Wenn fünf alarmiert werden, kann meist nur einer zum Einsatz kommen“, macht Telgmann deutlich, dass die Feuerwehr insbesondere in Burgsteinfurt Nachwuchssorgen plagt.

Hoffnung macht dem Kommando in diesem Zusammenhang die Entwicklung bei der Jugendfeuerwehr. 28 Jugendliche im Alter von zwölf bis 17 Jahren sind dort aktiv, elf Anwärter stehen in den Startlöchern, mit ihrer Ausbildung zur Feuerwehrfrau oder -mann beginnen zu können.

Und dann ist da ja auch noch Corona. Selbstverständlich muss seit Ausbruch der Pandemie auch die Feuerwehr Hygienevorschriften und AHA-Regeln im Alltag befolgen. Im Einsatz werden große Fahrzeuge statt mit neun nur noch mit fünf Mann besetzt. Deshalb rücken mehr Fahrzeuge aus. Der praktische Übungsbetrieb ist nahezu komplett gestrichen. Pflichtfortbildungen finden lediglich noch in Video-Schulungen statt. „Aber das ist nicht vergleichbar mit den Treffen, wo sich alle von Angesicht zu Angesicht begegnen“, schildert Telgmann seine Erfahrungen.

Besonders im Hinblick auf den Zusammenhalt der Truppe macht sich der Stadtbrandinspektor Sorgen. Corona habe viele Aktivitäten auf Eis gelegt, die der Wehr so viel bedeuten, um die Gemeinschaft zu fördern. Teamgeist und Kameradschaft seien so wichtig, um sich aufeinander verlassen zu können, stellt Telgmann heraus. Er fürchtet sich vor den Folgen dieser Entwicklung: „Hoffentlich holt uns das nicht eines Tages ein.“

Telgmanns Hoffnung ist, dass zumindest in der zweiten Jahreshälfte wieder eine Jahreshauptversammlung stattfinden kann, um wieder vor und mit versammelter Mannschaft Bilanz zu ziehen, Beförderungen auszusprechen und verdiente Mitglieder zu ehren. „Urkunden einfach nur in den Briefkasten stecken, das ist nicht Feuerwehr“, sagt Telgmann.

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