Friseure in Steinfurt
Alles bereit für den Restart

Steinfurt -

Nur noch das Wochenende, dann sind graue Ansätze, überlange Ponys oder sich kräuselnde Koteletten Geschichte – für die Glücklichen, die einen frühen Termin ergattern konnten: Denn wenn am Montag die Friseursalons im Lande – und damit auch in der Kreisstadt – wieder öffnen, dann wird der Ansturm groß sein.

Freitag, 26.02.2021, 17:04 Uhr
Das Telefon stand bei den Friseuren in den vergangenen Tagen kaum still. Die größte Herausforderung war dabei, die vielen Reservierungswünsche zu koordinieren.
Das Telefon stand bei den Friseuren in den vergangenen Tagen kaum still. Die größte Herausforderung war dabei, die vielen Reservierungswünsche zu koordinieren. Foto: Klaus-Dietmar Gabbert/dpa-Zentra

Nur noch das Wochenende, dann sind graue Ansätze, überlange Ponys oder sich kräuselnde Koteletten Geschichte – für die Glücklichen, die einen frühen Termin ergattern konnten: Denn wenn am Montag die Friseursalons im Lande – und damit auch in der Kreisstadt – wieder öffnen, dann wird der Ansturm groß sein. Kein Wunder, in zehn Wochen Lockdown, an denen die Scheren und Rasierer der Coiffeure coronabedingt ruhen mussten, hat sich ein enormer Nachholbedarf angestaut.

Nicht nur Petra Loddo , Inhaberin des Borghorster Salons „Hair Affair“, hat ihn schon gleich am ersten Tag, nachdem auf dem Corona-Gipfel die Entscheidung für eine Wiedereröffnung zum 1. März fiel, gespürt. „Ich hatte an einem Tag 163 Reservierungswünsche auf dem Firmenhandy – viele über Whatsapp, aber die meisten telefonisch übermittelt. Das ist einfach unfassbar“, so die Friseurmeisterin im Gespräch mit dieser Zeitung. Die Folge: Wer aktuell einen etwas aufwendigeres Haarstyling haben möchte, muss viel Geduld aufbringen und „bis weit nach Ostern “ warten. Ein einfacher Schnitt geht trotz der hohen Nachfrage schneller. Petra Loddo: „Da liegen wir derzeit bei Ende März.“

Die Borghorsterin ist natürlich heilfroh, dass sie ihren Salon nach wochenlanger Schließung nun wieder öffnen kann. Man habe wirtschaftlich schon am Abgrund gestanden. Aber sie fühlt sich trotz allem auch privilegiert: „Andere Branchen sind bestimmt ebenso systemrelevant, wenn nicht noch relevanter“, räumt sie ganz offen ein. Vielleicht habe die gute Lobbyarbeit und auch die immense Medienaufmerksamkeit dazu beigetragen, dass eine Entscheidung für die Öffnung fiel. Diese ist jedoch an strenge Auflagen gebunden: Eine Person auf zehn Quadratmetern – so lautet die Vorgabe der Corona-Arbeitsschutzverordnung. Bei „Hair Affair“ bedeutet das: Bei sieben Personen im Laden ist Schluss. Wartende müssen zunächst draußen bleiben. Um dem Andrang gerecht zu werden, führt Petra Loddo vorübergehend die Sechs-Tage-Woche ein. Die Arbeitszeiten indes würden auf jeden Fall eingehalten. „Noch einmal so sehr an die Grenze des Machbaren wie nach dem ersten Lockdown zu gehen, dass kann ich meinen Mitarbeiterinnen nicht zumuten“, sagt Loddo.

Auch Birgit Zurstegge-Yüksel, Inhaberin des Salons „New Look“ in Burgsteinfurt sehnt den Restart kommenden Montag herbei. Endlich wieder die Kunden bedienen und eigenes Geld erwirtschaften – nach vier Monaten Lockdown gerechnet auf das zurückliegende Jahr sei dies ein absolutes Erfordernis. „Alle meine Ersparnisse sind weg“, sagt die Friseurmeisterin, aus deren Stimme schon hervorklingt, dass sie ziemlich ungehalten darüber ist, dass die versprochene staatliche Unterstützung bislang nicht geflossen ist. Die Unsicherheit, ob und wann die Gelder fließen. sei groß. Froh ist sie darüber, dass sie mit 90 Quadratmetern eine im Vergleich große Bedienfläche in ihrem Salon hat. Nach den aktuell gültigen Auflagen könnten sie und ihr Team sich somit eine relativ große Zahl von Kunden zugleich kümmern. Doch wie überall ist auch die Schwierigkeit für sie, einfache Haarschnitte und aufwendige Termine mit Strähnchen, Färben und dergleichen so zu koordinieren, dass der notwendige Abstand und die Hygienestandards eingehalten werden können.

15 bis 40 Anrufe – so viele Reservierungswünsche für einen Termin landen seit Bekanntgabe der Öffnung täglich auf dem Anrufbeantworter des Salons „Hair-Design“ in Burgsteinfurt. Damit ist das Team um Geschäftsführerin Marion Schulte für gut sechs Wochen ausgebucht. Die tägliche telefonische Terminvergabe, mehr oder weniger langer Schnack mit den vielen Stammkunden inklusive, nehme stets rund drei bis vier Stunden Zeit in Anspruch, so Marion Schulte. Die Friseurmeisterin nimmt sich diese Zeit jedoch gerne. Sie ist mehr als erleichtert, dass ihr Geschäft nun wieder öffnen darf. Die Einhaltung der Auflagen sei dabei selbstverständlich. Regelmäßiges Lüften sowie der obligatorische medizinische Mundschutz soll zusammen mit mobilen Plexiglaswänden für das nötige Maß an Sicherheit sorgen.

Mit der markanten Anmeldezahl von 600 kann Peter Schoppe vom gleichnamigen Burgsteinfurter Friseursalon im Wippert aufwarten. „Bei mir rufen Kunden an, die schon vorsichtig fragen, ob es noch vor Weihnachten etwas wird mit dem Haarschnitt“, sagt der Friseurmeister mit leicht sarkastischem Unterton. Um den Berg von Kundenterminen abzubauen, werden er und sein Team zumindest in den ersten Wochen zusätzliche Öffnungszeiten anbieten. Schoppe ist Realist genug, um zu wissen, dass er den in den vergangenen Monaten verloren gegangenen Umsatz damit nicht wieder hereinholen kann. Man könne die Haare jetzt eben nicht einfach mehrmals schneiden, merkt er an. Im Vergleich zu manch anderer Branche gehe es den Friseuren aber noch verhältnismäßig gut. Positiver Aspekt in speziell seinem Fall: Schoppe muss keine Miete zahlen, die laufenden Fixkosten vermindern sich entsprechend.

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