Überraschungstüten für Lkw-Fahrer
Ostermenü aus der Konservendose

Steinfurt -

Das Ostersonntagsmenü bereitet Viktor auf dem Campingkocher zu. Es ist schnell gemacht. Dosenöffner an die Linsensuppenkonserve ansetzen, aufdrehen, das Ganze fünf Minuten auf die offene Gasflamme, umrühren, fertig. Für den Nachtisch sorgt Ex-Polizist Rainer Bernickel.

Montag, 05.04.2021, 16:02 Uhr aktualisiert: 05.04.2021, 20:06 Uhr
Unter den strengen hygienischen Corona-Vorgaben übergibt Rainer Bernickel kleine Osterüberraschungen an die Trucker auf den Rastplätzen entlang der A1.
Unter den strengen hygienischen Corona-Vorgaben übergibt Rainer Bernickel kleine Osterüberraschungen an die Trucker auf den Rastplätzen entlang der A1. Foto: Axel Roll

Zwischendurch kann sich der Weißrusse noch kurz waschen. Der Plastikkanister steht dazu auf dem Radkasten seines weißen Volvo-Lkw. Da kommt der Nachtisch von Rainer Bernickel zur rechten Zeit. Eine Tüte mit Schokoladeneiern, Osterhasen und ein paar praktischen Dingen für den Truckeralltag. Warnweste, Arbeitshandschuhe, Desinfektionsmittel. „Spasibo“ – danke.

Für den Steinfurter Rainer Bernickel ist der Feiertagsbesuch bei den Lkw-Fahrern auf den Rastplätzen entlang der A1 ein Herzensanliegen. Er kennt das Leben der vermeintlichen Könige der Landstraße genau. Ehrenamtlich ist er für den Verein DocStop aktiv, der im Notfall ärztliche Hilfe für Männer wie Viktor organisiert. Zusammen mit Tochter Petra Kreyenschulte und Enkelin Vanessa verteilt er heute über 50 Tüten.

Seit 15 Jahren ist der ehemalige Autobahnpolizist immer Weihnachten und Ostern auf Überraschungstour. Das Bild, was sich den Dreien auf den Trucker-Parkplätzen bietet, ist immer das gleiche: „Zu 99 Prozent sind das Männer aus dem Ostblock, die hier warten, dass es weitergeht“, weiß Petra Kreyenschulte, Polizistin wie Papa Rainer.

So wie Viktor. Zu Hause warten fünf Kinder und seine Frau. Er reibt Daumen und Zeigefinger aneinander. Geld. Zu Hause sind die Verdienstmöglichkeiten schlecht. Darum sitzt er auf dem Bock. Und hier, auf dem Rastplatz Tecklenburger Land, vier Tage fest. Erst am Montag kann er den Diesel wieder anwerfen und weiter nach Dänemark fahren. Danach geht es nach Hause. Endlich.

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