Produzent Alexander Maksimow
„Die Maske bleibt“

Borghorst -

McAirlaid‘s wurde 1997 als Vlieshersteller von Alexander Maksimow in Steinfurt gegründet und hat sich seitdem zu einem Unternehmen mit fünf Standorten, vier in Deutschland, einer in den USA, und über 500 Mitarbeitern entwickelt. In Selm läuft seit Mitte vergangenen Jahres die Produktion von Atemschutzmasken. Was aus der persönlichen Sicht eines Herstellers an der Corona-Politik der Bundesregierung besser laufen könnte, sagt Alexander Maksimow im Interview.

Freitag, 23.04.2021, 15:06 Uhr
Alexander Maksimow kritisiert die Bundesregierung für ihre Corona-Politik. Die Maskenproduktion läuft seit einem Jahr in Selm.
Alexander Maksimow kritisiert die Bundesregierung für ihre Corona-Politik. Die Maskenproduktion läuft seit einem Jahr in Selm.

Was war für Sie der Anlass, im vergangenen Jahr mit der Produktion von medizinischen Masken zu starten?

Maksimow : Für mich gab es zwei Gründe: Zum einen war mir relativ schnell klar, als das Thema Corona hochkam, dass das eine schlimme Pandemie werden würde. So wollte ich unsere eigenen Mitarbeiter davor schützen. Das sind weltweit immerhin rund 500. Und die sind mittlerweile alle durch unsere eigenen Masken geschützt. Zum anderen haben wir eine Anfrage des Bundeswirtschaftsministeriums erhalten, ob wir uns nicht in der Herstellung von Masken oder des Rohmaterials engagieren wollen. Da haben wir uns schnell entschieden, eigene Fertigungsstraßen, übrigens in unserem Werk in Selm, einzurichten.

Die Freude war offensichtlich nicht von langer Dauer. Sie scheinen mit der aktuellen Situation im Hinblick auf die Vorgaben bei der Maskenproduktion und -anwendung nicht glücklich. Sie haben in Fernsehinterviews der Bundesregierung vorgeworfen, sie sei Ihnen in den Rücken gefallen.

Maksimow: Wir haben unseren Teil der Vereinbarung eingehalten. Unser Unternehmen hat sehr schnell sehr hochwertige medizinische Masken produziert, die alle notwendigen Standards zum Teil mehr als erfüllt haben. Ein Beispiel: Nach dem höchsten Standard für OP-Masken müssen 98 Prozent der Krankheitserreger herausgefiltert werden. Unsere Masken schafften in den für die Zertifizierung der OP-Masken vorgeschriebenen Tests sogar 99,6 Prozent. Trotzdem waren die Masken nicht gut genug für Herrn Spahn . Der hat uns mitgeteilt, dass er lieber auf seine asiatischen Lieferanten zurückgreift. Obwohl uns sein Kollege, der Herr Wirtschaftsminister, eine finanzielle Förderung zum Aufbau der Produktion im eigenen Land hat zukommen lassen.

Was glauben Sie, was steckt dahinter?

Maksimow: Das ist mittlerweile überall öffentlich nachzulesen: Das Gesundheitsministerium hat im vergangenen Frühjahr zu mächtig überhöhten Preisen Masken aus Asien gekauft. Konkret: Jens Spahn hat für eine FFP2-Maske 4,50 Euro bezahlt, das entspricht einem Kilopreis von über 1000 Euro! Und das für ein Einwegprodukt, das täglich weggeworfen werden muss. Das ist, wie ich finde, verdammt starker Tobak. Insgesamt wurden Masken für 5,9 Milliarden Euro gekauft und dann versucht, sie auf allen möglichen Weg wieder loszuschlagen. Das hat den Markt gehörig durcheinandergewirbelt.

Es geht hier in erster Linie um FFP2-Masken, die nach Darstellung der Politik die sichersten sind.

Maksimow: Das ist, Entschuldigung für den Ausdruck, kompletter Kokolores. Es herrscht ein Prüfchaos, eine vergleichende Bewertung von zum Beispiel FFP2- gegenüber OP-Masken ist nicht möglich. Es fehlt jeder wissenschaftlicher Beweis, dass die OP-Maske weniger geeignet ist für diese Pandemie-Zwecke als die FFP2-Maske. Die FFP2 ist eine Arbeitsschutzmaske, eine Staubmaske. Und eben, weil sie das ist, wird sie nicht standardmäßig darauf getestet, ob sie von Viren in Verbindung mit Aerosol-Partikelgrößen wie bei SARS-CoV-2 ausreichend schützen. In den meisten Gebrauchsanweisungen für diese Masken steht drin, dass sie nicht zum Schutz vor Viren oder Bakterien geeignet sind. Außerdem: Wenn die FFP2 wirklich so viel besser wäre, warum sind die Infektionszahlen in Bayern so hoch? Dort ist sie seit Monaten Pflicht. Wieso investiert die Bundesregierung also Gelder in Milliardenhöhe in FFP2-Masken, von denen nicht nachgewiesen ist, ob und wie gut sie gegen das Coronavirus schützen? Und warum kümmert sich keiner darum, eine fundierte Prüfgrundlage für die Schutzmasken auf den Weg zu bringen, die es erlaubt, eindeutige und reproduzierbare Prüfergebnisse zu erhalten, die tatsächlich offenlegen, welche Maske für welches Einsatzgebiet geeignet ist und somit für uns alle die optimale Schutzwirkung bietet?

Warum ist Ihr Unternehmen denn in die Produktion von OP-Masken eingestiegen und nicht in die von FFP2-Masken?

Maksimow: Wir haben damals nicht im Traum an FFP2 gedacht, weil, wie eben dargestellt, das keine Maske für den medizinischen Bereich ist. Im übrigen rät das Robert-Koch-Institut davon ab, FFP2-Masken für ein Einsatz im Alltag zu verwenden.

Mit dem Wissen von heute, würden Sie da anders entscheiden?

Maksimow: Nein, würden wir nicht. Aber ich hätte wahrscheinlich nicht drei Produktionsstraßen gebaut. OP-Masken sind offensichtlich nicht gewollt von den Politikern. Obwohl man sie in letzter Zeit immer häufiger mit OP-Masken im Fernsehen sieht. Ich kann nach wie vor nicht verstehen, warum man erst sagt, wir dürfen uns nicht abhängig machen von Lieferanten aus dem Ausland, darum die Herstellung im eigenen Land forciert und dann für sechs Milliarden Euro Masken aus China kauft.

Mittlerweile häufen sich die Berichte über Hersteller, die auch in Deutschland nach zum Teil unterirdischen Qualitätsstandards arbeiten. Worauf kommt es bei der Produktion von hochwertigen Schutzausrüstungen an?

Maksimow: Wir sind als Produzent von Vliesstoffen seit 25 Jahren am Markt. Ich persönlich beschäftige mich mit der Materie über 40 Jahre. Es steckt sehr viel Hygiene- und auch Produktions-Knowhow dahinter. Wenn ich lese und im Fernsehen sehe, dass ehemalige DJs oder Gebrauchtwagenhändler jetzt hygienisch hochwertigen Virenschutz produzieren wollen, kann das nur schief gehen. Ich verstehe nicht, warum die Bundesregierung da nicht stärker kontrollierend eingreift.

Was kommt nach Corona? Stellen Sie Ihre Produktion dann wieder ein?

Maksimow: Nein, auf keinen Fall. Wir gehen davon aus, dass die Maske ihren festen Platz in der Gesellschaft behalten wird. Schauen Sie nach Asien, da gehört sie im öffentlichen Raum, im Zug, in den Einkaufsstraßen oder Geschäften wie selbstverständlich dazu. Ein wichtiges Argument: Das konsequente Tragen ist ein Grund dafür, dass es seit Corona keine Grippewelle gegeben hat.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7932110?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F105%2F186%2F
Nachrichten-Ticker